Die Aktie von Newmont steht trotz hoher Goldpreise und einer soliden Bilanz weiterhin unter Druck. Nach Ansicht vieler Marktbeobachter spiegelt die aktuelle Bewertung weder den Wert der bestehenden Minen noch das Potenzial künftiger Großprojekte vollständig wider.

Red Chris rückt als möglicher Kurstreiber in den Vordergrund

Newmont ist der weltweit größte Goldproduzent und wird derzeit nach Ansicht zahlreicher Analysten unter dem inneren Wert gehandelt. Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor bleibt der Rechtsstreit mit Barrick Mining um das Gemeinschaftsunternehmen Nevada Gold Mines. Newmont wirft dem Partner vor, Vermögenswerte und Ressourcen zum eigenen Vorteil genutzt zu haben. Der Ausgang des Verfahrens ist bislang offen und sorgt für Zurückhaltung am Markt.

Hinzu kommt, dass die Goldproduktion 2026 geringer ausfallen soll als im Vorjahr. Das Unternehmen erwartet rund 5,3 Millionen Unzen Gold nach 5,9 Millionen Unzen im Jahr 2025. Gleichzeitig liegt der aktuelle Goldpreis von rund 4.000 US-Dollar je Unze unter dem Niveau, das das Management nach Einschätzung vieler Beobachter bei seiner Jahresplanung angenommen haben dürfte.

Deutlich größere Bedeutung könnte jedoch eine Entscheidung vom 19. Juni 2026 haben. Die Regierung der kanadischen Provinz British Columbia genehmigte zwei zentrale Umwelt- und Bergbaugenehmigungen für das Red Chris Block Cave-Projekt und beseitigte damit die letzten wesentlichen regulatorischen Hürden vor einer endgültigen Investitionsentscheidung.

Eine belastbare Bewertung des Projekts ist bislang kaum möglich, da die endgültige Machbarkeitsstudie mit detaillierten Angaben zu Investitionskosten und Produktionsplan erst gemeinsam mit der Investitionsentscheidung in der zweiten Jahreshälfte 2026 erwartet wird. Ohne diese Daten können Analysten das Projekt bislang nicht vollständig in ihre Modelle aufnehmen.

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Ein riesiges Kupfer- und Goldprojekt gewinnt an Bedeutung

Red Chris liegt rund 80 Kilometer von Dease Lake im sogenannten Golden Triangle in British Columbia entfernt, einer der rohstoffreichsten Regionen Kanadas. Newmont hält 70 Prozent an dem Projekt, die übrigen 30 Prozent gehören Imperial Metals.

Derzeit stammt die Förderung aus einem Tagebau, der jährlich etwa 35.000 Unzen Gold sowie 20.000 Tonnen Kupfer produziert. Die Förderkosten liegen allerdings auf einem Niveau, das bei den aktuellen Goldpreisen kaum attraktive Margen ermöglicht.

Das eigentliche Wachstumspotenzial liegt im geplanten Untertagebau nach dem Block-Cave-Verfahren. Diese Methode erschließt große Erzvorkommen in erheblicher Tiefe. Zwar sind die Anfangsinvestitionen hoch, die laufenden Förderkosten fallen jedoch vergleichsweise niedrig aus.

Auf den Anteil von Newmont entfallen rund acht Millionen Unzen Gold sowie etwa 3,1 Millionen Tonnen Kupfer. Nach dem Produktionsstart soll das Projekt jährlich zwischen 85.000 und 90.000 Tonnen Kupfer liefern. Beim derzeitigen Kupferpreis entspräche dies einem jährlichen Umsatz von rund 1,1 Milliarden US-Dollar allein aus der Kupferförderung.

Zusammen mit der bereits produzierenden Cadia-Mine in Australien könnte Newmont damit sein Ziel von rund 150.000 Tonnen Kupferproduktion pro Jahr erreichen. Kupfer würde dadurch deutlich stärker zum Unternehmensergebnis beitragen und Newmont zunehmend von einem reinen Goldförderer zu einem bedeutenden Produzenten beider Metalle entwickeln. Die steigende Nachfrage nach Kupfer durch Elektromobilität, Rechenzentren und den Ausbau der Stromnetze unterstreicht die strategische Bedeutung dieses Geschäfts.

Mit den jüngsten Genehmigungen sind die regulatorischen Voraussetzungen für die endgültige Investitionsentscheidung weitgehend erfüllt. Sobald diese getroffen wird, dürften Analysten das Projekt erstmals vollständig in ihre Bewertungsmodelle aufnehmen. Ein Produktionsbeginn ab 2028 gilt als realistisch.

Bewertung lässt Spielraum nach oben

Bei einem Aktienkurs von 93,10 US-Dollar und einem Goldpreis von 4.000 US-Dollar bewertet der Markt Newmont derzeit mit rund 80 Prozent des geschätzten Nettovermögenswerts der bestehenden Minen. Ein Bewertungsmodell kommt auf einen fairen Wert von etwa 117 US-Dollar je Aktie.

