Die Aktie von PayPal hat sich im Rahmen des Übernahmeversuchs durch Stripe zuletzt deutlich erholt, notiert nach Einschätzung vieler Investoren jedoch weiterhin unter ihrem langfristigen Potenzial. Starke Geschäftszahlen, eine robuste Cashflow-Entwicklung und strategische Optionen könnten den Weg für eine weitere Neubewertung ebnen.

Deutlich bessere Geschäftsentwicklung als erwartet

Bereits früher hatten wir darauf hingewiesen, dass das kolportierte Übernahmeinteresse von Stripe und das Gebot von 60,50 US-Dollar je Aktie den Unternehmenswert von PayPal nur unzureichend widerspiegeln würde.

Nach einem überzeugenden zweiten Quartal und einer ausgezeichneten Entwicklung beim freien Cashflow wird diese These bestätigt. Trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten erscheint die Bewertung weiterhin mit einem deutlichen Abschlag auf den inneren Wert. Zusätzliche Impulse könnten von möglichen Übernahmen, strategischen Maßnahmen oder einer Verbesserung des makroökonomischen Umfelds ausgehen.

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Umsatzwachstum und Cashflow legen deutlich zu

PayPal übertraf im zweiten Quartal sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn die Erwartungen des Marktes. Das gesamte Zahlungsvolumen stieg um rund zehn Prozent auf 486,45 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der abgewickelten Transaktionen um acht Prozent. Auch die Zahl aktiver Kundenkonten legte leicht um 0,3 Prozent zu, während die Transaktionen je aktivem Konto auf Basis der vergangenen zwölf Monate um drei Prozent wuchsen.

Besonders beeindruckend entwickelte sich der freie Cashflow. Der Free Cashflow stieg gegenüber dem Vorjahr um 157 Prozent, der bereinigte Free Cashflow sogar um 179 Prozent. Verantwortlich dafür waren unter anderem positive Effekte beim Working Capital, zeitliche Verschiebungen im Buy-Now-Pay-Later-Geschäft sowie das anhaltende Wachstum der Plattformen Venmo und Braintree.

Prognose angehoben, Milliarden für Aktienrückkäufe

Auf Basis der starken Entwicklung hob das Management den Ausblick für das Gesamtjahr an. Erwartet werden nun Transaktionsmargen von rund 15,6 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 14,5 Milliarden US-Dollar ohne Zinserträge auf Kundenguthaben. Gleichzeitig rechnet das Unternehmen mit einem Anstieg der nicht transaktionsbezogenen Betriebskosten um sieben bis acht Prozent sowie einem bereinigten Gewinn je Aktie von 5,38 US-Dollar.

Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet PayPal einen bereinigten freien Cashflow von mindestens sechs Milliarden US-Dollar. Zudem sollen Aktienrückkäufe im Umfang von rund sechs Milliarden US-Dollar erfolgen. Nach Aussage des Finanzvorstands zeigen die gezielten Wachstumsinvestitionen bereits erste Erfolge. Die Belastung der Transaktionsmarge dürfte geringer ausfallen als ursprünglich angenommen, auch wenn weiterhin konsequent in die Transformation des Unternehmens investiert wird.

Gemessen an einer Marktkapitalisierung von rund 48,9 Milliarden US-Dollar entspricht ein freier Cashflow von sechs Milliarden US-Dollar einer Rendite von mehr als zwölf Prozent. Damit unterstreicht PayPal die außergewöhnlich hohe Ertragskraft des Geschäftsmodells, zumal die Rückkäufe sowohl aus dem laufenden Cashflow als auch aus der Bilanz finanziert werden können.

Solide Bilanz schafft finanziellen Spielraum

Auch die Bilanz präsentiert sich in einer starken Verfassung. Zum Quartalsende verfügte PayPal über liquide Mittel von 8,3 Milliarden US-Dollar sowie kurzfristige Anlagen im Wert von 2,95 Milliarden US-Dollar. Dem standen langfristige Finanzverbindlichkeiten von 10,89 Milliarden US-Dollar gegenüber.

Diese solide Finanzbasis eröffnet dem Unternehmen erhebliche strategische Möglichkeiten. Gemeinsam mit dem hohen freien Cashflow könnte PayPal auch größere Übernahmen finanzieren und eine mögliche höhere Verschuldung innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit wieder abbauen.

Konsumflaute bleibt vorerst eine Belastung

Das wirtschaftliche Umfeld stellt weiterhin einen wichtigen Unsicherheitsfaktor dar. Die Entwicklung von PayPal hängt maßgeblich von der Konsumbereitschaft der Verbraucher ab. Zwar gibt es erste Anzeichen einer Stabilisierung, dennoch bleibt die Kaufkraft vieler Haushalte unter Druck.

Besonders deutlich zeigt sich die zunehmende Ungleichheit zwischen einkommensstarken und einkommensschwachen Haushalten. Während steigende Immobilien- und Aktienpreise die Vermögenssituation wohlhabender Verbraucher verbessern, leiden viele andere unter höheren Lebenshaltungskosten und geopolitisch bedingten Preissteigerungen. Gleichzeitig besteht das Risiko, dass die Inflation länger auf erhöhtem Niveau verharrt.

