Oracle-Logo auf einem großen Schild vor einem modernen Firmengebäude.

Die Oracle-Aktie stieg am Freitag im vorbörslichen Handel um 6%, nachdem besser als erwartete Quartalsergebnisse und ein optimistischer Ausblick die Anlegerbedenken über die schuldenfinanzierte KI-Ausgaben des Cloud‑Computing‑Unternehmens gemildert hatten.

Der Unternehmenssoftware‑Gigant meldete einen Umsatz im ersten Quartal von $19.35 Milliarden und übertraf damit die Konsensschätzung von LSEG in Höhe von $19.14 Milliarden.

Der Nettogewinn belief sich auf $4.7 Milliarden, ein Anstieg von 60% gegenüber $2.93 Milliarden im Vorjahreszeitraum.

Die Ergebnisse lieferten Investoren neue Hinweise darauf, dass Oracles aggressive Investitionen in KI‑Infrastruktur beginnen, sich in stärkeres Cloud‑Wachstum und bessere Umsatzsichtbarkeit umzusetzen.

Insgesamt bewerteten Analysten die Ergebnisse als positiven Schritt für Oracle; stärkeres Wachstum und höhere Buchungen überwogen die Sorgen über die hohen Ausgaben.

Die zentralen Risiken bleiben die Margen, die Kapitalintensität und das Tempo, mit dem sich der Auftragsbestand von $664 Milliarden in Umsatz umwandelt.

Cloud‑Wachstum beschleunigt sich

Oracles Cloud‑Geschäft blieb der Haupttreiber des Quartals.

Der Cloud‑Umsatz stieg im Jahresvergleich um 62% auf $11.6 Milliarden, während der Umsatz mit Cloud‑Infrastruktur um 121% anstieg. Der Umsatz mit Cloud‑Anwendungen wuchs um 10%.

Das Unternehmen schloss im Quartal zudem weitere AI‑Cloud‑Verträge im Volumen von mehr als $30 Milliarden ab und hob damit seinen Umsatzauftragsbestand (gemessen an den remaining performance obligations, RPO) auf $664 Milliarden.

Damit lag der Wert über der Analystenschätzung von $639.89 Milliarden, so Visible Alpha.

Oracles RPO stieg gegenüber dem Vorquartal um $26 Milliarden; das Management erklärte, ein Großteil des Auftragsbestands werde voraussichtlich innerhalb der nächsten 36 Monate in Umsatz umgesetzt.

Das Unternehmen führte den Anstieg darauf zurück, dass die Nachfrage nach KI‑Cloud‑Training und Inferenzdiensten schneller wächst als seine Fähigkeit, Kapazitäten bereitzustellen.

Oracle erwartet für das zweite Quartal ein Umsatzwachstum zwischen 30% und 34%, wobei der Cloud‑Umsatz voraussichtlich um 64% bis 70% zulegen wird.

Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet das Unternehmen nun einen Umsatz von „mindestens $90 Milliarden“, verglichen mit der bisherigen Prognose von $90 Milliarden.

Zudem hob es die bereinigte Gewinnprognose je Aktie für das Geschäftsjahr 2027 von $8.05 auf $8.10 an.

Realisierung der Rechenzentren mindert Sorgen

Die Ergebnisse von Oracle folgen auf monatelange Anlegerprüfungen darüber, ob die enormen Investitionen in KI‑Infrastruktur ausreichende Renditen bringen würden.

Das Unternehmen hat hohe Ausgaben getätigt, um Rechenzentren und Cloud‑Kapazitäten auszubauen, und dabei Schulden aufgenommen und Kapital beschafft, um den Ausbau zu finanzieren.

Das hat den Cashflow belastet und Bedenken geweckt, ob die Fortsetzung des Ausbaus finanziert werden kann.

Die Aktie hat in diesem Jahr rund 22% verloren.

Für das August‑Quartal meldete Oracle Investitionen in Sachanlagen (CapEx) von $28.5 Milliarden, deutlich über den von Analysten erwarteten $19.23 Milliarden.

Das Unternehmen berichtete jedoch auch, dass im Quartal 850 Megawatt an KI‑Rechenkapazität online gegangen seien, das Dreifache der im gesamten vierten Quartal bereitgestellten Menge.

Analysten von J.P. Morgan unter der Leitung von Samik Chatterjee erklärten, die Ergebnisse würden mehrere Anlegerbedenken ausräumen, darunter die Nachhaltigkeit des Auftragsbestandswachstums, dessen Umwandlung in Umsatz trotz Verzögerungen bei Rechenzentren sowie die Möglichkeit weiterer Kapitalerhöhungen.

„Wir erzielten sowohl eine bessere Ausführung im Berichtszeitraum als auch höhere Buchungen für Folgeperioden als erwartet. Abgehakt und abgehakt,“ sagten die von Jackson Ader geleiteten Analysten bei KeyBanc Capital Markets.

Sie stellten fest, dass die Inbetriebnahme von 850 Megawatt Kapazität den Befürchtungen entgegenwirkte, Verzögerungen bei Rechenzentrumprojekten könnten die kurzfristige Umsatzrealisierung beeinträchtigen.

