Die Aktie von Rolls-Royce setzt ihren beeindruckenden Höhenflug fort. Bereits im August vergangenen Jahres hatten wir die Aktie zum Kauf empfohlen – seitdem ist der Kurs um rund 42 Prozent gestiegen und markierte zuletzt ein neues Allzeithoch. Die nun vorgelegten Halbjahreszahlen untermauern den operativen Aufwärtstrend und liefern weitere Argumente für eine langfristig positive Entwicklung.

Deutlich höhere Gewinne und kräftiger Cashflow

Rolls-Royce hat im ersten Halbjahr 2026 in sämtlichen Geschäftsbereichen zweistellige Wachstumsraten erzielt und die Profitabilität deutlich verbessert. Der Umsatz stieg um 26 Prozent auf 11,3 Milliarden Pfund, während der Bruttogewinn um 33 Prozent auf 3,4 Milliarden Pfund zulegte. Die Bruttomarge verbesserte sich auf 30,1 Prozent.

Noch dynamischer entwickelte sich das operative Ergebnis. Der bereinigte operative Gewinn kletterte um 46 Prozent auf 2,5 Milliarden Pfund, wodurch sich die operative Marge auf 22,5 Prozent erhöhte. Gleichzeitig legte der freie Cashflow um 24 Prozent auf knapp 2 Milliarden Pfund zu. Der Gewinn je Aktie stieg um 41 Prozent auf 22,17 Pence, die Kapitalrendite erreichte 22 Prozent. Zum Halbjahresende verfügte Rolls-Royce über eine Netto-Cashposition von 2,1 Milliarden Pfund. Die Zwischendividende wurde von 4,5 auf 6 Pence je Aktie angehoben.

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Zivile Luftfahrt bleibt Wachstumsmotor

Den größten Ergebnisbeitrag lieferte erneut das Geschäft mit Triebwerken für Großraumflugzeuge. Der Umsatz der Sparte stieg um 29 Prozent auf 6,2 Milliarden Pfund, während der operative Gewinn um 31 Prozent auf 1,6 Milliarden Pfund wuchs. Die operative Marge verbesserte sich auf 25,3 Prozent.

Besonders erfreulich entwickelte sich das Servicegeschäft. Die Erlöse aus Wartungsverträgen für Großtriebwerke erhöhten sich um mehr als 30 Prozent. Gleichzeitig wurden 279 neue Triebwerke ausgeliefert, davon 157 Großtriebwerke sowie 122 Business-Jet-Triebwerke der Pearl-Familie.

Auch operativ wurden weitere Fortschritte erzielt. Die Flugstunden der Großtriebwerke liegen inzwischen bei 113 Prozent des Niveaus von 2019. Die Wartungskapazitäten wurden deutlich ausgeweitet, die Durchlaufzeiten verkürzt und ungeplante Ausfälle von Flugzeugen aufgrund fehlender Triebwerke nahezu vollständig beseitigt. Das verbessert die Kundenzufriedenheit und reduziert gleichzeitig die Kosten.

Allerdings profitierte die Sparte zusätzlich von positiven Nachbewertungen bestehender Verträge. Das Management machte deutlich, dass dieser Sondereffekt in der zweiten Jahreshälfte deutlich geringer ausfallen dürfte. Anleger sollten daher die außergewöhnlich hohen Margen des ersten Halbjahres nicht einfach auf das Gesamtjahr hochrechnen.

Verteidigungsgeschäft profitiert von steigenden Rüstungsausgaben

Auch die Verteidigungssparte überzeugte mit kräftigem Wachstum. Der Umsatz legte um 17 Prozent auf 2,5 Milliarden Pfund zu, während der operative Gewinn um 57 Prozent auf 522 Millionen Pfund stieg. Die operative Marge verbesserte sich auf 21 Prozent.

Treiber waren vor allem das margenstarke Wartungsgeschäft, Effizienzsteigerungen in der Produktion sowie höhere Flugaktivitäten militärischer Kunden. Der Auftragsbestand von 17,5 Milliarden Pfund reicht inzwischen für mehr als drei Jahre Umsatz und sorgt für eine hohe Planungssicherheit.

Zusätzliche Impulse dürften in den kommenden Jahren von steigenden Verteidigungsausgaben in Großbritannien, dem AUKUS-Programm sowie den NATO-Aufrüstungsplänen ausgehen. Rolls-Royce arbeitet zudem an neuen Antriebslösungen für unbemannte Kampfflugzeuge und moderne Marineprogramme.

Power Systems entwickelt sich zum zweiten Wachstumspfeiler

Am stärksten legte die Sparte Power Systems zu. Der Umsatz stieg um 28 Prozent auf 2,6 Milliarden Pfund, der operative Gewinn sogar um 72 Prozent auf 528 Millionen Pfund. Die operative Marge erhöhte sich auf 20,3 Prozent.

