Normalerweise halten sich die Kursveränderungen von Energieversorgern in Grenzen. Das gilt auch für den kalifornischen Energiekonzern Edison International (WKN: 887629).
Doch in den letzten Tagen war die Kursentwicklung der Edison International-Aktie nichts für schwache Nerven. Am 31. August brach sie um 23 % ein. Am 1. September konnte sie sich wieder um 9 % erholen. Was war da los und sollten Dividendenjäger in diese Aktie einsteigen?
Ein Großbrand mit großen Folgen
Im Januar 2025 brach in Kalifornien ein gewaltiger Großbrand aus, bei dem 19 Menschen ums Leben kamen und über 9.400 Gebäude zerstört wurden. Der Gesamtschaden des Feuers wird auf über 27 Milliarden US$ geschätzt.
Die Brandschutzbehörde LA County bestätigte in ihrem Untersuchungsbericht, dass der Brand durch Lichtbögen an einem ungenutzten Sendemast von Southern California Edison, einer Tochtergesellschaft von Edison International, ausgelöst wurde. Heiße Funken fielen auf das trockene Gebüsch darunter.
Gegen Edison laufen deshalb hunderte Klagen von Opfern, Versicherungen und dem US-Justizministerium. Das Unternehmen hat bereits hunderte Millionen US$ an Vergleichen angeboten, sieht sich aber weiterhin enormen Schadenersatzforderungen ausgesetzt.
Ein ungünstiges Gesetz
In Kalifornien gilt das Prinzip der sogenannten Inverse Condemnation. Wenn die Ausrüstung eines privaten Versorgers (wie Masten oder Leitungen) einen Brand verursacht, haftet das Unternehmen für alle Sachschäden – völlig unabhängig davon, ob dem Unternehmen Fahrlässigkeit oder ein Verschulden nachgewiesen werden kann.
Ende August verabschiedete der kalifornische Gesetzgeber ein neues Waldbrandgesetz, in dem allerdings wesentliche Schutzmechanismen für Versorgungsunternehmen gestrichen wurden. Weder das von Gouverneur Gavin Newsom vorgeschlagene Verbot von Regressklagen durch Versicherungsgesellschaften noch ein Deckel für Schadensersatzforderungen wurden aufgenommen. Das bedeutet, dass Edison International nach wie vor unbegrenzt für Waldbrände haftbar gemacht werden kann, was den jüngsten Kurssturz erklärt.
Ein sehr attraktiver Dividendenzahler
Durch den jüngsten Kurssturz steigt die Dividendenrendite der Edison International-Aktie auf 5,8 % — ein sehr attraktiver Wert für einen Energieversorger. Noch dazu für ein Unternehmen, das für kontinuierliche Dividendensteigerungen bekannt ist. In den letzten zehn Jahren hat Edison seine Gewinnausschüttungen im Schnitt um 7 % p.a. angehoben.
Ist es das Risiko wert?
Die Unsicherheit rund um die Edison International-Aktie ist durch das jüngste Gesetz Kaliforniens massiv gestiegen. Schadenersatzklagen können in den USA bekanntermaßer sehr große Ausmaße annahmen — mit unbekannten oder sogar existenzgefährdenden Auswirkungen auf Unternehmen.
Aber Edison International ist auch ein systemrelevanter Energiekonzern. Über seine Haupttochtergesellschaft Southern California Edison ist er einer der entscheidenden Grundpfeiler des kalifornischen Stromnetzes und beliefert rund 15 Millionen Menschen im Bundesstaat. Eine Pleite von Edison International ist vor diesem Hintergrund kaum vorstellbar.
Sehr wohl vorstellbar sind allerdings Dividendenkürzungen. Sollte Edison in den kommenden Monaten dazu gezwungen sein, größere Rückstellungen für Schadenersatz zu bilden, könnte die Dividende davon betroffen sein.
Anleger sollten meiner Meinung nach die politische und juristische Entwicklung in den kommenden Wochen beobachten. Das Risiko einer Dividendenkürzung ist nicht zu unterschätzen.
Der Artikel Soll man diesen US-Energieversorger jetzt als Top-Dividendenaktie kaufen? ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.