
Indische Aktien stecken diese Woche in einer Korrektur fest, da die Sorgen um die Wirtschaft anhalten. Der Blue‑Chip‑Index Nifty 50 fiel am Dienstag auf ₹23.650, damit rund 10 % unter seinem höchsten Stand in diesem Jahr. Dieser Rückgang fiel zeitgleich mit dem Einbruch der indischen Rupie und steigenden Anleiherenditen zusammen.
Indische Aktien ziehen sich zurück vor Hintergrund von US‑Iran‑Kriegsängsten
Der Nifty 50 blieb unter Druck, da Anleger sich vor dem Hintergrund des andauernden US‑Iran‑Konflikts Sorgen um die Wirtschaft des Landes machen.
Indien ist stark exponiert durch seine Überabhängigkeit von Öl und Gas aus dem Golf, wenige Monate nachdem das Land unter US‑Druck seine russischen Ölkäufe reduziert hatte.
Der Krieg hat die Inflation im Land nach oben getrieben. Der jüngste Bericht zeigt, dass der Headline‑CPI im April auf 3,48 % gestiegen ist gegenüber zuvor 3,4 %. Es war die höchste Inflationsrate seit über einem Jahr, und Analysten erwarten in naher Zukunft eine Verschärfung der Lage.
Die steigende Inflation wirkt sich deutlich auf Privathaushalte und Unternehmen aus, die nun mehr bezahlen müssen. Sie erhöht außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass die Reserve Bank of India (RBI) in den kommenden Monaten die Zinsen anhebt.
Indische Aktien gaben diese Woche nach amid Befürchtungen, dass sich der Konflikt ausweiten könnte, was die Rohölpreise nach oben trieb. Aktuelle Daten zeigen, dass Brent- und WTI‑Notierungen dieses Jahr auf erhöhtem Niveau geblieben sind.
Steigende indische Anleiherenditen und fallende Rupie
Der Nifty 50 hat seine globalen Pendants auch deshalb unterperformt, weil die Refinanzierungskosten kräftig gestiegen sind. Daten zeigen, dass die zehnjährige Rendite auf 7,13 % sprang, den höchsten Stand seit Mai 2024. Sie befindet sich in einem starken Aufwärtstrend vom Jahrestief bei 6,128 %.
Ähnlich sind die fünfjährigen Renditen auf 6,934 % gestiegen, den höchsten Stand seit dem 2. März dieses Jahres. Steigende Staatspapier‑Renditen verteuern die Kreditaufnahme für Unternehmen und belasten damit die Margen.
Unterdessen hat sich die indische Rupie zu einer der schwächsten Währungen weltweit entwickelt. Das Paar USD/INR stieg auf 96,35, ein Rekordhoch, deutlich über dem Jahrestief bei 84. Auch GBP/INR und EUR/INR kletterten auf jeweils 129,27 bzw. 112,19.
Eine schwächere indische Rupie macht Aktien für ausländische Investoren weniger attraktiv, da sie beim Umtausch ihrer Bestände in Dollar häufig Verluste erleiden.
Technische Analyse des Nifty 50 Index

Chart des Nifty 50 Index | Quelle: TradingView
Das Tageschart zeigt, dass der Nifty 50 im April bei ₹22.165 sein Tief ausbildete, da sich die Auswirkungen des Kriegs fortsetzen. Am 21. April kletterte er bis auf ₹24.592. Er bildete eine Doppeltop‑Formation, ein gängiges bärisches Umkehrsignal in der technischen Analyse.
Der Index versucht, die am 8. April dieses Jahres entstandene Kurslücke zu schließen. Er liegt außerdem weiterhin unter den 50‑Tage‑ und 100‑Tage‑gleitenden Durchschnitten.
Daraus ergibt sich das wahrscheinlichste Szenario: Der Index fällt weiter, möglicherweise bis zur wichtigen Unterstützungszone bei ₹23.000. Auf der anderen Seite würde ein Anstieg über den 100‑Tage‑Gleitenden Durchschnitt bei etwa ₹24.430 die bärische Perspektive ungültig machen.
The post Nifty 50 gefährdet: steigende indische Anleiherenditen und Rupie-Crash appeared first on Invezz