Bei Silber geht die Talfahrt weiter. Am Mittwoch stürzte das weiße Edelmetall um fast -7% ab, nachdem es bereits am Dienstag um mehr als -5% hinabgegangen war. Der Preis fiel mit 55,62 US$ je Unze auf den tiefsten Stand seit Ende November. Gegenüber dem Rekordhoch von Ende Januar belaufen sich die Abschläge schon auf mehr als -50%. Doch wie sind die weiteren Aussichten für Silber? Lohnt sich jetzt der Einstieg?

Dollar-Stärke und Zinsangst belasten

Der Silberpreis hat zuletzt massiv an Glanz verloren. Nach dem spektakulären Anstieg der vergangenen Monate befindet sich das Edelmetall inzwischen in einer scharfen Korrektur.

Der wichtigste Belastungsfaktor kommt derzeit aus den USA. Nachdem die Märkte zu Jahresbeginn noch fest mit Zinssenkungen gerechnet hatten, hat sich das Bild inzwischen deutlich verändert. Die robuste US-Wirtschaft und hartnäckige Inflationsrisiken haben die Erwartungen verschoben. Statt sinkender Zinsen wird inzwischen sogar über weitere Zinserhöhungen diskutiert.

Davon profitiert vor allem der US-Dollar. Der Dollar-Index hat zuletzt kräftig zugelegt und Edelmetalle damit unter Druck gesetzt. Da Silber weltweit überwiegend in US-Dollar gehandelt wird, verteuert ein stärkerer Greenback das Metall für Käufer außerhalb der Vereinigten Staaten und belastet die Nachfrage.

Zusätzlichen Druck erzeugten zuletzt Aussagen von US-Finanzminister Scott Bessent, der die anhaltende Dominanz des Dollars betonte. Damit wurden Narrative wie Entdollarisierung und Dollar-Schwäche, die Edelmetalle lange unterstützt hatten, zumindest kurzfristig infrage gestellt.

Kurzfristig richtet sich der Blick auf die heute gemeldeten US-PCE-Inflationsdaten für den Monat Mai. Sie gelten als bevorzugter Inflationsindikator der Federal Reserve. Während die Gesamtinflation aufgrund der durch den Iran-Krieg verursachten Energiepreissteigerungen auf 4,1% kletterte, lag die vielbeachtete Kernrate (ohne Lebensmittel und Energie) wie erwartet bei 3,4%.

Im Übrigen: Wie man gewinnbringend im Rohstoff-Bereich investiert und welche Aktien gerade besonders spannend sind, zeigt unser neuer Report!

Silber leidet stärker als Gold

Während Gold ebenfalls korrigiert, fällt die Reaktion bei Silber deutlich heftiger aus. Das ist kein neues Phänomen. Silber gilt traditionell als der volatilere „kleine Bruder“ des Goldes. In Aufwärtsphasen entwickelt das Metall häufig eine Hebelwirkung, die zu überproportionalen Kursanstiegen führt. In Korrekturphasen wirkt dieser Hebel jedoch in die entgegengesetzte Richtung.

Hinzu kommt, dass Silber neben seiner Funktion als Edelmetall auch stark von der industriellen Nachfrage abhängt. Schwächere Konjunkturerwartungen und die allgemeine Risikoaversion an den Märkten treffen das Metall daher besonders stark.

Chartbild trübt sich weiter ein

Aus charttechnischer Sicht wird die Lage immer brenzliger. Nach dem Bruch der Unterstützung im Bereich 60/61 US$ drohen weitere Abgaben in Richtung 55 US$. Hiernach könnte es zu einem Test der historischen Hochpunkte der Jahre 1980 und 2011 bei 48/50 US$ kommen.

Gelingt die Rückeroberung der 60-US$-Marke, wäre eine technische Erholung in Richtung 70 US$ möglich.

Die langfristige Story bleibt intakt

Trotz der aktuellen Turbulenzen sprechen mehrere Faktoren weiterhin für Silber. Die industrielle Nachfrage aus den Bereichen Solarenergie, Elektromobilität, Elektronik und KI-Infrastruktur wächst strukturell. Gleichzeitig weist der Silbermarkt seit Jahren Angebotsdefizite auf.

Auch das Gold-Silber-Verhältnis signalisiert mittlerweile eine deutliche Unterbewertung gegenüber Gold. Historisch betrachtet waren solche Phasen häufig der Ausgangspunkt für eine spätere Outperformance des weißen Edelmetalls.

Ergänzend dazu: Die Neubewertung von Silber als Rüstungsmetall schafft historische Chancen – unser Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ zeigt ein Unternehmen, das damit vor einer massive Neubewertung steht.

Kurzfristig bleibt Silber ein Spielball von Zinsängsten, Dollar-Stärke und Inflationsdaten. Die Volatilität dürfte hoch bleiben und der Rutsch unter die 60-US$-Marke könnte noch nicht das Ende der Korrektur darstellen.

Langfristig hat sich das fundamentale Bild jedoch kaum verändert. Die strukturell steigende Industrienachfrage, das knappe Angebot und die historische Unterbewertung gegenüber Gold sprechen weiterhin für deutlich höhere Kurse. Wer einen längeren Anlagehorizont mitbringt und Schwankungen aushalten kann, dürfte die aktuelle Schwächephase eher als Chance denn als Bedrohung betrachten.

ℹ Silber im Überblick

  • Silber erfüllt als „kleiner Bruder“ des Goldes eine wichtige Doppelrolle. Während es historisch genau wie Gold als Geld und Wertspeicher sowie in der Schmuckindustrie genutzt wird, ist es heute vor allem ein unverzichtbares Industriemetall. Durch seine extrem hohe elektrische und thermische Leitfähigkeit ist Silber ein Schlüsselrohstoff für Zukunftstechnologien wie Solaranlagen (Photovoltaik), E-Mobilität und die 5G-Infrastruktur.
  • Schätzungen zufolge wurden in der Menschheitsgeschichte bisher rund 1,74 Millionen Tonnen Silber gefördert. Die weltweit bekannten, wirtschaftlich abbaubaren Reserven sind knapp und werden auf etwa 530.000 Tonnen geschätzt. Da Silber im Gegensatz zu Gold in der Industrie oft in Kleinstmengen verbraucht und kaum recycelt wird, führt die begrenzte Verfügbarkeit bei gleichzeitig steigender Tech-Nachfrage zu einem strukturellen Defizit.

The post Silber: 50% weg – ist das die große Kaufchance? first appeared on sharedeals.de.