Der jüngste Aufwärtstrend der Novo Nordisk-Aktie ging Mitte Mai zu Ende. Der Kurs des dänischen Pharmakonzerns schaffte es nicht mehr über die Hürde von 300 DKK. Und nun droht nach Einschätzung eines Analysehauses ein sattes Downside. Was ist da los und wie sollten Anlegern darauf reagieren?

Ein sehr pessimistisches Analysehaus

Das US-Analysehaus Bernstein Research erhöhte in seiner jüngsten Studie zwar das Kursziel der Novo Nordisk-Aktie von 175 auf 200 DKK, sieht damit allerdings ein Abwärtspotenzial von knapp über -30% für den Pharmatitel. Dazu passend raten die Analysten zum Verkauf der Aktie.

Das Hauptproblem, das Bernstein für Novo Nordisk ausmacht, ist der starke Wettbewerb auf dem Markt für Adipositas-Therapien, besonders mit dem Erzrivalen Eli Lilly. Die Bernstein-Analysten sehen den US-Pharmakonzern stärker positioniert als die Dänen.

Ihrer Meinung nach gewinnt Eli Lillys Abnehmpille Foundayo an Zugkraft und wird bereits zum Jahresende das Novo-Produkt Wegovy bei den Verschreibungszahlen überholen. Zudem sieht Bernstein anhaltenden Preisdruck aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs bei Diätpräparaten. Demzufolge liegen die Gewinnschätzungen des Analysehauses für Novo Nordisk bis zu 25% unter den Konsensschätzungen anderer Analysten.

Auch in Bezug auf die F&E-Pipeline von Novo Nordisk gibt sich Bernstein skeptisch. Die Analysten sehen den bevorstehenden Patentablauf von Semaglutid in den Jahren bis 2032 skeptisch und glauben nicht an den Erfolg neuer Wirkstoffkandidaten wie Amycretin und CagriSema. Bernstein Research zufolge sind sie nicht ausreichend konkurrenzfähig.

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Es gibt auch gute Nachrichten

Es gibt aber auch gute Nachrichten zu Novo Nordisk, die an dieser Stelle nicht verschwiegen werden dürfen. Ende vergangener Woche wurde die Wegovy-Pille in der EU zugelassen. Damit sichert sich der dänische Pharmakonzern abermals einen First Mover-Vorteil auf dem nach den USA zweitwichtigsten Pharmamarkt der Welt.

Die Markteinführung der Wegovy-Pille in ausgewählten europäischen Märkten ist in der zweiten Jahreshälfte geplant. Das Konkurrenzprodukt Foundayo von Eli Lilly dürfte erst im Laufe des kommenden Jahres auf den europäischen Markt kommen.

Gleichzeitig gab die Europäische Arzneimittelagentur am Freitag grünes Licht für eine weitere Produkterweiterung, und zwar die Zulassung von Wegovy 7,2 mg in einem Einzeldosis-Pen. In klinischen Studien führte diese extrem hochdosierte Variante zu einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von hervorragenden 20,7%. Auch dieses Zulassung hilft Novo Nordisk, sich gegen Eli Lillys starkes Konkurrenzprodukt Zepbound zu wehren.

Und nicht zuletzt hat Novo Nordisk für die kommenden Tage die Veröffentlichung neuer, groß angelegter klinischer Daten angekündigt, die zeigen, dass der Wirkstoff Semaglutid auch erfolgreich bei der Behandlung von MASH (Metabolischer Steatohepatitis) eingesetzt werden kann. Dabei handelt es sich um eine chronische Lebererkrankung, die weltweit fast jeden Dritten mit starkem Übergewicht betrifft.

Positives Momentum

Die Novo Nordisk-Aktie scheiterte zuletzt an der Kursmarke von 300 DKK. Trotzdem kam es nicht zu einer Trendwende. Der Pharmatitel befindet sich weiterhin in Lauerstellung. Meiner Meinung nach zeigt diese Reaktion, dass die Aktie derzeit von einem positiven Momentum getragen wird.

Der Löwenanteil bleibt bei Novo Nordisk

Ich bin nicht so pessimistisch eingestellt wie die Experten von Bernstein Research. Deren Downside bis 200 DKK kann ich weder fundamental noch charttechnisch nachvollziehen.

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Die Novo Nordisk-Aktie hat in den letzten Monaten bei 230 DKK ein soliden Boden gefunden. Ich glaube nicht, dass der Kurs noch einmal dieses Mehrjahrestief durchbrechen wird.

Auch in fundamentaler Hinsicht produziert Novo Nordisk seit geraumer Zeit wieder gute Nachrichten. Der Marktstart von Wegovy verlief in den USA sehr erfolgreich. Auch in Europa hat die Diätpille nun einen Vorsprung von mehreren Monaten gegenüber dem Konkurrenzprodukt von Eli Lilly.

Bernstein Research erwartet, dass alleine der US-Markt für Adipositas-Mittel bis 2036 auf ein Volumen von knapp 100 Milliarden US$ wachsen wird. Davon werden orale Therapien rund 40% ausmachen.

Derzeit teilen sich Eli Lilly und Novo Nordisk diesen Markt. In den kommenden Jahren werden zweifellos weitere Pharmaunternehmen ein Stück von diesem gewaltig großen Kuchen abbekommen, aber den Löwenanteil sehe ich nach wie vor bei den beiden First Movern.

Meiner Meinung nach ist inzwischen sehr viel Skepsis in den Kurs der Novo Nordisk-Aktie eingepreist. Anlegern tun gut daran, den Pharmatitel in einem Kursbereich zwischen 230 und 260 DKK zu kaufen. Mittel- bis langfristig wird sich das auszahlen.

ℹ Novo Nordisk in Kürze

  • Novo Nordisk mit Sitz in Bagsværd bei Kopenhagen produziert und vermarktet pharmazeutische Produkte und Dienstleistungen.
  • Der Konzern ist der weltweit führende Hersteller von Insulin. Fast jedes dritte Diabetes-Präparat weltweit stammt vom dänischen Pharmakonzern. Außerdem ist Novo Nordisk in den Bereichen Blutgerinnungsmedikamente und Hormonersatztherapien aktiv.
  • Darüber hinaus ist Novo Nordisk eines der weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung von Adipositas-Medikamenten (Mittel zur Gewichtsabnahme).
  • Das Unternehmen wird aktuell mit rund 131 Milliarden € bewertet.

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