Diese Entwicklung beeinflusst auch die Geldpolitik der Notenbanken. Die US-Notenbank hat die Zinsen zuletzt unverändert gelassen, schließt weitere Zinserhöhungen jedoch nicht aus. In Europa wurden die Leitzinsen bereits zuvor angehoben. Höhere Finanzierungskosten bremsen üblicherweise den Konsum und könnten das Transaktionsvolumen im Zahlungsverkehr belasten.

Zusätzlich verschärft sich der Wettbewerb im digitalen Zahlungsverkehr. Deshalb investiert PayPal verstärkt in neue Wachstumsfelder wie KI-gestützte Zahlungsinfrastruktur, Agentic Commerce, Stablecoins und moderne Point-of-Sale-Lösungen.

Neubewertung der Aktie möglich

Sollte Kapital verstärkt aus hoch bewerteten KI-Aktien in günstig bewertete Unternehmen umgeschichtet werden, könnte auch PayPal davon profitieren. Das Chance-Risiko-Verhältnis erscheint angesichts der aktuellen Bewertung weiterhin attraktiv.

Darüber hinaus bleibt das Unternehmen sowohl als möglicher Käufer als auch als potenzielles Übernahmeziel interessant. Strategische Akquisitionen könnten beispielsweise die Präsenz in wachstumsstarken Regionen ausbauen. Ebenso wäre denkbar, dass Investoren Interesse an einzelnen Geschäftsbereichen entwickeln und dadurch zusätzliche Werte freisetzen.

Der Markt scheint nach wie vor die Fähigkeit von PayPal zu unterschätzen, nachhaltig hohe freie Cashflows zu erwirtschaften. Bereits das Stripe-Angebot bewertete das Unternehmen mit rund 53 Milliarden US-Dollar und damit deutlich über der damaligen Börsenbewertung. Selbst dieses Niveau dürfte den tatsächlichen Unternehmenswert allerdings noch nicht vollständig widerspiegeln.

Auch ohne eine Übernahme besitzt PayPal erhebliches Potenzial. Eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen könnte den Konsum ankurbeln und die starke Cashflow-Entwicklung langfristig absichern. Gleichzeitig erhöhen umfangreiche Aktienrückkäufe den Wert je Aktie zusätzlich.

Das Management betont zudem, strategische Möglichkeiten weiterhin sorgfältig zu prüfen, sofern diese einen höheren Mehrwert für die Aktionäre schaffen als die eigenständige Umsetzung der aktuellen Unternehmensstrategie.

Wettbewerb und Konjunktur als Risikofaktoren

Trotz der positiven Perspektiven bestehen weiterhin Risiken. Der intensive Wettbewerb im Zahlungsverkehr könnte die Margen unter Druck setzen und Marktanteile kosten. Gleichzeitig könnte eine anhaltend schwache Konjunktur die Ausgaben der Verbraucher belasten und damit das Transaktionsvolumen von PayPal beeinträchtigen.

Auch geopolitische Unsicherheiten und ein längerfristig erhöhtes Zinsniveau könnten die Erholung verzögern und sich negativ auf die Unternehmensbewertung auswirken.

Klares Kurspotenzial

Ausgehend von einem erwarteten freien Cashflow von mindestens sechs Milliarden US-Dollar für 2026 ergibt sich selbst unter konservativen Annahmen ein attraktives Bewertungsbild. Unterstellt wird ein durchschnittliches jährliches Cashflow-Wachstum von fünf Prozent in den ersten fünf Jahren, anschließend 3,5 Prozent für weitere fünf Jahre sowie ein langfristiges Wachstum von 2,5 Prozent. Bei einem Diskontierungssatz von 12,5 Prozent ergibt sich ein Unternehmenswert von rund 69,9 Milliarden US-Dollar beziehungsweise ein fairer Wert von 81,68 US-Dollar je Aktie.

Verglichen mit einem Aktienkurs von rund 58 US-Dollar signalisiert dieses Modell weiterhin einen deutlichen Bewertungsabschlag. Der Markt scheint aktuell wesentlich vorsichtigere Annahmen einzupreisen, als sie auf Basis der operativen Entwicklung gerechtfertigt erscheinen.

PayPal überzeugt mit einer starken operativen Entwicklung, hoher Cashflow-Generierung und einer soliden Bilanz. Sollte sich das wirtschaftliche Umfeld stabilisieren oder das Management zusätzliche strategische Impulse setzen, besitzt die Aktie aus heutiger Sicht weiteres Aufwärtspotenzial. Zudem könnten jederzeit neue, verbesserte Übernahmeangebote den Kurs beleben.

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ℹ PayPal in Kürze

  • PayPal (WKN: A14R7U) betreibt den weltweit bekanntesten Online-Bezahldienst. Im letzten Quartal nutzten über 439 Millionen Verbraucher weltweit den Service für Online-Überweisungen und die Bezahlung von Rechnungen im Internet.
  • Das Unternehmen mit Sitz in San José im US-Bundestaat Kalifornien ist Teil des Nasdaq 100 und des S&P 500 Index.
  • PayPal ist aktuell an der Börse mit rund 50 Milliarden US$ bewertet.

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