Die Aktie des Biotechunternehmens Rigel Pharmaceuticals steht derzeit im Zeichen eines deutlichen Umsatzanstiegs und wachsender operativer Stabilität. Gleichzeitig richtet sich der Blick der Investoren zunehmend auf die nächsten Wachstumstreiber im Portfolio und in der klinischen Pipeline. Die letzte Kurskorrektur eröffnet eine gute Einstiegschance.
Nach der Übernahme der US-Vermarktungsrechte für Gavreto von Blueprint Medicines Anfang 2024 generiert Rigel Erlöse aus drei zentralen Produkten. Gavreto, von der U.S. Food and Drug Administration zugelassen zur Behandlung von RET-positivem metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs sowie fortgeschrittenem RET-positivem Schilddrüsenkrebs, steuerte im Geschäftsjahr 2025 rund 42,1 Millionen US-Dollar bei.
Den größten Anteil liefern weiterhin die etablierten Präparate des Unternehmens. Tavalisse erzielte 158,8 Millionen US-Dollar Umsatz, während Rezlidhia etwa 31 Millionen US-Dollar beisteuerte.
Der Umsatz des Unternehmens stieg damit im Jahresvergleich um 64 Prozent. Trotz dieses kräftigen Wachstums blieb die Profitabilität stabil. Rigel weist eine Bruttomarge von rund 82 Prozent und eine EBITDA-Marge von etwa 43 Prozent auf und liegt damit deutlich über vielen Vergleichsunternehmen im Gesundheitssektor. In den vergangenen zwölf Monaten generierte das Unternehmen zudem rund 75,7 Millionen US-Dollar operativen Cashflow.
Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung liegt in der Integration von Gavreto. Da Rigel bereits über ein erfahrenes Vertriebsteam im Bereich Hämatologie und Onkologie verfügte, konnte das Medikament ohne nennenswerte zusätzliche Kosten in die bestehende Vertriebsstruktur eingebunden werden.
Fortschritte in der klinischen Entwicklung
Auch in der Pipeline gibt es Bewegung. Der Wirkstoffkandidat R289 befindet sich derzeit in einer Phase-1b-Studie zur Behandlung von Patienten mit niedrig-riskantem myelodysplastischem Syndrom. Auf dem Kongress der American Society of Hematology wurden im vergangenen Jahr erste vielversprechende Ergebnisse vorgestellt.
Bei transfusionsabhängigen Patienten erreichten 33 Prozent der Studienteilnehmer eine Transfusionsunabhängigkeit unter R289. Obwohl diese Quote auf den ersten Blick moderat wirkt, gilt sie angesichts der stark vorbehandelten Patientengruppe als bemerkenswert.
Parallel dazu wurde die Rekrutierung für eine Phase-2-Studie mit Ocadusertib abgeschlossen. Der Wirkstoff, ein RIPK1-Inhibitor, wird gemeinsam mit Eli Lilly and Company zur Behandlung von rheumatoider Arthritis untersucht. Allerdings zog sich Eli Lilly im vergangenen Jahr aus dem Teil der Kooperation zurück, der sich mit Anwendungen im zentralen Nervensystem befasste.
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Gavreto etabliert sich in einer spezialisierten Nische
Gavreto hat inzwischen einen wichtigen Platz in den Behandlungsleitlinien des National Comprehensive Cancer Network erhalten und gilt dort als bevorzugte Erstlinientherapie für Patienten mit RET-Fusions-positivem metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs.
Der wichtigste Wettbewerber ist Retevmo von Eli Lilly. In Studien mit zuvor unbehandelten Patienten zeigt dieses Präparat etwas höhere Wirksamkeitswerte. Bei bereits behandelten Patienten scheint Gavreto jedoch Vorteile zu besitzen, insbesondere hinsichtlich der Dauer des Ansprechens, die im Median rund 38,8 Monate beträgt.
RET-Fusionen treten nur bei etwa ein bis zwei Prozent aller Fälle von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs auf. Dennoch könnte Gavreto in diesem kleinen, hochspezialisierten Marktsegment einen deutlich größeren Anteil erreichen, als ursprünglich erwartet wurde.
Modellrechnungen gehen davon aus, dass das Medikament in der Spitze jährlich etwas mehr als 80 Millionen US-Dollar Umsatz generieren könnte. Der geschätzte heutige Unternehmenswert dieses Produkts liegt dabei bei rund 245 Millionen US-Dollar.
