Die Nvidia-Aktie befindet sich seit 2023 in einem langfristigen Aufwärtstrend. In diesem Zeitraum hat sich ihr Kurs etwa verzehnfacht. Am Dienstag notiert die Aktie aktuell bei rund 220,80 US$. Doch der rasante Aufstieg ist offenbar auch mit sogenannten Schattenverbindlichkeiten verbunden. Damit stellt sich die Frage: Können diese künftig zu einer Gefahr werden?

Schattenverbindlichkeiten stark gestiegen

Der Begriff „Schattenverbindlichkeiten“ ist kein offizieller bilanzrechtlicher Begriff. Gemeint sind damit vor allem finanzielle Verpflichtungen und Eventualverbindlichkeiten, die nicht oder nicht vollständig als klassische Finanzschulden in der Bilanz ausgewiesen werden. Informationen darüber finden sich häufig in den Erläuterungen und Fußnoten der Geschäftsberichte.

Das Chip-Unternehmen übernimmt zunehmend auch eine Rolle bei der Finanzierung des weiteren KI-Ökosystems, insbesondere von Betreibern großer KI-Rechenzentren. Der Aufbau solcher Rechenzentren ist mit enormen Investitionen verbunden.

Um die Finanzierung zu erleichtern, geht Nvidia unter anderem Abnahmeverpflichtungen ein, übernimmt Restwertabsicherungen oder stellt Garantien zur Verfügung.

Im Gegenzug verpflichten sich die beteiligten Unternehmen häufig dazu, KI-Chips und andere Technologien von Nvidia einzusetzen.

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Abnahmeverpflichtungen (Purchase Commitments)

Hierbei verpflichtet sich ein Unternehmen gegenüber seinen Zulieferern, bestimmte Mengen an Produkten oder Produktionskapazitäten abzunehmen.

Die Zulieferer, beispielsweise TSMC, müssen erhebliche Kapazitäten für die Produktion aufbauen. Um das wirtschaftliche Risiko zu reduzieren, sind langfristige Abnahmevereinbarungen in der Halbleiterindustrie daher üblich.

Das Risiko für Nvidia besteht darin, dass das Unternehmen unter Umständen auch dann zur Abnahme verpflichtet sein könnte, wenn die Nachfrage nach KI-Chips künftig deutlich schwächer ausfällt als erwartet.

Bürgschaften und Mietgarantien (Lease Guarantees)

Ein weiterer Bereich betrifft Garantien für Geschäftspartner, die Rechenzentren errichten oder langfristige Mietverträge für entsprechende Infrastruktur abschließen.

Nvidia kann dabei als Garant oder durch andere vertragliche Vereinbarungen dazu beitragen, die Finanzierung großer KI-Projekte abzusichern.

Als besonders bedeutend wird in diesem Zusammenhang die geplante Infrastruktur für große KI-Rechenzentren betrachtet. Sollte ein Partner seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen können, könnten unter bestimmten vertraglichen Bedingungen finanzielle Belastungen für Nvidia entstehen.

Ein Beispiel hierfür ist die Mietgarantie für OpenAI in Höhe von 105 Milliarden US$. Hierbei geht es um das Mega KI-Rechenzentrum-Projekt in Piketon im US-Staat Ohio.

Restwertabsicherungen (Residual Value Support)

Bei Restwertabsicherungen verpflichtet sich Nvidia unter bestimmten Bedingungen gegenüber Banken oder Leasinggesellschaften, den Wert bestimmter Technologien oder Komponenten abzusichern.

Solche Vereinbarungen können insbesondere dann relevant werden, wenn kleinere KI-Cloud-Anbieter ihre Kredit- oder Leasingverpflichtungen nicht mehr erfüllen können.

Das Risiko besteht darin, dass einzelne Anbieter wirtschaftlich unter Druck geraten oder im schlimmsten Fall insolvent werden.

Bewertung

Die Absicherung von Kundenfinanzierungen und langfristige Abnahmeverpflichtungen sind grundsätzlich keine ungewöhnlichen Instrumente in der Geschäftswelt.

Auch Nvidia handelt mit solchen Vereinbarungen nicht automatisch außerhalb der üblichen Geschäftspraxis.

Auffällig ist jedoch die Größenordnung und insbesondere das schnelle Wachstum der langfristigen Eventualverpflichtungen. Je nach Definition und Berechnung werden in diesem Zusammenhang mittlerweile Summen von mehreren hundert Milliarden US-Dollar genannt.

Unabhängig von der exakten Höhe ist die weitere Ausweitung entscheidend.

Die größte Gefahr besteht darin, dass die hohen Erwartungen an den KI-Markt nicht erfüllt werden. KI-Cloud-Anbieter könnten dann unter finanziellen Druck geraten. Gleichzeitig könnte die Nachfrage nach Nvidia-Chips sinken, während bestimmte langfristige Verpflichtungen bestehen bleiben.

Im Extremfall könnten daraus kaskadierende Verluste (Kettenreaktion bei Kreditausfällen) entstehen.

Nvidia wäre aufgrund seiner hohen Profitabilität, seiner starken Marktstellung und der enormen Cashflows dadurch nicht zwangsläufig in seiner Existenz gefährdet. Der Gewinn und der freie Cashflow könnten jedoch erheblich belastet werden.

Die sogenannten Schattenverbindlichkeiten stellen für Nvidia derzeit aus meiner Sicht noch keine akute Gefahr dar. Der Konzern befindet sich weiterhin in einer dynamischen Wachstumsphase und erwirtschaftet hohe Gewinne sowie starke Cashflows.

Die Risiken aus langfristigen Verpflichtungen und möglichen Eventualverbindlichkeiten sollten jedoch nicht unterschätzt werden. Entscheidend wird sein, dass diese Verpflichtungen in einem angemessenen Verhältnis zum operativen Geschäft, zum Cashflow und zur tatsächlichen Nachfrage nach KI-Infrastruktur stehen.

Anleger sollten daher künftig nicht nur auf Umsatzwachstum, Gewinn und klassische Finanzschulden achten, sondern auch die Entwicklung von Abnahmeverpflichtungen, Garantien, Leasingvereinbarungen und anderen möglichen Eventualverbindlichkeiten im Blick behalten.

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ℹ Nvidia Corporation in Kürze

  • Die Nvidia Corporation (WKN: A1K023) ist einer der weltweit größten Entwickler von Grafikprozessoren und Chipsätzen.
  • Die Chips und Prozessoren des Konzerns kommen in Personal Computern, Spielekonsolen, Rechenzentren und autonom fahrenden Autos zum Einsatz.
  • Das in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien beheimatete Unternehmen ist Marktführer im Bereich Hochleistungschips für Anwendungen auf Basis künstlicher Intelligenz.
  • Nvidia ist Mitglied in den US-Indizes Nasdaq 100, S&P 500 und Dow Jones und ist aktuell mit etwa 5,3 Billionen US$ das wertvollste Unternehmen der Welt.

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