
Der Kurs der PayPal‑Aktie hat in den vergangenen Wochen eine starke Erholung vollzogen, da Anleger auf Schnäppchenjagd gingen. PYPL sprang auch, da Anleger ein mögliches Übernahmeangebot einpreisten. Am Mittwoch stieg sie auf $50, den höchsten Stand seit Februar dieses Jahres.
PayPal‑Aktie schießt hoch im Zuge der Schnäppchenjagd
Der anhaltende Kursanstieg von PYPL fiel zeitgleich mit dem ähnlicher Fintech‑Firmen wie SoFi, Affirm, Block und Upstart zusammen.
Ein wesentlicher Grund ist, dass PayPal und diese Unternehmen nach anhaltender Abschwächung als Schnäppchen gelten. Im Fall von PayPal fiel das vorausschauende Kurs‑Gewinn‑Verhältnis (KGV) auf 9,30, deutlich unter dem Sektormedian von etwa 10.
Der Fünf‑Jahres‑Durchschnitt von PayPal liegt bei 21, während der S&P 500‑Index ein Multiple von 19 aufweist. Das macht es zu einem größeren Abschlag als die meisten Unternehmen und damit potenziell zu einem attraktiven Übernahmeziel.
Ein Bloomberg‑Bericht Anfang dieses Jahres legte nahe, dass Stripe über ein Angebot nachdachte. Bislang wurde jedoch keine Ankündigung gemacht, und es ist unklar, ob PayPal ein solches Angebot annehmen würde.
Ein Grund, warum PayPal ein Angebot ablehnen könnte, ist, dass das Unternehmen kürzlich einen neuen Chief Executive Officer (CEO) angekündigt hat, dessen Aufgabe die Umsetzung eines Turnarounds ist. In diesem Szenario wäre ein potenzieller Turnaround voraussichtlich wertvoller als ein kompletter Buyout.
Warum PYPL‑Aktien billig geworden sind
Es gibt gute Gründe, warum die PayPal‑Aktie zum Schnäppchen wurde. Zum einen ist PayPal heute ein anderes Unternehmen als noch vor ein paar Jahren. Damals wurde es als Wachstumsaktie bewertet, da Nutzerzahlen und Umsatz stark stiegen.
Heute sehen Investoren es eher als Value‑Aktie mit schwachem Umsatz‑ und Nutzerwachstum. Es gewinnt nicht mehr wie früher Millionen neuer Nutzer. Tatsächlich blieb die Nutzerzahl im letzten Quartal bei 439 Millionen unverändert.
Auch das Umsatzwachstum von PayPal hat sich abgeschwächt. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres erzielte das Unternehmen $8,6 Milliarden, ein Plus von 4 % gegenüber dem Vorjahr. Der Jahresumsatz stieg lediglich um 4 % auf $33 Milliarden. In der Vergangenheit verzeichnete PayPal zweistellige Zuwächse.
Ein Grund hierfür ist, dass der Wettbewerb in all seinen Geschäftsbereichen zugenommen hat. Beispielsweise haben Unternehmen wie Stripe, Klarna und Affirm Marktanteile beim Checkout gewonnen.
Gleichzeitig gewinnen Stablecoins wie USDT und USDC im Peer‑to‑Peer‑Zahlungsverkehr Marktanteile aufgrund niedriger Transaktionskosten und hoher Geschwindigkeit.
PaPal hat im Stablecoin‑Bereich einige Erfolge erzielt: Sein PYUSD erreichte eine Marktkapitalisierung von über $4 billion. Die Erlöse aus PYUSD sind jedoch noch verschwindend gering.
Bei Zinssätzen von 4 % und Vermögenswerten in Höhe von $4 billion erzielt das Unternehmen $160 Millionen – ein winziger Betrag im Vergleich zu Einnahmen von über $33 Milliarden.
Analysten haben niedrige Erwartungen an den PYPL‑Kurs. BNP Paribas hob zuletzt das Kursziel von $41 auf $43 an, Citigroup erhöhte auf $48. Analysten von Bank of America und KGI Securities sehen Kursziele von $48 bzw. $55.
Technische Analyse des PayPal‑Kurses

PYPL‑Kurschart | Quelle: TradingView
Der Tageschart zeigt, dass der PYPL‑Kurs im Februar auf ein Tief von $38,91 gefallen ist und sich dann bis auf aktuell $50 erholte. Er versucht, die Lücke zu schließen, die nach der Veröffentlichung schwacher Zahlen entstanden war.
Die Aktie hat das wichtige Widerstandsniveau bei $48,40 überwunden, die obere Begrenzung der kleinen Tasse‑mit‑Henkel‑Formation, einem gängigen bullischen Fortsetzungssignal in der technischen Analyse.
Daher ist die kurzfristige Aussichten für die Aktie bullisch, mit dem nächsten wichtigen Ziel bei $58, dem 50 % Fibonacci‑Retracement‑Niveau, also rund 20 % über dem aktuellen Kurs.
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