Zwei etablierte Produkte stabilisieren den Umsatz
Besonders stark entwickelte sich zuletzt die Nachfrage nach Tavalisse zur Behandlung der Immunthrombozytopenie. Politische Rahmenbedingungen, darunter die Abschaffung der sogenannten Medicare-Part-D-Deckungslücke im Jahr 2025, trugen zusätzlich zu dieser Dynamik bei, wobei dieser Effekt im Folgejahr voraussichtlich nachlassen dürfte.
In der klinischen Praxis gilt Tavalisse als eine von vier gängigen Optionen der Zweitlinientherapie. Viele Patienten entscheiden sich dafür, weil sie eine Immunsuppression durch Rituximab oder eine operative Entfernung der Milz vermeiden möchten.
Daten aus dem Versorgungsalltag zeigen zudem Vorteile bei älteren Patienten oder bei Menschen mit Begleiterkrankungen, die die erhöhten Thromboserisiken anderer Therapieoptionen wie TPO-Rezeptor-Agonisten nicht tolerieren können. Dadurch hat sich das Medikament eine stabile Position in einer klar definierten therapeutischen Nische erarbeitet.
Rezlidhia hingegen steht im Wettbewerb mit Tibsovo, das derzeit den Markt für IDH1-mutierte akute myeloische Leukämie dominiert. Rigel arbeitet deshalb daran, den Einsatzbereich von Rezlidhia zu erweitern, unter anderem durch Studien bei Gliomen sowie durch Kombinationstherapien in früheren Behandlungslinien.
R289 als möglicher zukünftiger Wachstumstreiber
Der Wirkstoff R289 ist der erste bekannte IRAK1/4-Inhibitor, der bei myelodysplastischen Syndromen eine klinisch relevante Aktivität zeigt. Da er auf einen bislang wenig genutzten Signalweg des angeborenen Immunsystems abzielt, gilt er als potenziell gut geeignet für zukünftige Kombinationstherapien.
Sollte sich dieser Ansatz bestätigen, könnte das Medikament langfristig auch in früheren Behandlungslinien eingesetzt werden. Zwei Eigenschaften verschaffen dem Kandidaten zusätzliche Vorteile gegenüber möglichen Wettbewerbern wie Reblozyl oder Rytelo.
Zum einen handelt es sich um eine oral einzunehmende Tablette. Zum anderen zeigte sich bislang ein gut kontrollierbares Sicherheitsprofil mit überwiegend milden gastrointestinalen Nebenwirkungen.
Trotz dieser positiven Aspekte bleibt der wirtschaftliche Beitrag von R289 vorerst begrenzt, da sich das Programm noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet. Erst mit weiterführenden Studien dürfte sich das volle Potenzial für den Unternehmenswert zeigen.
Ausblick für das Geschäftsjahr 2026
Zum Ende des Geschäftsjahres 2025 verfügte Rigel über liquide Mittel und Investments in Höhe von rund 155 Millionen US-Dollar. Für das Jahr 2026 stellt das Management einen Umsatz zwischen 275 und 290 Millionen US-Dollar in Aussicht. In 2025 hatten die reinen Produktumsätze bei 232 Millionen US-Dollar gelegen.
Da R289 noch mehrere Jahre von einer möglichen Markteinführung entfernt ist, sucht das Management parallel nach zusätzlichen Wachstumstreibern. Während einer Analystenkonferenz wurde das Ziel formuliert, bis spätestens 2028 ein weiteres Produkt in einem späten Entwicklungsstadium in das Portfolio aufzunehmen.
Diese Strategie deutet darauf hin, dass das Unternehmen bereits kurzfristig nach neuen Lizenz- oder Übernahmechancen Ausschau hält, um in den Jahren 2027 oder 2028 eine weitere Produkteinführung zu ermöglichen.
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Bewertung der Unternehmensentwicklung
Insgesamt präsentiert sich Rigel derzeit finanziell stabiler als in früheren Jahren. Die erfolgreiche Integration von Gavreto hat gezeigt, dass das Management in der Lage ist, externe Produkte effektiv zu kommerzialisieren und damit zusätzliche Erlösquellen zu erschließen.
Gleichzeitig sorgen die laufenden Entwicklungsprogramme sowie die Partnerschaft mit Eli Lilly dafür, dass auch langfristig neue Wachstumsoptionen bestehen. Durch die inzwischen positive Cashflow-Situation wirkt die Aktie weniger risikoreich als in der Vergangenheit, zumal sie um mehr als 40 Prozent von ihrem Hoch Ende 2025 korrigiert hat.
Wir halten die Rigel-Aktie zu Kursen unter 30 US-Dollar daher wieder für kaufenswert.
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