Für die Aktie des deutschen Marine-Spezialisten TKMS lief es in den vergangenen Wochen nicht sonderlich gut. Seit Ende Januar befindet sich das Papier in einem Abwärtstrend und testete zuletzt abermals die Tiefstände im Bereich 70 €. Doch am Mittwoch schießt der Kurs plötzlich um mehr als +11% in die Höhe. Was steckt hinter der unerwarteten Rallye und wie kann es jetzt weitergehen?
Der Spiegel sorgt für einen Paukenschlag
Ein Bericht des Spiegel hat den deutschen Rüstungssektor am Mittwoch kräftig durcheinandergewirbelt. Während Rheinmetall zweistellig einbricht, schießt die Aktie von Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) um mehr als +10% nach oben. Auslöser sind Pläne aus dem Verteidigungsministerium, das milliardenschwere Fregattenprogramm F126 nicht weiterzuverfolgen und stattdessen auf eine größere Zahl von Fregatten des Typs MEKO A-200 zu setzen.
Für TKMS könnte das weit mehr sein als nur ein kurzfristiger Börsenimpuls.
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Milliardenprojekt vor Neuordnung
Laut dem Bericht soll Verteidigungsminister Boris Pistorius die bisherigen F126-Pläne wegen erheblicher Verzögerungen und stark gestiegener Kosten beenden. Das ursprünglich auf rund zehn Milliarden € veranschlagte Programm hätte inzwischen deutlich höhere Mittel erfordert.
An die Stelle der F126-Fregatten könnten nun bis zu acht Einheiten der von TKMS entwickelten MEKO-A-200-Klasse treten. Für den Kieler Marinespezialisten wäre dies ein strategischer Erfolg mit enormer Signalwirkung. Denn Marineprojekte dieser Größenordnung umfassen nicht nur den Bau der Schiffe selbst, sondern häufig jahrzehntelange Wartungs-, Modernisierungs- und Serviceaufträge.
An der Börse wurde die Nachricht sofort als potenzieller Milliardenauftrag für TKMS interpretiert. Gleichzeitig werteten Anleger das Aus des F126-Programms als empfindlichen Rückschlag für Rheinmetall und dessen Marineambitionen.
Auftragsbuch bereits auf Rekordniveau
Der mögliche Fregattenauftrag kommt zu einem Zeitpunkt, in dem es für das Unternehmen operativ ohnehin sehr gut läuft. TKMS verfügt aktuell über einen Rekordauftragsbestand von mehr als 20 Milliarden € und zählt zu den führenden Anbietern von U-Booten und Marineschiffen weltweit.
Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 steigerte das Unternehmen seinen Umsatz auf 1,17 Milliarden €. Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) erreichte 60 Millionen €. Zwar belasteten projektbedingte Investitionen den freien Cashflow, doch das Management verweist auf planmäßige Vorleistungen für laufende Großprojekte.
Für Investoren steht derzeit vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie schnell TKMS den gewaltigen Auftragsbestand in steigende Gewinne und Cashflows umwandeln kann. Genau dieses Thema adressiert das Management aktuell auf einer internationalen Investoren-Roadshow.
Weitere Milliardenchancen in Sicht
Zusätzliche Fantasie liefert das Auslandsgeschäft. In Kanada läuft derzeit die entscheidende Phase des „Canadian Patrol Submarine Project“. Dabei geht es um die Beschaffung von bis zu zwölf U-Booten mit einem möglichen Gesamtvolumen von über 30 Milliarden €.
TKMS bewirbt sich mit dem Modell 212CD und hat bereits erste Vorbereitungen getroffen, um lokale Wertschöpfungsanforderungen erfüllen zu können. Ein Zuschlag würde die Position des Unternehmens als einer der weltweit führenden Marineausrüster nochmals deutlich stärken.
Analysten sehen weiteres Potenzial
Auch Analysten reagieren positiv auf die jüngsten Entwicklungen. mwb research bekräftigte zuletzt die Kaufempfehlung und sieht ein Kursziel von 125 €. Die Experten argumentieren, dass neue Marineaufträge die Werftkapazitäten bis weit in die 2040er Jahre auslasten könnten.
Charttechnisch hat die Aktie nach der erfolgreichen Verteidigung der Zone um 70 € ebenfalls wichtige Signal hinsichtlich einer möglichen Bodenbildung geliefert. Mit dem jüngsten Kurssprung rückt nun die Marke von 90 € wieder in den Fokus.
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Der Kurssprung vom Mittwoch ist mehr als nur eine kurzfristige Reaktion auf eine Schlagzeile. Sollte sich die Abkehr vom F126-Programm bestätigen und TKMS tatsächlich den Zuschlag für die MEKO-A-200-Fregatten erhalten, würde sich die ohnehin starke Auftragsbasis des Unternehmens nochmals deutlich verbessern.
Zusammen mit dem Rekordauftragsbestand, den Chancen in Kanada und einer generell steigenden Nachfrage nach Marineausrüstung könnte damit die Grundlage für eine neue Wachstumsphase gelegt werden.
Entscheidend bleibt jedoch, ob aus den politischen Plänen tatsächlich verbindliche Aufträge werden. Gelingt das, dürfte die jüngste Rallye erst der Anfang gewesen sein. Ich bleibe langfristig auf jeden Fall positiv gestimmt, was die TKMS-Aktie angeht.
TKMS AG & Co. KGaA in Kürze
- TKMS (WKN: TKMS00) ist aus der Abspaltung aus dem ThyssenKrupp-Konzern entstanden. Das Unternehmen zählt zu den führenden europäischen Anbietern im militärischen Marinebereich.
- Der Hauptsitz befindet sich in Kiel, daneben unterhält der Konzern nationale Standorte in Wismar, Bremen, Hamburg und Emden. Daneben bestehen weitere internationale Standorte.
- Die TKMS-Aktie ist Mitglied im Nebenwerteindex MDAX und an der Börse aktuell mit 4,7 Milliarden € bewertet.
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