Die Siemens Energy-Aktie hat in den letzten Wochen deutlich korrigiert und gegenüber dem Rekordhoch von Ende April in der Spitze gut -30% verloren. In den letzten Tagen gelang bereits eine zweistellige Kurserholung. Nun hat der Münchener Energietechnikkonzern frische Zahlen präsentiert. Sorgen diese für den nächsten Kursschub?

Rekordquartal auf breiter Front

Siemens Energy hat die Erwartungen im dritten Geschäftsquartal klar übertroffen. Der Auftragseingang stieg auf vergleichbarer Basis um 8,5% auf 17,9 Milliarden €, während der Umsatz um 18,5% auf den Rekordwert von 11,4 Milliarden € zulegte. Das Ergebnis vor Sondereffekten verdreifachte sich nahezu auf 1,6 Milliarden €, unter dem Strich kletterte der Nettogewinn um rund 70% auf 1,2 Milliarden €.

Haupttreiber bleiben das boomende Geschäft mit Gasturbinen und die Netztechnik. Der weltweite Ausbau von Stromnetzen, neue KI-Rechenzentren sowie die zunehmende Elektrifizierung sorgen unverändert für eine außergewöhnlich hohe Nachfrage. Mit einem gigantischen Auftragsbestand von 162 Milliarden € verfügt der Konzern über eine hervorragende Visibilität für die kommenden Jahre.

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Gamesa schafft den ersehnten Wendepunkt

Für die größte Überraschung sorgte jedoch Siemens Gamesa. Die Windenergietochter erwirtschaftete erstmals seit 2022 wieder einen operativen Gewinn und erzielte ein Ergebnis von 75 Millionen € nach einem Verlust von 438 Millionen € im Vorjahresquartal. Produktivitätssteigerungen und höhere Kosteneffizienz machen sich inzwischen deutlich bemerkbar.

Zwar fiel der Auftragseingang im Windgeschäft gegenüber dem außergewöhnlich starken Vorjahresquartal deutlich geringer aus. Angesichts eines Auftragsbestands von rund 31 Milliarden € besteht kurzfristig jedoch kein Anlass zur Sorge. Vielmehr dürfte die nachhaltige Rückkehr in die Profitabilität das Vertrauen der Investoren weiter stärken.

Prognose bestätigt – Analysten bleiben optimistisch

Die erst im Frühjahr angehobene Jahresprognose bestätigte Siemens Energy. Erwartet wird weiterhin ein vergleichbares Umsatzwachstum von 14 bis 16% sowie eine bereinigte operative Marge zwischen 10 und 12%, wobei das Management inzwischen das obere Ende der Zielspanne anvisiert. Der Nettogewinn soll rund vier Milliarden € erreichen.

Auch die Reaktionen der Analysten fallen entsprechend positiv aus. Jefferies bestätigte die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 215 €, Bernstein sieht den fairen Wert bei 210 € und JPMorgan ist mit 235 € besonders optimistisch. Skeptischer bleibt lediglich die britische Investmentbank Barclays, wo weiterhin befürchtet wird, dass der Boom bei Gasturbinen seinen Höhepunkt erreichen könnte.

Fundamental wirkt die Aktie mit einem erwarteten KGV von rund 34 zwar anspruchsvoll bewertet. Gleichzeitig relativiert das hohe Gewinnwachstum diese Kennzahl, so könnte das Multiple im kommenden Geschäftsjahr bereits auf 24 sinken. Hinzu kommt der Vergleich mit dem US-Konkurrenten GE Vernova: Während dieser an der Börse mit rund 260 Milliarden US$ bewertet wird, bringt Siemens Energy trotz einer inzwischen ähnlichen Wachstumsdynamik lediglich rund die Hälfte auf die Waage. Viele Analysten sehen deshalb weiterhin Bewertungsaufholpotenzial.

Chartbild hellt sich wieder auf

Charttechnisch senden die Zahlen ebenfalls ein positives Signal. Nach der kräftigen Korrektur der vergangenen Wochen hatte die Aktie Ende Juli am Sechsmonatstief bei 133,30 € gedreht, ohne das wichtige März-Tief nachhaltig zu unterschreiten. Anschließend gelang die Rückeroberung der 200-Tage-Linie, wodurch ein langfristiges Verkaufssignal verhindert wurde.

Nach den Quartalszahlen springt der Kurs in der Spitze um knapp +6% nach oben und überwindet kurzfristig auch die 50-Tage-Linie. Gewinnmitnahmen drücken die Aktie im Tagesverlauf allerdings wieder darunter. Damit bleibt der SMA50 der entscheidende kurzfristige Widerstand. Gelingt ein nachhaltiger Ausbruch darüber, dürften die Rekordhochs oberhalb von 190 € sowie die psychologisch wichtige 200-€-Marke wieder in den Fokus rücken. Ein erneuter Rückfall unter die 200-Tage-Linie würde das Chartbild dagegen deutlich eintrüben.

Siemens Energy liefert derzeit nahezu auf allen Ebenen ab. Rekordaufträge, kräftig steigende Gewinne und vor allem die Rückkehr von Gamesa in die Gewinnzone stärken die Investmentstory erheblich. Die hohe Bewertung erscheint angesichts des strukturellen Wachstums und der im Vergleich zu GE Vernova weiterhin niedrigeren Marktbewertung vertretbar.

Kurzfristig dürften Gewinnmitnahmen zwar für erhöhte Schwankungen sorgen. Solange sich die Aktie jedoch oberhalb der 200-Tage-Linie behauptet und den Sprung über den SMA50 schafft, stehen die Chancen gut, dass die nächsten Kursziele wieder im Bereich der Allzeithochs und der 200-€-Marke liegen.

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ℹ Siemens Energy in Kürze

  • Siemens Energy (WKN: ENER6Y) ist ein weltweit tätiger Energietechnologiekonzern mit Sitz in München, der Lösungen für Stromerzeugung, Netzinfrastruktur und industrielle Energieanwendungen entwickelt.
  • Das Unternehmen entstand 2020 durch die Abspaltung vom Siemens-Konzern und konzentriert sich auf Gas- und Dampfturbinen, Stromnetze sowie Windenergie über die Beteiligung Siemens Gamesa.
  • Die Aktie ist im DAX notiert und zählt zu den zentralen Werten im europäischen Energiesektor.
  • Die Marktkapitalisierung des Konzerns liegt derzeit bei rund 127 Milliarden €.

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