Die Rocket Lab-Aktie stand in den letzten Monaten vorwiegend unter Abgabedruck, was Ende Juli zu einem Rückfall bis auf 58,20 US$ führte. Dieses Tief wurde Mitte September nochmals angelaufen, aber nicht unterschritten. In den letzten Tagen hat die Aktie neues Momentum aufgebaut und eine wichtige Chartmarke zurückerobert. Ist das bereits die Trendwende und sollten Anleger nun wieder auf die Rakete aufspringen?

Iridium-Deal nimmt wichtige Hürde

Für mich spricht derzeit einiges für eine Fortsetzung der Erholung. Ein wichtiger Schritt gelang am Donnerstag: Die Aktionäre von Iridium Communications stimmten der geplanten Übernahme durch Rocket Lab mit überwältigender Mehrheit zu. Rund 99,6% der abgegebenen Stimmen entfielen auf die Transaktion. Der Abschluss wird für Mitte 2027 erwartet, steht aber weiterhin unter regulatorischen Vorbehalten.

Zusätzlich wurde die Übernahme des deutschen Laserkommunikations-Spezialisten Mynaric abgeschlossen.  Damit kommt Rocket Lab der Transformation vom Raketenbauer zum integrierten Raumfahrtkonzern immer näher. Zusammen mit Iridium entsteht damit ein deutlich breiteres Angebot aus Starts, Satellitensystemen und Kommunikationsinfrastruktur.

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Electron liefert weiter ab

Das operative Fundament bleibt ebenfalls stark. Mit „Owl By The Dozen“ absolvierte Rocket Lab zuletzt den 96. Electron-Flug und brachte den zwölften StriX-Satelliten von Synspective präzise in einen 572 Kilometer hohen Orbit. Es war bereits der 17. Start im Jahr 2026.

Diese Zuverlässigkeit halte ich für einen entscheidenden Pluspunkt. Gleichzeitig schwillt der Auftragsbestand immer weiter an und liegt nun bei mehr als 2,3 Milliarden US$. Neue Verträge über mehr als 437 Millionen US$ zeigen, dass Rocket Lab zunehmend größere Aufträge an Land zieht.

Neutron ist der große Katalysator

Noch wichtiger dürfte allerdings die neue Neutron-Rakete werden. Die deutlich größere Trägerrakete soll Rocket Lab den Zugang zu einem wesentlich lukrativeren Markt ermöglichen. Die Auslieferung des ersten Exemplars an die Startrampe ist für das vierte Quartal vorgesehen.

Auch die Analysten sehen erhebliches Potenzial. Cantor Fitzgerald nennt ein Kursziel von 122 US$, während Raymond James die Aktie mit „Outperform“ und 80 US$ erstmals in die Bewertung aufgenommen hat. Der Analystenkonsens liegt mit knapp 112 US$ gut +50% über dem aktuellen Kursniveau.

Zusätzlichen Rückenwind liefert Cathie Wood beziehungsweise ihr Investmentvehikel ARK Invest. ARK kaufte zuletzt 360.000 Rocket-Lab-Aktien. Das ist kein operativer Kurstreiber, aber ein sichtbares Signal dafür, dass der Raumfahrtsektor weiterhin als langfristiges Wachstumsfeld betrachtet wird und Wood von einer Bodenbildung der Aktie ausgeht.

Bewertung bleibt die Achillesferse

Bei aller Euphorie darf man die Bewertung nicht ausblenden. Rocket Lab wird mit einem sehr hohen Kurs-Umsatz-Verhältnis gehandelt und schreibt derzeit noch Verluste. Gleichzeitig belasten die Entwicklung von Neutron und die Iridium-Übernahme den Cashflow. Die Finanzierung des Iridium-Deals über die Aufnahme von rund 1,94 Milliarden US$ Eigenkapital reduziert zwar den Fremdfinanzierungsdruck, führt aber zu einer Verwässerung.

Genau hier sehe ich das größte Risiko: Wenn Neutron später kommt, die Margen enttäuschen oder die erhofften Synergien mit Iridium ausbleiben, könnte die hohe Bewertung schnell zum Belastungsfaktor werden.

Chart vor wichtiger Hürde

Charttechnisch hat sich das Bild zuletzt klar verbessert. Nach dem Absturz von über 150 US$ auf unter 60 US$ wurde Mitte September erneut die Unterstützungszone getestet. Dieser Test wurde jedoch bestanden. Anschließend drehte die Aktie nach oben und überwand erstmals seit dem Abverkauf wieder die 50-Tage-Linie, die sich derzeit bei 69,35 US$ befindet.

Jetzt rückt die 200-Tage-Linie bei 80,98 US$ in den Fokus. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber wäre für mich ein starkes Signal und könnte der Erholung zusätzlichen Schub verleihen. Unterhalb der 50-Tage-Linie würde sich das Bild dagegen wieder eintrüben.

Ich sehe Rocket Lab weiterhin bullisch. Die Kombination aus wachsendem Auftragsbestand, makelloser Electron-Bilanz, Iridium-Übernahme und dem Neutron-Katalysator bietet aus meiner Sicht erhebliches Potenzial. Der Nachkauf von Cathie Wood unterstreicht zudem das langfristige Interesse an der Story und signalisiert eine potenzielle Bodenbildung.

Allerdings ist bereits viel Zukunft eingepreist, weshalb die Aktie volatil bleiben dürfte. Trotzdem gehe ich davon aus, dass Rocket Lab Anlegern in Zukunft weiterhin hohe Renditen bescheren wird. Kurzfristig gilt: Gelingt der Sprung über die 200-Tage-Linie, könnte die nächste Raketenstufe gezündet werden.

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ℹ Rocket Lab Corporation in Kürze

  • Rocket Lab USA (WKN: A419CG) ist ein in Long Beach in Kalifornien ansässiger Hersteller von Luft- und Raumfahrtprodukten und Anbieter von Raketentransporten.
  • Das 2006 gegründete Unternehmen entwickelt und betreibt die Trägerrakete Electron, die Kleinsatelliten ins All transportiert.
  • Darüber hinaus stellt Rocket Lab USA Satellitenkomponenten wie Star Tracker, Reaktionsräder, Solarzellen und -anordnungen, Satellitenfunkgeräte, Trennsysteme sowie Flug- und Bodensoftware her.
  • Rocket Lab USA notiert an der US-Technologiebörse Nasdaq und ist ca. 47 Milliarden US$ wert.

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