Bemerkenswert ist dabei, dass das Red Chris Block Cave-Projekt in dieser Schätzung noch keinerlei Beitrag leistet. Würde der Goldpreis auf 4.500 US-Dollar steigen, könnte der geschätzte Nettovermögenswert auf rund 132 US-Dollar je Aktie zulegen.

Für 2026 erwarten Analysten einen freien Cashflow von rund 10,3 Milliarden US-Dollar. Bei einem Goldpreis von 4.000 US-Dollar ergibt ein konservativeres Modell rund 8,4 Milliarden US-Dollar, was einer attraktiven Free-Cashflow-Rendite von etwa acht Prozent entspricht.

Auch im Branchenvergleich erscheint die Bewertung günstig. Das Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA liegt mit rund 5,15 deutlich unter dem Branchendurchschnitt von 8,16. Ebenso notiert das Verhältnis von Kurs zu Cashflow unter dem Median vergleichbarer Goldproduzenten.

Zusätzlich unterstützt Newmont den Aktienkurs durch umfangreiche Kapitalrückführungen. Seit Februar 2024 wurden Aktien im Wert von sechs Milliarden US-Dollar zurückgekauft. Im April 2026 genehmigte der Konzern ein weiteres Rückkaufprogramm über sechs Milliarden US-Dollar. Ergänzt wird dies durch eine jährliche Dividende von rund 1,1 Milliarden US-Dollar.

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Mehrere Entwicklungen könnten die Bewertung verändern

Der Rechtsstreit um Nevada Gold Mines belastet die Wahrnehmung der Aktie weiterhin. Gleichzeitig verfügt Newmont über eine sehr solide Bilanz mit rund 8,8 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln sowie einer Gesamtliquidität von etwa 12,8 Milliarden US-Dollar. Das Management sieht sich deshalb gut gerüstet, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens.

Der Rückgang der Goldproduktion im laufenden Jahr steht nach Unternehmensangaben nicht im Zusammenhang mit dem Streit mit Barrick Mining. Vielmehr handelt es sich um einen geplanten Effekt der Minenplanung innerhalb des gesamten Portfolios.

Ab 2027 sollen mehrere Großprojekte wieder für steigende Fördermengen sorgen. Dazu zählen unter anderem Cadia Panel Cave 2 bis 3 sowie Tanami Expansion 2. Das Management rechnet damit, die jährliche Goldproduktion wieder auf rund sechs Millionen Unzen steigern zu können.

Zusätzliche Aufmerksamkeit dürfte die endgültige Investitionsentscheidung für Red Chris erhalten. Mit ihrer Veröffentlichung werden erstmals detaillierte Wirtschaftlichkeitsdaten vorliegen, die anschließend in die Bewertungsmodelle der Analysten einfließen dürften.

Auch personell hat Newmont jüngst wichtige Weichen gestellt. Mitte Juni wurden die Positionen des Finanzvorstands, des operativen Vorstands und des Technologievorstands dauerhaft besetzt. Die Entscheidung über Red Chris wird damit zur ersten großen Investitionsmaßnahme des neu formierten Führungsteams.

Diese Risiken sollten Anleger im Blick behalten

Der Rechtsstreit mit Barrick Mining bleibt das größte Einzelrisiko. Je nach Ausgang sind sowohl eine einvernehmliche Lösung als auch länger anhaltende operative Einschränkungen denkbar. Zeitpunkt und mögliche finanzielle Auswirkungen lassen sich derzeit nicht verlässlich abschätzen.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sind die Investitionskosten für den Bau des Block-Cave-Projekts. Erst mit der endgültigen Machbarkeitsstudie werden belastbare Zahlen vorliegen. Frühere Schätzungen bewegten sich bereits im Milliardenbereich. Das Management hat jedoch angekündigt, bei den Kosten besonders strenge Maßstäbe anzulegen.

Beobachtet werden sollte außerdem die jüngste Insideraktivität. In den vergangenen 90 Tagen überwogen geplante Aktienverkäufe von Unternehmensinsidern, während keine Käufe am freien Markt gemeldet wurden. Auch wenn es sich überwiegend um vorab festgelegte Transaktionen handelt, bleibt dieser Aspekt für Investoren relevant.

Es bleibt festzuhalten, dass Newmont nach Einschätzung vieler Investoren derzeit mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gehandelt wird. Ob sich dieses Potenzial entfaltet, dürfte maßgeblich von der Investitionsentscheidung für Red Chris, der Entwicklung des Goldpreises und dem Ausgang des Rechtsstreits mit Barrick Mining abhängen.

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ℹ Newmont in Kürze

  • Die Newmont Mining Corporation (WKN: 853823) ist ein US-amerikanischer Bergbaukonzern.
  • Das Unternehmen gilt als einer der größten Goldproduzenten mit Minen in vielen Teilen der Welt.
  • Dazu ist Newmont Produzent von Kupfer, Silber, Zink und Blei.
  • Die in Denver im US-Bundesstaat Colorado ansässige Company notiert im US-Index S&P 500 und hat einen aktuellen Börsenwert von rund 101 Milliarden US$.

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