Analysten werden positiver

Mehrere Analysten reagierten positiv auf die Ergebnisse; Citi bekräftigte seine Kaufempfehlung und erklärte, Oracle habe die Startbahn für den bevorstehenden Investorentag geräumt.

„Oracle lieferte ein solides erstes Fiskalquartal, das beinahe alle Kriterien erfüllte und die Bull‑These vor dem Investorentag stärkt“, erklärten die Analysten.

Citi bezeichnete Oracles Ausblick für das Fiskaljahr 2027 als „moderat“ und das Rahmenwerk des Managements als „konservativ“ und argumentierte, das Ausmaß der Überperformance im ersten Quartal könnte Spielraum für Aufwärtsrevisionen lassen.

„Angesichts des Ausmaßes der Überperformance im ersten Fiskalquartal sehen wir eine günstige Ausgangslage für Aufwärtsrevisionen beim Investorentag und auf der AI World“, fügten die Analysten hinzu.

Barclays hob zudem sein Kursziel von $250 auf $252 an und bestätigte seine Overweight‑Einstufung.

Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 65% gegenüber dem Schlusskurs vom Donnerstag.

Die Bank sagte, Anleger könnten nach dem Ergebnisbericht bereit sein, Oracle neu zu bewerten, da das Wachstum an Fahrt gewinnt und die Finanzierungsunsicherheit nachlässt.

„Das Wachstum des Unternehmens hat sich gedreht und sollte sich von hier aus weiter beschleunigen“, schrieb Barclays in einer von TheFly zitierten Research‑Notiz.

Barclays hob zudem die Abwicklung der $20 Milliarden großen At‑the‑Market‑Aktienplatzierung hervor, die seiner Ansicht nach die Unsicherheit darüber verringere, wie das Unternehmen seinen Ausbau finanzieren wird.

Scotiabank bestätigte seine Outperform‑Einstufung, während Patrick Walravens von Citizens seine Market‑Outperform‑Einstufung und ein Kursziel von $285 bekräftigte.

Margendruck bleibt ein Risiko

Nicht alle Analysten waren durchweg optimistisch.

Analysten von Morgan Stanley unter der Leitung von Sanjit Singh wiesen auf Druck auf Oracles Bruttomarge und den relativ moderaten Anstieg der Gewinnprognose für das Fiskaljahr 2027 hin.

Die Analysten sagten, Anleger wollten eine weitere Stabilisierung der Bruttomargen und mehr Klarheit darüber sehen, wann neue Rechenzentren in Betrieb genommen werden.

Der Analystentag von Oracle, der für Ende Oktober erwartet wird, könnte diese Details liefern.

Brad Reback von Stifel senkte das Kursziel des Unternehmens von $220 auf $200 und behielt die Kaufempfehlung bei.

Reback bezeichnete das Quartal als „ein starkes Quartal“ und hob Oracles Entscheidung hervor, die Umsatzprognose für das Fiskaljahr 2027 auf mehr als $90 Milliarden anzuheben.

Laut Stifel impliziert dieser Ausblick ein Wachstum von rund 120% für Oracle Cloud Infrastructure (OCI).

Das Unternehmen erwartet jedoch mittelfristig niedrigere Bruttomargen, glaubt aber, dass die Auswirkungen letztlich durch schnelleres OCI‑Wachstum und höhere Effizienz bei den Betriebskosten ausgeglichen werden könnten.

Der Investorentag wird zum nächsten Test

Oracles jüngste Ergebnisse untermauern das Argument, dass die KI‑Ausgaben beginnen, greifbares Wachstum zu erzeugen, doch die Größenordnung des Kapitalbedarfs dürfte Anleger weiterhin auf Cashflow, Margen und Finanzierung konzentrieren lassen.

Der Auftragsbestand von $664 Milliarden verschafft erhebliche Sichtbarkeit, doch die Umwandlung dieser Pipeline in Umsatz hängt davon ab, dass Oracle weiterhin neue Rechenzentrums‑Kapazitäten in Betrieb nimmt.

Die Abwicklung der $20 Milliarden Aktienemission beseitigt zudem einen Teil der kurzfristigen Finanzierungsunsicherheit, obwohl die Investitionsausgaben weiterhin außergewöhnlich hoch sind.

Mit beschleunigendem Cloud‑Wachstum, ausweitenden KI‑Verträgen und schneller in Betrieb gehender Rechenzentrumskapazität hat Oracle den Anlegern ein stärkeres Argument für seine Ausgabenstrategie geliefert.

Die nächste Frage ist, ob das Management diesen Schwung aufrechterhalten kann, während es die Margen verbessert und genügend Cash generiert, um die KI‑Ambitionen zu stützen.

Für Anleger könnte der bevorstehende Investorentag daher ebenso wichtig sein wie der Quartalsbericht selbst, insbesondere wenn Oracle die Veranstaltung nutzt, um eine klarere Roadmap für den Ausbau der KI‑Infrastruktur, das Umsatzwachstum und den Kapitalbedarf zu präsentieren.

The post Oracle-Aktie: Analysten sehen Potenzial durch KI-Wachstum appeared first on Invezz