US Elections 2024, Kamala Harris,Donald Trump

Während sich der ehemalige Präsident Donald Trump und Vizepräsidentin Kamala Harris auf eine höchst polarisierte Wahl vorbereiten, scheinen die Indikatoren der Wall Street im Widerspruch zu den politischen Wettmärkten zu stehen.

Da die Anleger ihr Geld in Wetten auf Trumps Rückkehr stecken, scheint die Börse ein anderes Ergebnis anzudeuten.

Der S&P 500-Index ist seit August um über 10 Prozent gestiegen, was historisch gesehen ein positives Signal für den Kandidaten der amtierenden Partei ist.

Doch angesichts der komplexen politischen Dynamiken und der gespaltenen öffentlichen Meinung sind selbst Wall-Street-Analysten vorsichtig und wagen es nicht, zu viel in die Entwicklung des Marktes hineinzuinterpretieren.

Die historische Erfolgsbilanz des S&P 500 bei Präsidentschaftswahlen

Seit 1928 hat der S&P 500 den Ausgang von 20 der letzten 24 Präsidentschaftswahlen korrekt vorhergesagt und dabei die Performance der größten börsennotierten Unternehmen Amerikas verfolgt.

Im Allgemeinen deutet ein steigender Index in den Monaten vor dem Wahltag auf Vertrauen in den Sieg der amtierenden Partei hin, während ein Rückgang die Erwartung eines Wandels signalisiert.

In diesem Jahr könnte die Aufwärtsentwicklung des Marktes einen Sieg der Demokraten bedeuten, zumal Kamala Harris im Sommer Präsident Joe Biden die Wahlniederlage abgenommen hat.

„Der Markt geht davon aus, dass Harris gewinnt“, sagte Adam Turnquist, technischer Chefstratege bei LPL Financial, und fügte hinzu:

Wenn die Gewissheit größer ist, dass die amtierende Partei die Wahlen gewinnt, gibt diese Gewissheit dem Markt ein gewisses Maß an Sicherheit.

Er glaubt, dass der Anstieg des S&P 500 die Stabilität der Politik unter der gegenwärtigen Regierung widerspiegelt, die der Markt einem unvorhersehbaren Regierungswechsel vorzieht.

Marktexperten äußern Skepsis hinsichtlich der Vorhersagekraft des S&P 500

Einige Finanzexperten sind vorsichtig, wenn es darum geht, den Aktienmarkt als definitiven Indikator für die Wahlprognose zu verwenden. Sie weisen darauf hin, dass der aktuelle Index sich zunehmend von der Gesamtwirtschaft abkoppelt.

Monica Guerra, Leiterin der US-Politik von Morgan Stanley Wealth Management, sagte gegenüber POLITICO in einem Bericht, dass der S&P 500 keine „Kristallkugel“ sei.

Ihrer Ansicht nach ist das Marktwachstum eher auf die Gewinne der Technologiegiganten und die Maßnahmen der US-Notenbank zur Eindämmung der Inflation zurückzuführen als auf politische Ereignisse.

Auch Finanzprofessorin Reena Aggarwal von der Georgetown University stellt die heutige Relevanz des Index infrage:

„Zum Markt und zur Gesamtwirtschaft besteht eine Diskrepanz“, sagte sie.

Der Milliardär und Investor Stanley Druckenmiller hingegen zeigte sich zuversichtlich, was Trumps Chancen angeht, und verwies auf Trends bei Bankaktien, Kryptowährungen und dem Social-Media-Unternehmen Trump Media & Technology Group, die seiner Meinung nach alle von einem Sieg Trumps profitieren würden.

So ist beispielsweise der Aktienkurs von Trump Media vor Kurzem um über 200 Prozent gestiegen, während die Spekulationen über eine mögliche Rückkehr Trumps zunehmen.

Gespaltene Märkte spiegeln gespaltene Wähler wider

Die gemischten Signale der Wall Street könnten ein direktes Spiegelbild der polarisierten politischen Landschaft sein.

Zum ersten Mal bei den jüngsten Wahlen sind die Indikatoren nicht einheitlich ausgerichtet.

Ein Bericht von Morgan Stanley legt nahe, dass ein Investitionskorb, der von einem Sieg der Republikaner profitierte, in diesem Jahr die Rendite eines demokratischen Gegenstücks um 10 % übertraf, und zwar aufgrund des Wachstums in Sektoren wie Energie und Finanzen.

Guerra betrachtet diese Spaltung als Zeichen dafür, dass die Wahl tatsächlich unberechenbar ist.

„Das ist ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen. Man kann sehen, wie sich diese Dynamik sowohl auf den Märkten als auch in der Wirtschaft auswirkt“, sagte sie.

Die widersprüchlichen Indikatoren könnten laut Grimmer auch auf die unterschiedlichen wirtschaftlichen Perspektiven der Wähler zurückzuführen sein.

Mit Blick auf die Wahlen warnt Grimmer, dass die historischen Korrelationen des S&P 500 möglicherweise nicht zutreffen:

Die Geschichte ist nur bis zu einem gewissen Grad brauchbar. Wir müssen einfach abwarten und es herausfinden.

Es ist ein Münzwurf.

Das geteilte Bild der Wirtschaft vor dem Wahltag

In diesem Wahlzyklus ist es aufgrund der Diskrepanz zwischen Aktienmarktbewegungen und öffentlicher Stimmung schwierig, sich auf traditionelle Finanzindikatoren zu verlassen.

In den vergangenen Jahrzehnten spiegelte der S&P 500 die Konjunkturaussichten möglicherweise genauer wider, da er sich zu einem großen Teil aus Industrie- und Energieunternehmen mit größeren Belegschaften zusammensetzte und somit die Gesamtwirtschaft genauer repräsentierte.

Da jedoch die Technologiegiganten den heutigen Index dominieren, glauben Analysten wie Aggarwal, dass der S&P die wirtschaftlichen Sorgen der Wähler möglicherweise nicht so zuverlässig widerspiegelt.

Turnquist von LPL Financial hält dennoch an dem historischen Trend fest und merkt an, dass das Verhalten der Anleger im Vorfeld des Wahltags zwar nicht der letzte Indikator für die Lage sei, aber dennoch einen Einblick in die Wahrnehmung der politischen Stabilität durch den Markt biete.

Doch angesichts der Spaltung an der Wall Street und der Verunsicherung der Wähler könnte die endgültige Entscheidung von mehr als nur den Marktbewegungen abhängen.

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