Es gibt Unternehmen, die man kennt und bewundert, aber nie kauft. Für viele Privatanleger gehört Goldman Sachs (WKN: 920332) genau in diese Kategorie. Nicht Tech, zu wenig Wachstum, zu viel Bank.
Dabei notiert die Aktie der legendären Investmentbank aktuell auf einem neuen Allzeithoch und wird dennoch mit einem Forward-KGV von nur 16 gehandelt. Mir persönlich erscheint dieses Niveau für ein Unternehmen dieser Qualität schlicht zu niedrig.
Wer hier wegschaut, könnte daher eine der solidesten Geschichten der nächsten Jahre verpassen. Das soll jetzt keineswegs als Kaufempfehlung verstanden werden. Risiken gibt es auch bei dieser Aktie. Doch zunächst einmal etwas zu den Vorzügen.
Goldman Sachs: Das Geschäftsmodell, das Konkurrenten außen vor lässt
Goldman Sachs ist keine gewöhnliche Bank, sondern eine Kapitalmarktmaschine mit globaler Reichweite. Der Konzern ist in vier Kernsegmenten tätig: Global Banking & Markets, Asset & Wealth Management, Consumer & Wealth Management sowie Platform Solutions.
Das Herzstück ist jedoch das Investmentbanking. Hier ist man besonders stark. Ob Fusionen, Übernahmen, Börsengänge oder Anleiheemissionen – wer in der Welt der großen Deals aktiv ist, kommt an Goldman Sachs kaum vorbei.
Das wusste auch Warren Buffett, der nach der Finanzkrise in das Institut eingestiegen ist. Zwar ist er heute kein Aktionär mehr, doch die Qualität der Aktie dürfte erhalten geblieben sein.
Wer genauer hinschaut, weiß, dass Goldman Sachs keine normale Bank ist. Sie ist eine Mautstation in den Finanzmarkt. Insbesondere für Unternehmen, die Eigenkapitalfinanzierungen benötigen.
Der tiefe Burggraben entsteht durch ein Zusammenspiel mehrerer kaum kopierbarer Faktoren. Da wäre zunächst das globale Netzwerk aus Konzernvorständen, Staatschefs und institutionellen Investoren, das über Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurde.
Auch die Marke spielt eine Rolle. Goldman Sachs wird weltweit mit Fachkompetenz und Vertrauenswürdigkeit in der Finanzbranche assoziiert. Genau solches ist bei milliardenschweren Transaktionen ein entscheidendes Auswahlkriterium.
Nicht zuletzt zieht das Institut regelmäßig hochkarätiges Humankapital an. Wer einmal bei Goldman Sachs gearbeitet hat, öffnet damit Türen, die für andere verschlossen bleiben. Dieses Talent-Ökosystem ist strukturell schwer zu replizieren.
Hinzu kommt das wachsende Asset-Management-Geschäft, das für stabilere, wiederkehrende Einnahmequellen sorgt und die Abhängigkeit vom volatilen Handels- und Dealgeschäft sukzessive reduziert.
Die Deal-Pipeline lässt Gutes erahnen
Blickt man aktuell auf die Deal-Pipeline, könnten die kommenden Quartale für Goldman Sachs überaus lukrativ werden. Und ja, natürlich ist der Finanzmarkt zyklisch. Bei Goldman Sachs wird es daher nicht immer geradewegs aufwärtsgehen.
Der Finanzmarkt ist vielmehr wie ein gigantischer Apparat zu verstehen, der sich immer weiter aufbläht. Goldman Sachs sollte auch zukünftig aufgrund seiner Burggräben einen bedeutenden Anteil daran halten. Sein Boot erhöht sich sozusagen mit dem Pegel des Marktes. Genau deshalb sehe ich die Aktie langfristig strukturell höher.
Dennoch sollten Anleger nicht vergessen, dass Goldman Sachs empfindlich auf Rezessionen, steigende Kreditausfälle, regulatorische Verschärfungen und geopolitische Verwerfungen reagiert. Wer hier investiert, braucht also nicht nur einen langen Atem, sondern auch starke Nerven.
Der Artikel Rekordhoch mit 16er-KGV: Diese Burggraben-Aktie sollte noch viel höher steigen! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.