
Im Gegensatz zum Energiemarkt wird der Platinpreis nicht unmittelbar durch die Blockade in der Straße von Hormus und den gesamten US‑Iran‑Krieg beeinflusst. Da Öl jedoch einer der Haupttreiber der Weltwirtschaft ist, lasten verstärkte Inflationssorgen auf dem Metall. Investoren setzen zunehmend auf eine restriktivere Geldpolitik der Fed. Ähnlich wie andere Edelmetalle profitiert Platin von einem Umfeld niedrigerer Zinssätze.
Dennoch stützen weiterhin seine Angebots-/Nachfragedynamiken die Preise. Außerdem hat das Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und Iran, wenn auch fragil, etwas Optimismus in die Finanzmärkte gebracht. Anleger richten nun ihr Augenmerk auf die Verhandlungen am Wochenende und die für Freitag geplanten US‑CPI‑Daten.
Platinpreis nähert sich entscheidender Unterstützung
Am Donnerstag hielt der Platinpreis oberhalb der Unterstützungsmarke von $2,000, da seine Angebots-/Nachfragedynamik das geopolitische Risiko ausglich. Der US‑Iran‑Krieg und der anschließende Energieschock belasten Edel- und Industriemetalle. Investoren fürchten eine mögliche Stagflation, die die Federal Reserve und andere wichtige Zentralbanken zu Zinserhöhungen zwingen würde.
Am frühen Mittwoch stieg Platin nach Berichten über einen zweiwöchigen Waffenstillstand auf ein Drei‑Wochen‑Hoch. Das Abkommen dämpfte die Inflationssorgen und stärkte Edelmetalle, die in einem Umfeld niedrigerer Zinssätze florieren. Iran hat die USA allerdings inzwischen beschuldigt, den Waffenstillstand verletzt zu haben.
Laut dem iranischen Parlamentspräsidenten hätten die USA drei der zehn Punkte verletzt, die die Grundlage des Waffenstillstands bildeten. Dazu zählen israelische Angriffe auf den Libanon, die Verweigerung des Rechts Irans zur Urananreicherung und das Eindringen einer Drohne in den iranischen Luftraum. Daher halte er einen bilateralen Waffenstillstand für „unvernünftig“.
Die USA haben ihrerseits, vertreten durch Vizepräsident JD Vance, erklärt, dass „Waffenstillstände immer unordentlich sind“. Er fügte hinzu, das Abkommen gelte nicht für den Libanon, und die USA würden Iran nicht erlauben, Uran anzureichern. Vance wird die US‑Delegation bei den am Wochenende in Pakistan geplanten Verhandlungen führen.
Anleger verfolgen das fragile Waffenstillstandsabkommen und dessen Einfluss auf die Marktstimmung im Hinblick auf die Inflation. Chaos in der Straße von Hormus und der anschließende Anstieg der Inflationssorgen haben die Markterwartungen an die Politik der Fed verschoben.
Derweil werden die US‑CPI‑Daten am Freitag veröffentlicht. Es wird erwartet, dass sich die Inflation im März angesichts der Konflikte im Nahen Osten beschleunigt hat.
Technische Analyse: Platinpreis

Platinpreis‑Chart | Quelle: TradingView
Am Donnerstag berührte der Platinpreis zum ersten Mal seit dem Unterschreiten vor drei Wochen wieder die über Monate verlaufende Aufwärtstrendlinie. Der durch den US‑Iran‑Waffenstillstand entfachte Optimismus gibt den Bullen die Chance, das Metall oberhalb der zuvor stabilen Unterstützung zurückzubringen.
Der Widerstand bei $2,131 ist kurzfristig jedoch besonders zu beobachten. Diese Zone fällt mit dem Konvergenzpunkt zusammen, der entstand, als die 25‑ und 50‑Tage‑EMA Mitte März ein bärisches Todeskreuz bildeten.
Vor dem Hintergrund des fragilen Waffenstillstands richten Anleger ihr Augenmerk auf die für das Wochenende in Pakistan erwarteten Verhandlungen. In der Folge könnte der Platinpreis in eine Seitwärtszone eintreten, wobei $2,000 eine stabile Unterstützung bleibt.
Das Auftreten genügend vieler Käufer, um den Widerstand bei $2,131 zu überwinden und die entscheidende Aufwärtstrendlinie wieder zu erobern, würde das nächste Ziel bei $2,200 setzen. Umgekehrt würde ein Rückschlag unter diese Spanne voraussichtlich die darunterliegende Unterstützung bei $1,915 aktivieren.
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