
Die Aktien der Rheinmetall AG (RHM) fallen am Mittwoch – auf dem Weg zu einem der schärfsten Tagesverluste überhaupt – wegen eines schweren Rückschlags für das Marinegeschäft des Unternehmens.
Am 24. Jun. teilte das deutsche Verteidigungsministerium mit, dass es das „milliarden Euro“ schwere F126-Fregattenprogramm streiche, das als das größte Marinebeschaffungsprojekt für die Deutsche Marine seit dem Zweiten Weltkrieg vorgesehen war.
Einschließlich des heutigen Absturzes liegt die Rheinmetall-Aktie mehr als 50% unter ihrem Jahreshoch.
Darum stürzte die Rheinmetall-Aktie heute ab
Rheinmetall war dafür vorgesehen, als Generalunternehmer für das F126-Fregattenprogramm aufzutreten.
Das Management hatte aktiv auf den Vertragsabschluss im Q2 gezielt und erwartete dadurch mindestens €12 Milliarden an Auftragseingang.
Analysten von Morgan Stanley schätzen, dass die plötzliche Streichung RHM dazu zwingen würde, rund €2 Milliarden an Abschreibungen vorzunehmen.
Hauptursache ist die jüngste €1,5 Milliarden schwere Übernahme der Werft Naval Vessels Lürssen (NVL) — ein strategischer Schritt, der gezielt darauf abzielte, die Umsetzung des F126-Projekts abzusichern.
Das Verteidigungsministerium nannte erhebliche Software-Verzögerungen, anhaltende Reibungen und prognostizierte Kostenüberschreitungen, die bei Fortführung des Programms die Gesamtrechnung über €18 Milliarden getrieben hätten.
TKMS-Aktien trotzen dem Ausverkauf im Verteidigungssektor
Statt mit den F126-„Superfregatten“ fortzufahren, hat Berlin komplett umgesteuert.
Am Mittwoch kündigte die Bundesregierung an, acht kleinere Meko A-200-Fregatten vom direkten Wettbewerber Rheinmetalls, der TKMS AG, zu kaufen.
Während die Rheinmetall-Aktien einbrachen, wurden TSMS-Aktien am Jun. 24 zeitweise bis zu 14% höher gehandelt, hauptsächlich weil Berlin für die ersten vier TKMS-Schiffe rund €6,3 Milliarden zahlt, mit einer Option auf vier weitere zu €5,3 Milliarden.
Diese massive Divergenz unterstreicht eine schnelle Umschichtung von Kapital innerhalb der EU-Rüstungsportfolios, da Investoren die langfristige Cashflow-Aufwertung durch die revidierte Marine-Strategie aggressiv einpreisen und TKMS unmittelbar zum führenden maritimen Auftragnehmer Deutschlands macht.
Die Wall Street bleibt gegenüber RHM-Aktien positiv
Die Mitteilung des Verteidigungsministeriums hat eine tiefere Unsicherheit im gesamten EU-Rüstungssektor offengelegt und zieht Peer-Unternehmen wie Hensoldt, Renk und Saab mit nach unten.
Investoren beginnen zu realisieren, dass hohe staatliche Verteidigungshaushalte nicht automatisch in feste Umsätze für bestimmte Landverteidigungsunternehmen münden.
Zudem fragmentieren sich die Kapitalflüsse: Der franco-deutsche Panzerhersteller KNDS kündigte heute Pläne für ein Doppel-IPO in Frankfurt und Paris an, was eine neue Alternative für Investitionen im Verteidigungssektor schafft.
Dieser plötzliche Vertragsverlust verschärft ein schwieriges Jahr für RHM-Aktien, das von schwachen Umsatzumsetzungen und einer Investorenrotation hin zu Herstellern mit Fokus auf Drohnen und Luftverteidigung geprägt ist.
Trotzdem sind die Analysten an der Wall Street überzeugt, dass sich die Rheinmetall AG gegen Ende 2026 erholen wird, da das Konsensrating für den Automobil- und Rüstungshersteller derzeit bei „Buy“ liegt, so The Wall Street Journal.
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