Die Oracle-Aktie hat sich in den vergangenen Tagen erholt, da Anleger im Zuge der sich beschleunigenden Berichtssaison in Technologiewerte umgeschichtet haben. ORCL sprang am Dienstag auf $145 und liegt damit 27% über ihrem diesjährigen Tiefstand. Ist die Aktie also ein guter Kauf, während ihr CDS-Spread auf ein Rekordhoch steigt?

Oracle-CDS-Spread steigt stark

Larry Ellisons Oracle steht unter Druck. Selbst nach der jüngsten Erholung liegt die Aktie weiterhin 42% unter ihrem diesjährigen Höchststand. Die Marktkapitalisierung ist in diesem Zeitraum deutlich eingebrochen. 

Gleichzeitig sind Anleger wegen des steigenden Verschuldungsgrades besorgt. So ist das Ausfallrisiko des Unternehmens auf den höchsten Stand seit Aufzeichnungsbeginn gestiegen und liegt damit über dem Niveau während der globalen Finanzkrise 2008. 

Das Ausfallrisiko wird über Credit-Default-Swaps (CDS) gemessen, ein Finanzinstrument, das Schutz gegen das Risiko eines Zahlungsausfalls bietet. Ein höherer CDS-Spread ist in der Regel ein Zeichen dafür, dass Investoren eine höhere Prämie verlangen, um das Kreditrisiko zu versichern.

Weitere Kennzahlen zeigen, dass Anleger nervös sind. Beispielsweise bleiben die Anleiherenditen des Unternehmens auf einem erhöhten Niveau. Die Rendite der 2046er Anleihe ist auf 7.50% gestiegen, die der 2056er auf 7.60%. Führende Ratingagenturen wie S&P Global haben sie mit einem Ramschrating eingestuft.

Diese Kennzahlen fallen in eine Phase stark steigender Verschuldung. Daten von TradingView zeigen, dass die Gesamtverschuldung von $73.6 Mrd. im Jahr 2019 auf heute $167 Mrd. gestiegen ist, und das Unternehmen plant, in diesem Jahr über $40 Mrd. aufzubringen. Die Nettoverschuldung stieg im selben Zeitraum von $30.6 Mrd. auf $135 Mrd.. 

Oracle setzt alles auf KI

Die Gesamtverschuldung von Oracle ist gestiegen, weil das Unternehmen alles auf KI setzt. Es ist Teil des Stargate-Projekts, das in den USA mehr als $500 Mrd. ausgeben will. 

Es gibt Anzeichen, dass der Fokus auf KI sich auszahlt: Die ausstehenden Leistungszusagen (Remaining Performance Obligations, RPO) sind in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Im letzten Quartal wuchs das RPO um $85 Mrd. auf $638 Mrd.. Die meisten dieser Verträge bestehen mit OpenAI, xAI und Meta Platforms.

Zwar handelt es sich um große Unternehmen, doch besteht Sorge, dass sie ihre KI-Ausgaben phasenweise drosseln könnten, um sich auf die Profitabilität zu konzentrieren. Berichten zufolge erwägt OpenAI, seinen IPO auf das nächste Jahr zu verschieben.

Wenn das KI-Thema aufgeht, könnte Oracle zu einem der größten Nutznießer zählen. 

Die jüngsten Ergebnisse zeigten, dass Oracles Geschäft gut läuft: Der Umsatz stieg um 20% auf $19.2 Mrd.. Das Ergebnis je Aktie kletterte ebenfalls um 21% auf ein Rekordniveau von $1.45.

Segmentbezogen stieg der Umsatz im Cloud-Segment um 47% auf $9.9 Mrd., wobei die Cloud-Infrastruktur $5.8 Mrd. erreichte. 

Dieses Wachstum dürfte anhalten, da das Unternehmen seine KI-Verpflichtungen erfüllt. Infolgedessen erwarten Analysten, dass der Umsatz des letzten Quartals um 28% auf $19.2 Mrd. zugelegt hat, während der Jahresumsatz um 325 auf $89 Mrd. steigen wird. 

Wie geht es mit der ORCL-Aktie weiter?

Oracle stock

Chart zur Oracle-Aktie | Quelle: TradingView

Die Analysten an der Wall Street haben eine gemischte Einschätzung zum Kursziel der Oracle-Aktie. So sieht Guggenheim ein Ziel von $400, Bernstein und TD Cowen nennen jeweils $325 bzw. $300. Dagegen sind Piper Sandler und JPMorgan nicht besonders begeistert von dem Unternehmen. 

Der Tageschart zeigt, dass sich der ORCL-Kurs in den vergangenen Tagen erholt hat und sich von einem Tief von $114 auf aktuell $145 bewegt hat. Er ist bereits über das wichtige Widerstandsniveau von $134.80 gesprungen, dem Tiefststand in Februar, März und April dieses Jahres.

Ein Überschreiten dieses Niveaus ist ein Zeichen, dass die Bullen an Momentum gewinnen. Allerdings besteht das Risiko, dass es sich vor einem Anstieg über den 100-Tage- und 200-Tage-Durchschnitt nur um eine kurzlebige Gegenbewegung (Dead-Cat-Bounce) handelt. 

Fundamental gesehen wird Oracles Geschäft jedoch günstig bewertet, mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (Forward P/E) von 17. 

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