Das Geschäft der Apotheken läuft primär im stationären Einzelhandel? Redcare Pharmacy (WKN: A2AR94) beweist das genaue Gegenteil. Mittlerweile setzt die Online-Apotheke mit starken Namen wie Shop Apotheke rund 2,9 Mrd. Euro pro Jahr um. Ein Wachstumsmarkt, der dennoch nicht gefragt vom Aktienmarkt ist: Denn die Redcare-Aktie korrigierte nach der Präsentation der neuesten Zahlen wieder einmal deutlich.
Spurensuche: Die Fundamentalanalyse der Redcare-Aktie
Am Wachstum kann es eigentlich nicht liegen. Konzernübergreifend stiegen die Umsatzerlöse im Geschäftsjahr 2025 um 24,1 % auf die besagten 2,9 Mrd. Euro. Treiber des Wachstums waren die sogenannten Rx-Umsätze. Hierbei handelt es sich um den Anteil, der auf verschreibungspflichtigen Medikamenten basiert. Mit einem Wachstum von ca. 42 % im Jahresvergleich auf 1,1 Mrd. Euro stellt dieses Segment einen großen Ansatz am Gesamterfolg. Das ist es, worauf wir als Investoren zunächst gesetzt haben. Aber auch das Non-Rx-Segment mit verschreibungsfreien Präparaten erzielte ein solides Wachstum von ca. 15 % auf 1,8 Mrd. Euro. Wir sind in Summe daher überaus zufrieden. Erkennen jedoch an, dass die Analysten und Marktbeobachter zunächst mehr im Bereich der verschreibungspflichtigen Medikamente erwartet haben.
Manchmal dauert es eben, bis sich so eine Neuheit durchsetzt. In der Zwischenzeit sehen wir, dass Redcare das Bruttoergebnis von 546 Mio. Euro auf 664 Mio. Euro gesteigert hat. Es verschlechterte sich damit leicht die Bruttomarge von 23,0 % auf 22,6 %. Wir glauben aber, dass es sich dabei nur um eine Momentaufnahme handelt. Der Blick ins Detail zeigt nämlich, dass Redcare höhere Medikamentenpreise (Cost of Sales) mit 2,27 Mrd. Euro) nicht so stark an die Endverbraucher weitergegeben hat. Es gilt für den Moment, Marktanteile zu sichern. Die Marketing- und Gemeinkosten blieben mit 592 Mio. Euro (Vorjahr 502 Mio. Euro) und 99,4 Mio. Euro (Vorjahr 88,3 Mio. Euro) weitgehend auf der Linie mit dem allgemeinen Wachstum.
Die aktuelle Strategie mit Weitblick: Wachstum vor Profitabilität
Redcare Pharmacy setzt daher für den Moment vor allem auf Wachstum. Nicht primär auf profitables Wachstum, sondern vor allem auf Mengenwachstum. Das sehen wir auch unterm Strich: Denn das Nettoergebnis ist mit 39,4 Mio. Euro weiterhin in den roten Zahlen. Der Vorjahreswert von 46,4 Mio. Euro konnte leicht getoppt werden. Es reicht dem Markt aber auch aktuell einfach nicht aus. Wir denken jedoch, dass sich ein Sichern einer guten Wettbewerbsposition im Bereich der Rx-Produkte wichtiger ist als die neue Profitabilität. Denn der Markt ist noch jung und gerade erst geöffnet. Heute stellen die zukünftigen Gewinner in diesem Segment ihre Weichen.
Immerhin: Der operative Cashflow war mit 31 Mio. Euro bereits sehr positiv. Das werten wir als starkes Zeichen, denn bei noch vorhandenen finanziellen Mitteln von 91 Mio. Euro würde ansonsten allmählich eine Kapitalerhöhung nötig.
Der Ausblick und unsere Meinung zur Redcare-Aktie
Für das Jahr 2026 prognostiziert Redcare ein Umsatzwachstum von 13 % bis 15 % im Jahresvergleich. Auch das war eine leichte Enttäuschung für die Investoren. Immerhin: In einem mittelfristigen Zeitfenster dürfte sich das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen mit einer Marge von 2,5 % auf 5,0 % so ca. verdoppeln.
Das kann der Zug zur Profitabilität werden. Jetzt ist aber der Zeitpunkt, um sich im Markt ideal zu positionieren. Das macht Redcare auch mit einer hohen Kundenzufriedenheit. Denn der sogenannte Promoter Score lag zum Jahresende wieder bei über 70, was auf eine hohe Kundenzufriedenheit hindeutet. Wir sind der Meinung, dass dieses qualitative Wachstum jetzt der richtige Schritt ist. Zur Not warten wir auch noch drei bis fünf Jahre auf positive und wachsende Nettoergebnisse bei der Redcare-Aktie, wenn sich Redcare Pharmacy dadurch als führende Onlineapotheke Europas etabliert.
Der Artikel Redcare-Aktie: Die Amazon-Strategie kommt am Markt nicht gut an – eine Contrarian-Chance? ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.