Die Oracle-Aktie reagierte negativ auf die Ende der Woche vorgelegten Quartalszahlen und fiel auf 150 US$ zurück. Damit hat sich der Kurs des Cloud- und Software-Riesen innerhalb der letzten zwölf Monaten glatt halbiert. Wie könnte es nun mit der Oracle-Aktie weitergehen?

Hier sind alle Bullen

Ein Blick auf die jüngsten Kursziele von Banken und Analysehäusern kann bei dieser Frage weiterhelfen. Aber sie machen es einem nicht einfach, denn bei keinem anderen großen Technologiekonzern klaffen die Kursziele der Experten so weit auseinander wie bei der Oracle-Aktie.

Die Bandbreite reicht von 165 bis 400 US$. Während die Bären an ein Upside von nur +10% sehen, glauben die Bullen an ein gewaltiges Potenzial von +166%. Angesichts der unerwartet guten Quartalszahlen von Oracle hoben die meisten Banken ihre Kursziele für die Oracle-Aktie zum Wochenschluss an.

Das mit Abstand höchste Kursziel gibt momentan die Investmentbank Guggenheim mit 400 US$ aus. Aber auch die US-Bank Citi prognostiziert mit 330 US$ eine mehr als Verdoppelung des aktuellen Kursniveaus. Ebenfalls sehr optimistisch eingestellt sind die Analysten der Investmentbanken Cantor Fitzgerald und Oppenheimer sowie der Barclays Bank mit Kurszielen von 284, 275 und 250 US$.

Die größten Pessimisten in Bezug auf die Oracle-Aktie sind derzeit bei der US-Großbank JPMorgan und der kanadischen RBC-Bank zu finden. Sie sehen mit Kurszielen von 200 bzw. 165 US$ nur noch ein geringes Aufwärtspotenzial für den Tech-Titel.

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Der Kursverlauf ist nicht bullisch

Nachdem die Oracle-Aktie zu Beginn vergangener Woche auf ein neues 2-Monatshoch bei 163 US$ gestiegen war, drehte sie im weiteren Verlauf der Handelswoche nach unten und beendete sie auf einem Tief bei 150 US$. Nun muss der Widerstand bei 142 US$ halten und diese Abwärtsbewegung fürs Erste zu beenden.

Eine Glaubensfrage

Die Oracle-Aktie ist derzeit eine Art Glaubensfrage. Fakt ist, dass sich das KI-Infrastrukturgeschäft des Konzerns rasant entwickelt. Im letzten Quartal schoss der Umsatz mit Cloud-Infrastruktur um 121% nach oben. Die Summe der Remaining Performance Obligations beläuft sich inzwischen auf gewaltige 664 Milliarden US$. Die Nachfrage ist also da.

Die Glaubensfrage ist aber, ob Oracle jemals in der Lage sein wird, mit seinen KI-Infratrukturleistungen überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. Zur Beantwortung dieser Frage muss der Tech-Konzern massiv in Vorleistung gehen. Die Investitionsausgaben explodierten im abgelaufenen Vierteljahr von 8,5 auf 28,5 Milliarden US$.

Selbst für eine Cashflow-Maschine wie Oracle ist das eine zu große Summe, um sie aus dem operativen Cashflow zu stemmen. Der freie Cashflow war zuletzt mit -5,4 Milliarden US$ negativ. Oracle muss sich also weiterhin am Kapitalmarkt bedienen, um sich diese Finanzierung leisten zu können.

Die Börse hat ihre Antwort schon gegeben

Die Börse hat ihre Antwort auf die Oracle-Glaubensfrage bereits gegeben. Die Kurshalbierung innerhalb eines Jahres spricht eine ganz klare Sprache. Und auch auf die jüngsten Quartalszahlen reagierte der Aktienkurs negativ. Im Klartext: Der Markt scheint nicht daran zu glauben, dass die Rechnung von Oracle unter dem Strich aufgehen wird.

Ich teile schon seit längerem die Meinung der Börse und sehe die KI-Investitionsoffensive von Oracle sehr kritisch. Ich habe große Bedenken, dass in den kommenden Jahren mehr oder weniger starke Überkapazitäten auf dem KI-Infrastrukturmarkt entstehen, die zu Preisdruck und Margenverfall führen werden.

Das Software-Geschäft von Oracle ist bis heute hochprofitabel mit einer operativen Margen von rund 30%. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Tech-Konzern im Bereich der KI-Infrastruktur mittelfristig ein ähnliches Profitablitätsniveau erreichen wird.

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Der Papierform nach ist die Oracle-Aktie ein echtes Schnäppchen. Das Forward-KGV liegt unter 20 und das bei einem hochprofitablen Tech-Unternehmen, das gegenwärtig mit über 35% pro Jahr wächst.

Aber dieses Wachstum wird mit gigantischen Investitionen quasi „erkauft“ und kann mittelfristig zu sinkenden Margen bei Oracle führen. Die unglaubliche Bullishness vieler Analysten kann ich vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehen.

ℹ Oracle in Kürze

  • Oracle (WKN: 871460) ist ein US-Soft- und Hardwarekonzern mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas.
  • Bekannt ist der Konzern vor allem als Betreiber eines Datenbanksystems. Darüber hinaus bietet Oracle seinen Kunden Cloud-Infrastruktur und zahlreiche Anwendungen an.
  • Gegründet im Jahre 1977 und mit einem Jahresumsatz von fast 70 Milliarden US$ zählt Oracle zu den ältesten und größten Tech-Konzernen weltweit.
  • Oracle ist Mitglied im US-Leitindex S&P 500 und ca. 433 Milliarden US$ wert.

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