Die Nvidia-Aktie ist mit deutlichen Verlusten in die neue Woche gestartet. Am Montag büßte der Anteilsschein fast -5% ein und war damit schwächster Wert im Dow Jones. Hierdurch hat der Chipgigant seinen Status als wertvollstes Börsenunternehmen an Apple verloren. Auch am Dienstag tendiert der Kurs tiefer. Das steckt hinter dem Abverkauf und so kann es jetzt weitergehen.
Milliarden-Deals sorgen für Verunsicherung
Auslöser des Kursrückgangs waren weniger operative Probleme als vielmehr neue Schlagzeilen rund um milliardenschwere KI-Investitionen. Medienberichten zufolge verhandelt Nvidia über eine Garantie von bis zu 250 Milliarden US$ für ein gigantisches OpenAI-Rechenzentrumsprojekt in Ohio. Parallel wurden weitere Großprojekte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 750 Milliarden US$ bekannt, darunter eine langfristige KI-Allianz mit der südkoreanischen SK Group sowie eine milliardenschwere Beteiligung an Naver.
An der Börse schürte dies Sorgen über sogenannte „Circular Deals“. Kritiker befürchten, dass Chiphersteller ihre wichtigsten Kunden zunehmend selbst finanzieren und damit Risiken auf die eigene Bilanz nehmen. Entsprechend verloren neben Nvidia auch zahlreiche andere KI- und Halbleiterwerte deutlich an Wert.
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Die Risiken sind real – aber beherrschbar
Tatsächlich wirft die Diskussion berechtigte Fragen auf. Sollten sich die Finanzierungszusagen in dieser Größenordnung bestätigen, würde Nvidia seine Rolle vom reinen Technologieanbieter teilweise in Richtung Finanzierungspartner ausweiten. Das erhöht kurzfristig die Komplexität des Geschäftsmodells und könnte die Bilanz stärker belasten.
Hinzu kommen weitere Unsicherheiten. Der Markt hinterfragt inzwischen generell die enormen Investitionsausgaben der großen Hyperscaler. Gleichzeitig sorgen geopolitische Risiken und Exportbeschränkungen für China sowie Berichte über regulatorische Prüfungen in Taiwan für zusätzlichen Gegenwind.
Dennoch spricht vieles dafür, den aktuellen Rücksetzer nicht überzubewerten. Die Nachfrage nach KI-Rechenleistung wächst weiterhin rasant und die Kapazitäten bleiben knapp. Die jüngsten Großprojekte sind deshalb auch als Beleg dafür zu werten, dass die Industrie ihre Investitionen keineswegs zurückfährt, sondern vielmehr langfristig absichert.
Analysten bleiben klar auf der Käuferseite
Entsprechend optimistisch präsentieren sich die meisten Analysten. Über 85% der Experten empfehlen die Aktie weiterhin zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 314 US$ und impliziert ein Kurspotenzial von über +60%.
Auch Morningstar hält an seinem fairen Wert von 280 US$ fest und sieht die jüngsten Finanzierungsmodelle nicht als Warnsignal, sondern als Bestandteil von Nvidias Strategie, das gesamte KI-Ökosystem auszubauen. Die Bank of America bestätigte ebenfalls ihre Kaufempfehlung und verweist darauf, dass der weltweite Ausbau der KI-Infrastruktur noch über viele Jahre anhalten dürfte. Das Kursziel beträgt 350 US$.
Hinzu kommt ein weiterer Pluspunkt: Nach der Korrektur ist die Bewertung deutlich zurückgekommen. Auf Basis der erwarteten Gewinne für das Geschäftsjahr 2026/27 wird Nvidia inzwischen nur noch mit einem KGV von rund 16 bewertet – für einen Marktführer mit außergewöhnlichen Margen und unverändert hohen Wachstumsraten ein historisch moderates Niveau.
Jetzt richten sich alle Blicke auf diese Termine
Kurzfristig dürften vor allem die Quartalsberichte von Microsoft, Meta und Amazon den Takt vorgeben. Anleger werden genau verfolgen, ob die drei Tech-Giganten ihre milliardenschweren Investitionen in KI-Rechenzentren weiter ausbauen. Sie zählen zu den wichtigsten Kunden Nvidias und gelten damit als Gradmesser für die Nachfrage nach Hochleistungs-Chips.
Daneben steht auch die Sitzung der US-Notenbank im Fokus. Änderungen bei den Zinserwartungen könnten insbesondere wachstumsstarke Technologiewerte kurzfristig bewegen. Der wichtigste Termin bleibt jedoch der 26. August. Dann veröffentlicht Nvidia seine Quartalszahlen. Die Erwartungen sind hoch: Analysten rechnen mit einem Umsatz von rund 92 Milliarden US$ und einem Gewinn je Aktie von gut 2,07 US$.
Charttechnik: Langfristiger Aufwärtstrend bleibt intakt
Charttechnisch befindet sich die Aktie weiterhin in einer Konsolidierungsphase. Nach der rund sechswöchigen Korrektur gelang zwar in der ersten Julihälfte eine Erholung, doch im Bereich der 50-Tage-Linie fehlten die Anschlusskäufe. Der scharfe Rücksetzer vom Montag drückte den Kurs nun wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 200 US$.
Damit rückt die 200-Tage-Linie bei aktuell 192,96 US$ als zentrale Unterstützung in den Fokus. Solange diese verteidigt wird, bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend uneingeschränkt intakt.
Die jüngsten Schlagzeilen haben gezeigt, wie sensibel der Markt inzwischen auf jede Nachricht rund um KI-Investitionen reagiert. Kurzfristig dürfte diese hohe Volatilität anhalten. Fundamental hat sich an der Investmentstory jedoch wenig geändert. Nvidia bleibt der unangefochtene Marktführer bei KI-Beschleunigern, profitiert von einem weiterhin explosionsartig wachsenden Infrastrukturmarkt und verfügt über ein einzigartiges Hardware-Software-Ökosystem.
Mit einer inzwischen deutlich günstigeren Bewertung, einem Forward-KGV von lediglich rund 16 und unverändert bullischen Analysteneinschätzungen spricht vieles dafür, dass die laufende Konsolidierung eher eine gesunde Verschnaufpause innerhalb eines intakten langfristigen Aufwärtstrends als den Beginn einer nachhaltigen Trendwende darstellt.
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Nvidia Corporation in Kürze
- Die Nvidia Corporation (WKN: A1K023) ist einer der weltweit größten Entwickler von Grafikprozessoren und Chipsätzen.
- Die Chips und Prozessoren des Konzerns kommen in Personal Computern, Spielekonsolen, Rechenzentren und autonom fahrenden Autos zum Einsatz.
- Das in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien beheimatete Unternehmen ist Marktführer im Bereich Hochleistungschips für Anwendungen auf Basis künstlicher Intelligenz.
- Nvidia ist Mitglied in den US-Indizes Nasdaq 100, S&P 500 und Dow Jones und ist aktuell mit rund 5,01 Billionen US$ das zweitwertvollste Unternehmen der Welt.
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