Die Schaeffler-Aktie musste seit ihrem Hoch im Mai bei rund 11 € deutliche Kursverluste hinnehmen. Nach dem Rücksetzer Ende Juli bis auf etwa 7 € befindet sich das Papier inzwischen wieder im Erholungsmodus und notiert am Montag aktuell bei 7,70 €. Damit stellt sich die Frage: Ist inzwischen ein stabiler Boden erreicht – und bietet die Aktie wieder attraktives Kurspotenzial?

Wandel zum Technologiekonzern

Das klassische Zulieferergeschäft für die Automobilindustrie ist weiterhin das wichtigste Standbein. Gleichzeitig nimmt der Umbau zu einem breiter aufgestellten Technologieunternehmen zunehmend Fahrt auf.

Mit der Übernahme von Vitesco wurde insbesondere das Geschäft mit elektrischen Antriebstechnologien ausgebaut. In diesem Bereich dürften sich langfristig attraktive Wachstumschancen ergeben.

Um die eigene Position in der Batterietechnik zu stärken, hat Schaeffler zudem eine Absichtserklärung über eine Zusammenarbeit mit dem chinesischen Batteriespezialisten CATL vereinbart. CATL ist einer der weltweit führenden Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien und entwickelt unter anderem Batterien für Elektrofahrzeuge sowie große stationäre Energiespeicher. Die Zusammenarbeit könnte die Position von Schaeffler im Bereich der Elektromobilität weiter stärken.

Darüber hinaus diversifiziert sich der Konzern zunehmend in Zukunftsfelder wie Drohnentechnologie, Verteidigung, humanoide Robotik und Raumfahrt. In diesen Bereichen arbeitet Schaeffler mit spezialisierten Unternehmen zusammen und liefert vor allem technische Komponenten und Fertigungslösungen.

Auch bei Agility Robotics ist Schaeffler über eine Minderheitsbeteiligung engagiert. Ziel ist unter anderem, humanoide Roboter perspektivisch auch in den eigenen Produktionsprozessen einzusetzen.

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Profitabilität gesteigert

Der Konzern befindet sich mitten in einem umfangreichen Transformationsprozess. Dennoch konnten bei der Ertragslage zuletzt Fortschritte erzielt werden.

In den ersten sechs Monaten verbesserte sich das operative EBIT vor Sondereinflüssen von 482 auf 549 Millionen €. Die operative EBIT-Marge stieg von 4,1 auf 4,7%.

Besonders positiv entwickelte sich die Sparte E-Mobility, in der die Marge kontinuierlich verbessert werden konnte. Auch im Segment Bearings & Industrial Solutions stieg das operative EBIT.

Die Verbesserung ist umso bemerkenswerter, weil der Konzernumsatz währungsbereinigt lediglich um 0,4% auf 11,7 Milliarden € zulegte. In Europa und China gingen die Umsätze zurück.

Beim Free Cashflow ergab sich dagegen weiterhin ein negatives Bild. Aufgrund von Restrukturierungsmaßnahmen und Integrationszahlungen weitete sich der Fehlbetrag auf rund 300 Millionen € aus.

Insgesamt zeigen die Zahlen damit ein gemischtes Bild: Während der Umsatz kaum wächst und der Cashflow belastet bleibt, verbessert sich die operative Profitabilität.

Bewertung

Der wichtigste Aspekt des Halbjahresberichts ist für mich die Verbesserung der EBIT-Marge. Trotz nahezu stagnierender Umsätze konnte Schaeffler die operative Marge auf 4,7% steigern.

Für das laufende Geschäftsjahr strebt das Unternehmen eine operative EBIT-Marge von 3,5 bis 5,5% an, im Vorjahr lag sie bei 4%. Beim Jahresumsatz wird weiterhin mit 22,5 bis 24,5 Milliarden € gerechnet.

Im nächsten Quartalsbericht wird sich zeigen, ob sich die positive Margenentwicklung fortsetzt und wo Schaeffler letztlich innerhalb der Prognosespanne landet.

Der jüngste Kursrückgang ist vor allem auf die zuvor gesenkten Umsatzerwartungen zurückzuführen. Aus meiner Sicht sollte die Umsatzentwicklung jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist vielmehr, ob es dem Konzern gelingt, seine Profitabilität trotz des schwierigen Automobilumfelds nachhaltig zu verbessern.

Genau hier zeigen die jüngsten Zahlen erste positive Signale.

Auch strategisch ist Schaeffler auf einem interessanten Weg. Der Konzern reagiert auf den strukturellen Wandel in der Automobilindustrie und baut gleichzeitig neue Geschäftsfelder auf. Bis diese Investitionen jedoch einen wesentlichen Ergebnisbeitrag leisten, dürfte noch einige Zeit vergehen.

Das aktuelle Kursniveau bietet aus meiner Sicht wieder interessante Einstiegschancen. Allerdings befindet sich Schaeffler weiterhin mitten in einer anspruchsvollen Transformation. Anleger müssen deshalb mit einer erhöhten Volatilität rechnen.

Ein Kurs von etwa 9 € erscheint mir auf Sicht der kommenden Monate als realistisch. Gegenüber dem aktuellen Niveau entspricht dies einem Potenzial von etwa +18%. Was jetzt ebenfalls für die Aktie spricht, ist die aktuelle Dividendenrendite von 3,9%.

Ergänzend sei erwähnt: Während Panzerproduktion boomt, deckt „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ zwei Unternehmen auf, die dank des Nachfrageschubs den entsprechenden Rohstoffe bald massiv profitieren werden.

ℹ Schaeffler in Kürze

  • Die Schaeffler Gruppe ist ein weltweit führender Zulieferer der Automobil- und Industriebranche. Der Schwerpunkt dabei liegt bei Getriebe und Fahrwerk sowie Wälz- und Gleitlagerlösungen. Der Konzern befindet sich in einer Umbauphase hin zur Elektromobilität.
  • Der Hauptsitz befindet sich in Herzogenaurach, daneben ist der Konzern weltweit aufgestellt.
  • Die Übernahme und Verschmelzung der Vitesco AG wurde Ende September abgeschlossen.
  • Das Unternehmen ist im SDAX gelistet und wird aktuell mit etwa 7,2 Milliarden € bewertet.

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