Die Schaeffler-Aktie hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdoppelt und zählt damit zu den stärksten Werten unter den deutschen Autozulieferern. Selbst der deutliche Kurseinbruch im März infolge des Iran-Konflikts wurde inzwischen vollständig aufgeholt. Am Donnerstag notiert die Aktie aktuell leicht im Plus bei rund 11 €. Damit stellt sich für Anleger die Frage: Lohnt sich jetzt noch ein Einstieg?

Transformation schreitet voran

Der Wandel von Verbrenner- zu Elektrofahrzeugen verändert die gesamte Automobilindustrie. Zahlreiche klassische Komponenten verlieren langfristig an Bedeutung, während neue Technologien an Relevanz gewinnen. Schaeffler reagiert darauf deutlich offensiver als viele Wettbewerber.

Ein zentraler Schritt war die Übernahme von Vitesco, einem Spezialisten für E-Motoren und elektrische Antriebssysteme. Die Integration in den Gesamtkonzern läuft derzeit auf Hochtouren und soll künftig ein wichtiger Wachstumstreiber werden.

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Einstieg in die Robotik

Mit dem Ausbau des Robotik-Geschäfts positioniert sich das Unternehmen in einem besonders wachstumsstarken Markt. Gemeinsam mit dem Kooperationspartner Hexagon Robotics entwickelt Schaeffler Hardwarelösungen für humanoide Industrieroboter. Gleichzeitig plant der Konzern, entsprechende Robotersysteme künftig auch selbst in der Produktion einzusetzen.

Expansion ins Verteidigungsgeschäft

Darüber hinaus verstärkt Schaeffler seine Aktivitäten im Verteidigungssektor. Bislang lieferte der Konzern vor allem Komponenten für militärische Anwendungen. Künftig soll daraus jedoch ein eigenständiges Geschäftsfeld entstehen.

Ein wichtiger Schritt ist die Kooperation mit dem Drohnenhersteller Helsing. Dank seiner großen Fertigungskapazitäten könnte Schaeffler eine zentrale Rolle bei der industriellen Skalierung der Drohnenproduktion übernehmen.

Ausbau Satelliten- und Raumfahrttechnik

Auch im Bereich Raumfahrt prüft Schaeffler neue Möglichkeiten. Am 27. Mai wurde eine mögliche Zusammenarbeit mit dem Satellitenspezialisten Spire Global bekanntgegeben. Zunächst handelt es sich um eine Absichtserklärung, aus der später eine umfassendere Kooperation entstehen könnte.

Spire Global verfügt über langjährige Erfahrung in Entwicklung und Bau von Satelliten und kann jährlich mehrere hundert Einheiten produzieren. Gemeinsam mit Schaeffler sollen künftig Subsysteme und Plattformkomponenten für Satelliten entwickelt werden. Dabei dürfte Schaeffler vor allem seine industrielle Fertigungskompetenz einbringen.

Vom Autozulieferer zum Technologiekonzern

Die zahlreichen Aktivitäten zeigen, dass Schaeffler seine Transformation konsequent vorantreibt. Ohne neue Geschäftsfelder würde der Konzern langfristig stärker unter dem Strukturwandel der Automobilindustrie leiden – eine Entwicklung, die bereits bei anderen Zulieferern wie Continental sichtbar wird.

Mit der Strategie „Ambition 2035“ verfolgt Schaeffler daher das Ziel, sich schrittweise zu einem breit aufgestellten Technologiekonzern zu entwickeln. Die neuen Geschäftsbereiche sollen künftig einen deutlich größeren Beitrag zu Umsatz und Gewinn leisten.

Solider Start ins neue Geschäftsjahr

Auch operativ verlief der Jahresauftakt solide. Im ersten Quartal sank der Umsatz zwar nominell um 2,7% auf 5,8 Milliarden €, währungsbereinigt ergab sich jedoch ein leichter Anstieg.

Das operative EBIT verbesserte sich von 276 auf 285 Millionen €. Positiv wirkte sich insbesondere die geringere Verlustbelastung im Bereich E-Mobility aus. Dadurch erhöhte sich die EBIT-Marge von 4,7 auf 5%.

Die Jahresprognose wurde bestätigt. Schaeffler erwartet weiterhin einen Umsatz zwischen 22,5 und 24,5 Milliarden € sowie eine EBIT-Marge von 3,5 bis 5,5%.

Der starke Kursanstieg der vergangenen Monate spiegelt bereits viele positive Erwartungen wider. Kurzfristig erscheint daher eine Konsolidierung oder Seitwärtsbewegung wahrscheinlicher als ein weiterer dynamischer Anstieg.

Mittelfristig bleibt die Aktie jedoch interessant. Sollte es Schaeffler gelingen, die neuen Geschäftsfelder erfolgreich zu etablieren und profitabel auszubauen, könnten langfristig deutlich höhere Bewertungen möglich sein.

Auch die Analysten bleiben eher zurückhaltend. Das durchschnittliche Kursziel liegt derzeit bei 9,80 €, wobei die Spanne von 7,10 € bis 10,45 € reicht.

Für Anleger könnte es daher sinnvoll sein, zunächst eine ruhigere Marktphase abzuwarten.

ℹ Schaeffler in Kürze

  • Die Schaeffler Gruppe ist ein weltweit führender Zulieferer der Automobil- und Industriebranche. Der Schwerpunkt dabei liegt bei Getriebe und Fahrwerk sowie Wälz- und Gleitlagerlösungen. Der Konzern befindet sich in einer Umbauphase hin zur Elektromobilität.
  • Der Hauptsitz befindet sich in Herzogenaurach, daneben ist der Konzern weltweit aufgestellt.
  • Die Übernahme und Verschmelzung der Vitesco AG wurde Ende September abgeschlossen.
  • Das Unternehmen ist im SDAX gelistet und wird aktuell mit rund 10,5 Milliarden € bewertet.

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