Besonders dynamisch wächst das Geschäft mit Stromversorgungssystemen für Rechenzentren. Der Auftragseingang sprang um mehr als 50 Prozent auf 4,6 Milliarden Pfund, wodurch der Auftragsbestand auf 8 Milliarden Pfund anwuchs.

Vor allem die weltweit steigende Nachfrage nach Rechenzentrumskapazitäten infolge des KI-Booms eröffnet erhebliche Wachstumschancen. Rolls-Royce erwartet inzwischen, dass der Umsatz mit Stromerzeugungsanlagen bis 2030 jährlich um rund 25 Prozent wachsen wird. Hinzu kommt ein wachsendes Servicegeschäft, das nach der Installation der Anlagen über viele Jahre wiederkehrende Erträge generiert.

Jahresprognose deutlich angehoben

Nach dem starken ersten Halbjahr hebt Rolls-Royce seine Erwartungen für das Gesamtjahr erneut an.

Der bereinigte operative Gewinn soll nun zwischen 4,7 und 4,9 Milliarden Pfund liegen. Bislang hatte das Management 4,2 Milliarden Pfund als Ziel ausgegeben. Auch beim freien Cashflow wurde die Prognose auf 3,8 bis 4,0 Milliarden Pfund erhöht.

Die höheren Erwartungen beruhen auf verbesserten Margen im zivilen Luftfahrtgeschäft, einer anhaltend starken Entwicklung bei Power Systems sowie dem robusten Wartungsgeschäft im Verteidigungssegment.

Mittelfristige Ziele könnten schon bald erneut steigen

Bemerkenswert ist vor allem die Aussage des Managements, dass selbst die bislang gültigen Ziele für 2028 inzwischen überprüft werden könnten.

Mit der neuen Prognose erreicht Rolls-Royce bereits 2026 nahezu das Gewinnniveau, das ursprünglich erst für 2028 vorgesehen war. Gleichzeitig schreitet die Verbesserung der langfristigen Wartungsverträge schneller voran als geplant. Ein erheblicher Teil der daraus resultierenden Ertragssteigerungen wird allerdings erst nach 2028 realisiert werden.

Zusätzliche Wachstumspotenziale ergeben sich durch langlebigere Triebwerke, den Ausbau des Geschäfts mit Rechenzentren, kleine modulare Kernreaktoren sowie mögliche neue Triebwerksprogramme für Mittelstreckenflugzeuge.

Bewertung mittlerweile anspruchsvoller

Die operative Entwicklung spricht weiterhin klar für Rolls-Royce. Allerdings hat der Aktienkurs den Großteil dieser Fortschritte inzwischen eingepreist.

Der ursprüngliche Optimismus vieler Analysten bleibt zwar bestehen, allerdings ist das weitere Kurspotenzial kurzfristig begrenzter geworden. Gleichzeitig profitieren die Aktionäre zunehmend von Aktienrückkäufen und steigenden Dividenden. Dank der starken Bilanz verfügt Rolls-Royce über erheblichen finanziellen Spielraum für weitere Kapitalrückführungen.

Für die kommenden Quartale bleiben insbesondere die Entwicklung der Flugstunden im Langstreckenverkehr, der Ausbau des Wartungsgeschäfts, die Nachfrage nach Stromversorgungslösungen für Rechenzentren sowie die weitere Margenentwicklung entscheidend.

Risiken bleiben überschaubar

Trotz der starken Geschäftsentwicklung bestehen weiterhin einige Unsicherheiten. Die außergewöhnlich hohen Margen des ersten Halbjahres dürften sich aufgrund auslaufender Sondereffekte nicht dauerhaft wiederholen. Hinzu kommen Belastungen durch höhere Materialkosten, mögliche Lieferkettenprobleme sowie steigende Investitionen.

Dennoch erscheint Rolls-Royce dank hoher Cashflows, einer Netto-Cashposition und einer sehr guten Auftragslage gut aufgestellt, um weiteres Wachstum zu finanzieren und gleichzeitig die Ausschüttungen an die Aktionäre auszubauen.

Rolls-Royce liefert erneut eindrucksvolle Zahlen und beweist, dass der Konzern seine Transformation erfolgreich abgeschlossen hat. Nach dem Kursanstieg von rund 42 Prozent seit unserer Kaufempfehlung vor einem Jahr und dem Erreichen eines neuen Allzeithochs ist die Bewertung zwar anspruchsvoller geworden, die langfristigen Wachstumstreiber sprechen jedoch weiterhin für eine positive Entwicklung der Aktie.

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ℹ Rolls-Royce in Kürze

  • Rolls-Royce (WKN: A1H81L) ist ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Antriebssystemen.
  • Der Konzern ist in verschiedenen Geschäftsbereichen tätig: Hierzu zählen die zivile und militärische Luftfahrt, Power Systems und Marine.
  • Das Unternehmen besitzt weltweit mehrere Standorte, darunter auch in Deutschland.
  • Rolls-Royce mit Sitz in London ist an der LSE gelistet und an der Börse derzeit rund 125 Milliarden Pfund wert.

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