Die SAP-Aktie gehörte zuletzt zu den größten Gewinnern im DAX. Nach einer kräftigen Erholung gewinnt sie am Montag weitere +5,6% und notiert bei rund 148 €. Trotz dieser Gegenbewegung befindet sich die Aktie seit Mitte des vergangenen Jahres in einem übergeordneten Abwärtstrend und handelt auf dem Niveau eines Mehrjahrestiefs. Für Anleger stellt sich daher die Frage: Ist die Talsohle erreicht oder drohen weitere Rückschläge?
KI-Skepsis belastet den Sektor
Der anhaltende Kursrückgang spiegelt vor allem die Unsicherheit wider, welche Auswirkungen der rasante Fortschritt der Künstlichen Intelligenz auf klassische Softwareunternehmen haben könnte. Mit zunehmender Euphorie rund um KI gerieten auch etablierte Anbieter wie SAP, Oracle oder Salesforce unter Druck.
Viele Investoren befürchten, dass KI langfristig einen Teil klassischer Unternehmenssoftware ersetzen könnte. Für große Unternehmen erscheint dieses Szenario jedoch nur begrenzt realistisch. Komplexe ERP-Systeme bilden das Rückgrat der Geschäftsprozesse und lassen sich nicht ohne Weiteres durch einzelne KI-Anwendungen ersetzen.
Vielmehr entwickelt sich KI zunehmend zu einer Ergänzung bestehender Softwareplattformen. Genau diesen Weg verfolgt SAP. Mit den Übernahmen von Dremio und Prior Labs stärkt der Konzern seine Kompetenzen in den Bereichen Datenintegration und KI-gestützte Datenanalyse. Ziel ist es, Künstliche Intelligenz tief in die bestehenden Cloud-Lösungen zu integrieren und den Kunden dadurch zusätzlichen Mehrwert zu bieten.
Tipp: Bleibe mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter immer über die aktuellsten Börsen-Chancen informiert.
Cloudgeschäft wächst weiter kräftig
Operativ präsentiert sich SAP weiterhin in einer guten Verfassung. Im zweiten Quartal setzte sich das dynamische Wachstum des Cloudgeschäfts fort.
Die Cloud-Erlöse stiegen währungsbereinigt um 24% auf 6,3 Milliarden €. Damit entfallen inzwischen rund zwei Drittel des Gesamtumsatzes von 9,9 Milliarden € auf das Cloudgeschäft. Besonders erfreulich entwickelte sich der Current Cloud Backlog, der die vertraglich gesicherten Cloud-Umsätze der kommenden zwölf Monate widerspiegelt. Dieser erhöhte sich um 26% auf 22,9 Milliarden € und unterstreicht die hohe Visibilität der künftigen Erlöse.
Das klassische Softwaregeschäft ging zwar weiter zurück, steuerte mit 2,5 Milliarden € jedoch weiterhin einen bedeutenden Umsatzanteil bei.
Das operative Ergebnis verbesserte sich währungsbereinigt um 9% auf 2,7 Milliarden €. Die operative Marge verringerte sich lediglich leicht auf 27,8%.
Prognose leicht angepasst
Aufgrund der Übernahmen von Dremio und Prior Labs erwartet SAP etwas höhere Integrationskosten. Deshalb wurde die Prognose für das operative Ergebnis geringfügig reduziert.
Statt 11,9 bis 12,3 Milliarden € rechnet das Management nun mit 11,8 bis 12,2 Milliarden €. Unverändert bleibt dagegen die Prognose für das Cloudgeschäft. Hier erwartet SAP weiterhin Umsätze zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden €, was einem Wachstum von 23 bis 25% entspricht. Der Free Cashflow soll von 8,2 auf rund 10 Milliarden € steigen.
Vorstandschef Christian Klein betonte erneut die hohe Nachfrage nach den KI-gestützten Cloud-Lösungen des Konzerns. Kunden entschieden sich bewusst für SAP, um KI-Anwendungen auf einer verlässlichen Datenbasis und innerhalb ihrer zentralen Geschäftsprozesse einzusetzen.
Chartbild bleibt angeschlagen
Trotz der jüngsten Erholung bleibt das technische Bild vorerst schwach. Die Aktie notiert weiterhin deutlich unter ihrer 200-Tage-Linie, die aktuell im Bereich von rund 186 € verläuft.
Auch wichtige Trend- und Momentumindikatoren sprechen bislang noch nicht für eine nachhaltige Trendwende. Zwar könnte sich kurzfristig eine technische Gegenbewegung fortsetzen, eine belastbare Bodenbildung ist derzeit jedoch noch nicht erkennbar.
Bewertung
Fundamental befindet sich SAP weiterhin auf einem soliden Wachstumspfad. Das Cloudgeschäft wächst zweistellig, der Auftragseingang entwickelt sich dynamisch und auch der Free Cashflow verbessert sich kontinuierlich.
Die aktuelle Kursschwäche dürfte deshalb weniger auf der operativen Entwicklung als vielmehr auf der Unsicherheit über die langfristigen Auswirkungen von KI auf den gesamten Softwaresektor beruhen.
Sollte sich bestätigen, dass KI die bestehenden Unternehmensplattformen ergänzt statt ersetzt, könnte sich die Bewertung von SAP wieder deutlich verbessern. Auch die Mehrheit der Analysten bleibt optimistisch, das mittlere Kursziel liegt bei 202 €.
Kurzfristig dürfte die Unsicherheit rund um den Softwaresektor bestehen bleiben. Solange sich charttechnisch keine stabile Bodenbildung ausbildet, sind weitere Kursschwankungen wahrscheinlich.
Fundamental präsentiert sich SAP jedoch weiterhin robust. Für langfristig orientierte Anleger erscheint das aktuelle Kursniveau deutlich attraktiver und bietet gute Einstiegschancen.
Im Übrigen: Wer einen fundierten Überblick über die Gewinner des KI-Booms erhalten möchte, findet in unserem exklusiven Report „KI-Gewinner 2026“ eine ausgewogene Analyse der Top-Performer und aufstrebenden Stars.
SAP in Kürze
- Die SAP SE (WKN: 716460) gehört weltweit zu den größten Softwareunternehmen im Bereich der Unternehmenssteuerung. Für kleinere und mittelgroße Unternehmen bietet der Konzern Standardlösungen an, für größere Unternehmen gibt es individuelle Angebote.
- Der Hauptsitz des Konzerns ist im baden-württembergischen Walldorf, weltweit verfügt der IT-Konzern über zahlreiche Niederlassungen.
- Die Aktie des Unternehmens ist im DAX gelistet und wird an der Börse aktuell mit rund 171 Milliarden € bewertet.
The post SAP-Aktie: Bildet sich gerade ein stabiler Boden? first appeared on sharedeals.de.