Das finnische Gesundheits-Hardware-Unternehmen Oura geht an die Börse. Der Hersteller des gleichnamigen Smart Rings will 50 Millionen Aktien über die Nasdaq-Technologiebörse ausgeben. Ist ein Investment in die Oura-Aktie eine smarte Sache oder sollten sich Anleger diesen Ring besser nicht anziehen?
Details des Börsengangs
Ausgegeben wird die Oura-Aktie zu einem Preis zwischen 40 und 44 US$. Damit ist der Börsengang im best case 2,2 Milliarden US$ wert.
Wobei mit knapp 600 Millionen US$ nur ein kleiner Teil des Geldes selbst an das Unternehmen selbst fließt. Den Löwenanteil erhalten die derzeitigen Aktionäre von Oura.
Das macht Oura
Das Geschäftsmodell von Oura ist der Verkauf eines intelligenten Gesundheits- und Fitness-Trackers in Form eines Rings und die kontinuierliche Analyse von Körperdaten, um Nutzern Einblicke in ihre Gesundheit zu geben.
Der Oura Smart Ring misst im Schlaf detailliert die Schlafphasen (Tiefschlaf, REM, Leichtschlaf), die Herzfrequenzvariabilität, die Hauttemperatur und die nächtliche Atmung. Daraus errechnet sich unter anderem ein täglicher Schlafwert und eine Tagesformbewertung, die anzeigt, wie gut der Körper regeneriert ist. Tagsüber erfasst der Ring automatisch Bewegungen, Schritte, verbrannte Kalorien sowie über 40 verschiedene Aktivitäten (wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen) und unterstützt dabei, personalisierte Aktivitätsziele einzuhalten.
Durch die permanente Überwachung von Vitalwerten wie der Körpertemperatur oder der Herzfrequenz kann das System frühzeitig auf körperlichen Stress, Abweichungen vom normalen Rhythmus oder anbahnende Infekte hinweisen. Zudem bietet die Software Funktionen wie eine präzise Menstruationszyklusvorhersage.
Im Gegensatz zu klassischen Smartwatches verzichtet der Oura Ring komplett auf ein Display, besteht aus robustem Titan und ist für das unauffällige Tragen rund um die Uhr (auch im Alltag und beim Schlafen) konzipiert. Die erhobenen Daten werden an eine dazugehörige Smartphone-App übertragen, die sie mithilfe einer kostenpflichtigen Mitgliedschaft in konkrete, personalisierte Empfehlungen für den Lebensstil übersetzt.
So sehen die Financials aus
Im ersten Halbjahr 2026 setzte Oura 1,21 Milliarden US$ um. Das bereinigte EBITDA belief sich auf ca. 107 Millionen US$ und der Nettogewinn betrug rund 61 Millionen US$. Wichtigster Umsatzbringer ist nach wie vor der Smart Ring, der rund 80% der Umsätze ausmacht und in Europa je nach Variante zwischen 399 und 569 € kostet.
Aber das Abo-Geschäft wächst derzeit schneller als der Hardware-Umsatz und macht inzwischen 240 Millionen US$ aus. Mit einer Bruttomarge von 89% ist es extrem profitabel. Hinzu kommt eine sehr hohe Konversionsrate von Ringkäufern zu Abonnenten. Rund 85% aller Kunden, die einen Oura Smart Ring kaufen, schließen auch ein kostenpflichtiges Abo ab. Die Oura-Mitgliedschaft kostet derzeit 6 € pro Monat. Derzeit hat das finnische Tech-Unternehmen rund 5,7 Millionen Abonnenten.
Laut Berechnungen des Wirtschaftsnachrichtendienstes Bloomberg dürfte Oura zum Börsengang eine Bewertung von rund 14 Milliarden US$ aufweisen. Für ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr gerade einmal 908 Millionen US$ Umsatz gemacht hat, ist das eine sehr sportliche Bewertung.
Drei Gründe gegen ein Investment
Ich bin gegenüber dem IPO von Oura eher skeptisch eingestellt und das aus gleich drei Gründen:
Zum Ersten gefällt mir der Hintergrund des Börsengangs nicht. Ein Großteil der Altaktionäre macht Kasse — und zwar richtig. Schön für die Geldgeber, aber wahrscheinlich eher nachteilig für die neuen Aktionäre. Mir riecht es hier zu stark nach Überbewertung.
Zum Zweiten ist mir das Geschäftsmodell zu stark fokussiert. Viele der Funktionen des Oura Smart Rings lassen sich auch über eine Apple Watch oder eine sonstige Smart Watch abbilden.
Ich glaube deshalb, dass viele interessierte Kunden kein zweites Gerät haben wollen, bei dem es starke Funktionsüberschneidungen mit einem bereits bestehenden gibt. Noch dazu bei diesem Preis. Mit einem Kaufpreis von über 400 € (ohne Abo-Kosten) ist der Oura-Ring nicht unbedingt ein Schnäppchen.
Zum Dritten ist der Wettbewerb auf dem Gebiet der Smart Rings sehr groß. Zudem verlangen viele Ringanbieter keine Abo-Gebühren von ihren Kunden. Potenzielle Käufer werden es sich vor diesem Hintergrund sehr gut überlegen, ob die Oura-Funktionen tatsächlich über 70 € pro Jahr wert sind.
Mir ist ein Investment in das Oura-IPO zu riskant. Ich glaube, dass das Unternehmen zu seinem Börsengang überbewertet ist. Das Wachstum wird sich meiner Meinung nach angesichts des harten Wettbewerbs und der Funktionsüberschneidungen mit Smart Watches eher früher als später abflachen — mit sehr negativen Konsequenzen für den Kurs der Oura-Aktie.
Oura in Kürze
- Oura Health ist ein finnisches Smart Wearables-Unternehmen mit Sitz in Oula.
- Das Unternehmen entwickelt den Oura Ring, einen kleinen Smart-Ring, der Gesundheits- und Fitnessdaten rund um die Uhr erfasst.
- Diese Daten werden aufbereitet und zahlenden Abo-Kunden zahlreiche Gesundheitsanalysen und Handlungsempfehlungen angeboten.
- Derzeit besitzt Oura rund 5,7 Millionen Abonnenten.
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