Die ThyssenKrupp-Aktie konnte das Tief Ende März mit rund 7,50 € wieder deutlich verlassen. Der Grund hierfür war der Verkauf des Aufzugherstellers Elevator. Nach einem anfänglichen Kursrückgang dreht die Aktie wieder ins Plus und steht aktuell bei 10,20 €. Jetzt rückt die Stahlsparte wieder in den Vordergrund; ThyssenKrupp will sie behalten. Was bedeutet das für die Aktie?

Verhandlungen auf Eis gelegt

Es war zu erwarten, dass die Verhandlungen mit dem indischen Konzern Jindal nicht zum Erfolg führen. Nachdem im September letzten Jahres die Verhandlungen begannen, wurden erste Ergebnisse für Anfang des Jahres angekündigt. Diese erfolgten jedoch nicht; es wurde immer auf die vereinbarte Verschwiegenheitspflicht hingewiesen.

Nun zieht der Essener Konzern wahrscheinlich die Reißleine und erklärt, dass die Stahlsparte vorerst im Alleineigentum bleibt. Die Gespräche mit Jindal werden vorerst ausgesetzt.

Als Grund wurden die geänderten Rahmenbedingungen im Stahlmarkt sowie die bisherigen Fortschritte der Sanierung genannt.

Es könnten auch die Bedenken von Jindal gewesen sein. Um den Einstieg zu ermöglichen, hätte ThyssenKrupp wahrscheinlich hohe Zugeständnisse machen müssen. Dazu bestand keine Bereitschaft.

Vorsorglich äußerte sich der CEO Miguel López in einem Spiegel-Interview wie folgt:

Ich werde den Stahl nicht verramschen. Das gelte für alle, die daran interessiert sind.

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Sanierung in Eigenregie geht weiter

Damit die Stahlsparte wieder wettbewerbsfähig und zurück in die Gewinnzone kommt, bedarf es weiterer Sanierungsmaßnahmen. Das größte Hindernis ist bereits auf den Weg gebracht. Die Kapazitäten sollen deutlich reduziert werden; dies ist mit einem Abbau von 11.000 Stellen verbunden. Hierüber wurde mit der IG Metall bereits eine Einigung erzielt, die Maßnahmen werden bereits umgesetzt.

Auch der Anteil an der HKM-Tochter wurde an Salzgitter verkauft. Somit ist auch dieser Baustein bereits erledigt. Zusätzlich wird die Transformation zu klimaneutralem Stahl fortgesetzt. In Duisburg entsteht eine neue Direktanlage, mittels derer Kohle durch Wasserstoff ersetzt wird. 2027 soll sie zum Einsatz kommen.

Was bedeutet das für die Aktie?

In dem Kursniveau war immer die Hoffnung auf einen Einstieg von Jindal eingepreist. Dieser Aspekt fällt jetzt weg; der Essener Konzern trägt die weiteren Belastungen jetzt allein. Aus dem Verkauf der restlichen Anteile der Aufzugstochter Elevator kommt der Geldzufluss genau im richtigen Zeitpunkt.

Der anfängliche Kursrückgang von nur –2,5% zeigt, dass die große Überraschung ausblieb. Da lange Zeit keine Meldungen über den Stand der Verhandlungen erfolgten, kam die Beendigung nicht überraschend.

Für den weiteren Kursverlauf kommt es jetzt darauf an, wie hoch die zusätzlichen Sanierungskosten ausfallen. Ein Einstieg wäre vorteilhafter gewesen, das ist jedoch vorerst vorbei. Dass der Konzern mit neuen Interessenten verhandelt, ist unwahrscheinlich. Dass die EU die einheimischen Stahlhersteller vor Billigimporten stärker schützen will, dürfte ebenfalls für die Restrukturierung helfen.

Die Anlasten kamen in ihren Bewertungen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Die Bandbreite der Zielkurse reicht von 9 bis 14,50 €.

Mein Fazit:

Momentan gehe ich von einer Seitwärtsbewegung beim Kursverlauf aus. Dabei dürfte sich der Kurs je nach Nachrichtenlage in einer breiten Range von 8 bis 12 € bewegen.

In diesem Zusammenhang: Regierungen stocken strategische Rohstoffreserven massiv auf – unser Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ analysiert zwei Aktien, die Profiteur zu großen Profiteuren werden dürften.

ℹ Thyssenkrupp in Kürze

  • Thyssenkrupp mit Hauptsitz in Essen ist ein diversifizierter Industrie- und Technologiekonzern mit Schwerpunkt in der Stahlherstellung.
  • Der Konzern ging 1999 aus der Fusion der beiden Traditionsunternehmen Friedrich Krupp AG und Thyssen AG hervor.
  • Thyssenkrupp ist im Nebenwerteindex MDAX notiert und ist aktuell rund 6,4 Milliarden € wert.

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