
Der beispiellose Umfang der bevorstehenden Börsengänge (IPOs) von SpaceX, Anthropic und OpenAI könnte kurzfristig Turbulenzen am US-Aktienmarkt bedeuten, sagt Steve Brice, Global Chief Investment Officer für Wealth Solutions bei Standard Chartered.
Warum? Weil diese Mega‑Cap-Markteintritte voraussichtlich „Verdauungsprobleme“ bereiten würden, sagte er in einem jüngsten CNBC-Interview und fügte hinzu, dass dieser aggressive Zufluss neuer Aktien die „institutionelle Liquidität“ erschöpfen und breitere Indizes stark belasten könnte.
Dementsprechend behält Standard Chartered auf dem Weg in den Sommer eine vorsichtige Haltung bei, zumal der Kapitalabfluss mit schweren geopolitischen Versorgungsschocks im Zusammenhang mit dem US‑Iran‑Konflikt zusammenfällt.
Warum SpaceX-, Anthropic- und OpenAI-IPOs einen Ausverkauf auslösen
Laut Steve Brice wirkt die finanzielle Anziehungskraft dieser Tech‑ und Luftfahrt-Listings wie ein signifikanter Anspruch auf institutionelles Kapital.
SpaceX zielt auf eine Rekordbewertung von 1,8 Billionen USD (ca. 1,5 Billionen €) bei einem Börsengang ab, nachdem der Umsatz im Vorjahresvergleich um 33 % auf 18,7 Milliarden USD (ca. 16,3 Milliarden €) im vergangenen Jahr gestiegen ist.
Unterdessen soll Anthropic im Privatmarkt eine Bewertung von 965 Milliarden USD (ca. 841,8 Milliarden €) bei einer Umsatz‑Run‑Rate von 47 Milliarden USD (ca. 41 Milliarden €) erreicht haben, und überholte damit OpenAIs Bewertung von $852 Milliarden laut seiner letzten Finanzierungsrunde.
Die Einbringung dieser kombinierten Eigenkapitalmasse von 3,5 Billionen USD (ca. 3,1 Billionen €) an die öffentlichen Märkte würde nahezu sicher eine erhebliche institutionelle Neuausrichtung erfordern.
Und obwohl eine Marktausweitung zu erwarten ist, werde diese laut Brice wohl kaum „vollkommen reibungslos“ verlaufen.
Er erwartet, dass Portfoliomanager bestehende Positionen liquidieren, um Kapital für diese generationenprägenden Werte zu sichern, was in der Anfangsphase des Sommer‑Listing‑Zyklus zu breiterer Marktschwäche führen werde.
Geopolitische Spannungen könnten den Liquiditätsabfluss verschärfen
Zu der Liquiditätsbelastung kommen anhaltende „geopolitische Spannungen“ hinzu, die globale Lieferketten bedrohen.
Während robuste bevorstehende US‑Arbeitsmarktdaten die Anlegerstimmung vorübergehend stützen könnten, glaubt Brice, dass diese Widerstandskraft schnell erodieren könnte, wenn die Straße von Hormus geschlossen bleibt.
Der von Teheran veranlasste Verschluss des kritischen maritimen Engpasses als „Vergeltung“ für die Blockade iranischer Häfen durch die Trump‑Regierung hat bereits zu einem starken Anstieg der globalen Energiepreise geführt.
„Die Lagerbestände werden in rasantem Tempo abgebaut“, erklärte Brice, was über physisches Rohöl hinaus auch essentielle industrielle Vorprodukte wie Petrochemikalien und Harnstoff betreffe.
Diese aggressive Verknappung von zulieferseitigen Inputs droht, die operativen Margen der Unternehmen weltweit zu drücken und die von Standard Chartered erwartete breitere Schwäche zu verschärfen, wenn die erwähnten Mega‑IPOs in ein zunehmend fragiles Umfeld starten.
Was Anleger tun sollten, sobald der Ausverkauf eintritt
Trotz dieser unmittelbaren Gegenwinde durch Liquiditätsabfluss und Lieferkettenblockaden betrachtet Standard Chartered den erwarteten Rücksetzer im Sommer als taktischen Einstiegszeitpunkt.
Auf längere Sicht werde sich die Schwäche durch die Angebote von SpaceX, Anthropic und OpenAI sowie die Turbulenzen auf den Energiemärkten zu einem „guten Kaufzeitpunkt“ zu einem späteren Zeitpunkt dieses Jahres wandeln, fügte Brice hinzu.
Kurz gesagt: Sobald die anfängliche Kapitalrotation nachlässt und die Versorgungsschocks eingepreist sind, sollte diszipliniertes Kapitalengagement Anleger belohnen, wenn der Markt diese historischen Börsengänge vollständig verdaut.
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