Die Rheinmetall-Aktie hat sich nach dem Schock über die Absage des milliardenschweren F126-Fregattenprojekts zuletzt wieder etwas erholen können. Seit dem Tief bei 900,20 € ging es für den Kurs um mehr als +20% nach oben. Doch Anleger fragen sich: Ist das Schlimmste wirklich überstanden oder droht der nächste Rückschlag?
F126-Aus belastet Auftragseingang und Umsatz
Die Absage des F126-Projekts hat für Rheinmetall unmittelbare finanzielle Folgen. Statt der ursprünglich erwarteten „Nomination“ – diese Kennzahl enthält neben dem klassischen Auftragseingang auch Rahmenverträge – von 20 Milliarden € im zweiten Quartal rechnet der Konzern nur noch mit einem niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag.
Auch beim Umsatz könnte der Schaden spürbar werden. Sollten die fehlenden Erlöse nicht durch neue Aufträge kompensiert werden, könnte sich die Belastung im laufenden Jahr auf bis zu 300 Millionen € summieren. Immerhin: Das Umsatzwachstum im zweiten Quartal dürfte mit mehr als 60% dennoch die bisherigen Ziele erreichen. Ob die Gesamtjahresprognose angepasst werden muss, will Rheinmetall mit den Quartalszahlen am 6. August bekannt geben.
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Analysten bleiben vorsichtig optimistisch
Die Reaktionen der Analysten fallen differenziert aus. JPMorgan senkte das Kursziel von 1.500 auf 1.350 € und verweist auf steigende Ausführungsrisiken, langsamere Auftragsvergaben durch die Bundesregierung sowie den zunehmenden technologischen Wandel in der Verteidigungsindustrie.
Barclays bleibt dagegen deutlich optimistischer. Zwar dürfte sich das geplatzte Fregattenprojekt im Auftragseingang bemerkbar machen, an den Jahreszielen hält das Institut jedoch fest. Für das zweite Quartal rechnen die Analysten mit einem Umsatzplus von rund 59% auf knapp 3,1 Milliarden €. Rückenwind könnten zudem neue Munitionsaufträge oder weitere Großprojekte liefern.
Im Durchschnitt sehen Analysten die Rheinmetall-Aktie mit 1.734 € fair bewertet, was einem Upside-Potenzial von über +50% entspricht.
Schließlich bleibt die Nachfrage nach Rüstungsgütern grundsätzlich hoch. Der Auftragsbestand von zuletzt rund 73 Milliarden € bietet weiterhin eine solide Grundlage. Entscheidend wird nun allerdings sein, wie schnell Rheinmetall neue Großaufträge gewinnen und die weggefallenen Umsätze ersetzen kann.
Bewertung wird realistischer
Mit dem Kursrutsch hat sich auch die Bewertung deutlich normalisiert. Während die Aktie auf dem Höhepunkt der Rüstungs-Euphorie sehr ambitioniert bewertet war, erscheinen die Bewertungskennzahlen inzwischen deutlich moderater. Dennoch ist Rheinmetall keineswegs günstig. Gleichzeitig zeigt das F126-Aus, dass politische Entscheidungen jederzeit erheblichen Einfluss auf die Geschäftsentwicklung nehmen können.
Positiv für den gesamten Sektor wirkte zuletzt die Übernahmeofferte von Thales für Exail Technologies. Die hohe Übernahmeprämie unterstreicht, dass europäische Verteidigungsunternehmen weiterhin als strategisch wertvoll gelten und stützt die langfristige Investmentstory innerhalb der Branche.
Charttechnik: Wichtige Hürden warten
Nach dem dramatischen Kurseinbruch bis unter die Marke von 1.000 € hat die Rheinmetall-Aktie zuletzt eine Gegenbewegung gestartet. Aus charttechnischer Sicht steht nun zunächst das offene Abwärts-Gap vom 24. Juni im Fokus. Erst ein Anstieg bis 1.155 € würde diese Kurslücke vollständig schließen.
Ob daraus eine nachhaltige Trendwende entsteht, bleibt allerdings offen. Anschließend wartet mit der fallenden 200-Tage-Linie bei derzeit rund 1.555 € der entscheidende Widerstand. Erst ein Ausbruch über diese Marke würde das mittelfristige Chartbild wieder deutlich aufhellen.
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Rheinmetall bleibt einer der größten Profiteure der steigenden Verteidigungsausgaben in Europa. Der hohe Auftragsbestand und die grundsätzlich intakten Wachstumsperspektiven sprechen weiterhin für den Konzern. Gleichzeitig hat das Aus des F126-Projekts gezeigt, wie stark selbst ein Branchenführer von politischen Entscheidungen abhängig ist.
Die laufende Kurserholung ist deshalb zunächst vor allem als technische Gegenbewegung zu werten. Ob daraus mehr wird, dürfte sich spätestens mit den Quartalszahlen am 6. August und dem Ausblick auf die weitere Auftragslage entscheiden.
Bis dahin sollten Anleger trotz der verbesserten Bewertung meiner Meinung nach nicht nur die Chancen im Blick behalten – sondern auch das Risiko, dass sich die jüngste Erholung im Nachhinein lediglich als Bärenmarktrallye erweist.
Rheinmetall AG in Kürze
- Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
- Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
- Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
- Rheinmetall ist Mitglied in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50. Der Börsenwert liegt aktuell bei 51 Milliarden €.
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