Es ist ein Ereignis, das Rheinmetall-Aktionäre seit Februar 2025 nicht mehr erlebt haben: Die Rheinmetall-Aktie notiert unter 1.000 €. Der Kurs des deutschen Rüstungskonzerns erlebt am Mittwoch einen rabenschwarzen Tag und stürzt um über -15% ab. Was ist da bloß los und können Anleger hier nun das ultimative Schnäppchen machen?
Ein herber Rückschlag
Der schlimmste Kursrückgang der Rheinmetall-Aktie seit 25 Jahren hat einen direkten und einen indirekten Auslöser. Zuerst zum direkten Kurskiller:
Medienberichten zufolge steht die Bundesregierung kurz davor, das milliardenschwere F126-Fregattenprojekt der Bundeswehr mit einem Gesamtvolumen von rund 12,8 Milliarden € zugunsten des direkten Konkurrenten TKMS (ThyssenKrupp Marine Systems) zu vergeben. Für Rheinmetall wäre das ein gewaltiger strategischer Rückschlag. Der Rüstungsriese wollte nach der Übernahme der Werften von Lürssen Naval Yards massiv in das hochprofitable Marineschiffbaugeschäft expandieren.
Dass dieser Megaauftrag nun offenbar an TKMS geht, wirft die Ambitionen von Rheinmetall im Bereich der Marine um Jahre zurück. Während die TKMS-Aktie heute im MDAX haussiert, fliehen Anleger aus der Rheinmetall-Aktie.
Wir halten Dich mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter auf dem Laufenden – nicht nur bei Rheinmetall, sondern über alle spannenden Entwicklungen in der Rüstungsbranche.
Auch das könnte wehtun
Nun zum indirekten Auslöser des heutigen Kursdebakels der Rheinmetall-Aktie: Es deutet sich eine Strukturveränderung im europäischen Rüstungssektor an.
Obwohl Deutschland und Frankreich in letzter Zeit in rüstungstechnischen Fragen nicht immer auf einer Linie waren (siehe das Scheitern der gemeinsamen Entwicklung eines neuen Kampfflugzeugs), scheint es nun wohl wieder einen Schulterschluss zwischen den beiden Ländern zu geben. Sie planen offenbar, den deutsch-französischen Panzerbauer KNDS (Zusammenschluss aus der deutschen Krauss-Maffei Wegmann und der französischen Nexter) grundlegend neu aufzustellen und an die Börse zu bringen.
Für Rheinmetall würde damit ein extrem starker, direkt sichtbarer und vor allem börsennotierter europäischer Konkurrent im Bereich der Landsysteme und schweren Kettenfahrzeuge entstehen. Eine an der Börse notierte KNDS wäre ein sehr starkes Gegengewicht zu Rheinmetall und dürfte viel Kapital aus dem Düsseldorfer Konzern abziehen.
Kein Halt da
Der Chart der Rheinmetall-Aktie ist der reinste Horror. Seit Mitte Januar befindet sich der DAX-Titel in einem steilen Abwärtskanal, der bislang bei keinem Suppport Halt finden konnte.
Heute Morgen wurde zudem die psychologisch wichtige Marke von 1.000 € unterschritten. Dieses Ereignis dürfte bei vielen Anlegern Verkäufe ausgelöst haben. Es droht ein weiterer Rückfall auf die nächste Unterstützung bei 940 €.
Die Börse übertreibt es hier
Die Rheinmetall-Aktie ist charttechnisch und fundamental massiv angeschlagen. Aber angeschlagen heißt nicht k.o.
Dass sich der Aktienkurs des Rüstungskonzerns innerhalb von nur fünf Monaten nahezu halbiert hat, sehe ich als krasse Übertreibung der Börse an. Werfen wir einen Blick auf die Bewertung.
Das Forward-KGV der Rheinmetall-Aktie liegt aktuell bei 33. Die voraussichtliche Wachstum in den Jahren 2026 und 2027 wird aber 42 und 35% betragen. Hinzu kommt, dass Rheinmetall in den letzten Jahren deutlich seine Profitabilität steigern konnte. Im vergangenen Jahr lag die operative Marge bei knapp über 17%.
In Summe heißt das für mich, dass die Rheinmetall-Aktie derzeit an der Börse unterbewertet wird. Das Kerngeschäft von Rheinmetall (Munition und die Modernisierung der Landstreitkräfte) ist von der heutigen Nachricht unberührt und läuft weiter auf Hochtouren.
Die Wachstumsfantasie im maritimen Sektor hat heute zwar einen massiven Dämpfer erhalten, aber Anleger dürfen nicht davon ausgehen, dass Rheinmetall jeden Auftrag gewinnt. In den kommenden Jahren wird es dem Konzern zweifellos gelingen, auch im Bereich der Seestreitkräften Fuß zu fassen.
Abschließend: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.
Ich glaube, dass die Börse es mit der Abstrafung der Rheinmetall-Aktie in den letzten Wochen und Monaten etwas übertrieben hat. Die Bewertung ist angesichts des immer noch exzellenten Wachstumspotenzials moderat.
Ob der Rüstungstitel heute bereits seinen Boden gefunden hat, kann niemand vorhersehen. Für langfristig orientierte Anleger notiert die Rheinmetall-Aktie aber auf einem sehr attraktiven Kursniveau.
Rheinmetall in Kürze
- Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
- Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
- Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
- Rheinmetall ist Mitglied in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50. Der Börsenwert liegt aktuell bei rund 47 Milliarden €.
The post Rheinmetall-Aktie -15%: Ist sie jetzt das ultimative Schnäppchen? first appeared on sharedeals.de.