Vom Höhenflug der Nemetschek-Aktie bis auf rund 138 € im August vergangenen Jahres ist derzeit nicht mehr viel übrig. Seitdem befindet sich das Papier in einem anhaltenden Abwärtstrend. Am Dienstag notiert die Aktie aktuell bei 67,50 € und damit rund -50% unter ihrem damaligen Höchststand. Das Kursniveau entspricht inzwischen wieder dem von Ende 2023. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Hat die Aktie inzwischen genug korrigiert und bietet wieder attraktive Einstiegschancen?
Softwareaktien unter Druck
Seit Jahresbeginn standen viele Softwarewerte unter Verkaufsdruck. Betroffen waren sowohl große Anbieter wie SAP als auch kleinere Spezialisten wie Nemetschek.
Ein wesentlicher Grund dafür waren Sorgen, dass künstliche Intelligenz künftig klassische Softwarelösungen ersetzen könnte. Diese Befürchtungen führten zu teils erheblichen Kursverlusten innerhalb des Sektors.
Bei genauer Betrachtung erscheint diese Schlussfolgerung jedoch zu pauschal. Während KI bestimmte Standardanwendungen vereinfachen oder automatisieren kann, bleiben komplexe Branchenlösungen weiterhin unverzichtbar. Gerade in anspruchsvollen Bereichen wie Architektur, Bauplanung oder Infrastrukturprojekten sind spezialisierte Softwareplattformen kaum ersetzbar.
Vielmehr dürfte sich ein anderer Trend durchsetzen: KI wird zunehmend als zusätzliche Funktion in bestehende Softwarelösungen integriert und steigert deren Nutzen für die Anwender.
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Starker Jahresauftakt
Operativ verlief das erste Quartal ausgesprochen erfolgreich. Das starke Wachstum des Vorjahres setzte sich sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis fort.
Der Konzernumsatz stieg währungsbereinigt um 17% auf 313,1 Millionen €. Besonders dynamisch entwickelte sich das abonnementbasierte SaaS-Geschäft, dessen Umsatz währungsbereinigt um 35,4% auf 248 Millionen € zulegte. Dabei zeigte das Segment Build eine stärkere Entwicklung als das Segment Design.
Noch beeindruckender fiel die Gewinnentwicklung aus. Dank Skaleneffekten und operativer Verbesserungen erhöhte sich das operative EBITDA währungsbereinigt um 29,6% auf 98,4 Millionen €. Die EBITDA-Marge erreichte damit starke 31,4%. Unter dem Strich stieg der Periodengewinn um 34,5% auf 60,4 Millionen €.
Insgesamt präsentierte Nemetschek damit ein hervorragendes Quartalsergebnis.
CEO Yves Padrines kommentierte die Entwicklung wie folgt:
Das Zusammenspiel aus starkem operativem Geschäft, gezielten strategischen Akquisitionen und Innovationsführerschaft durch KI schafft ein Wachstums- und Profitabilitätspotenzial, das einzigartig in unseren Industrien ist und uns auf ein neues Niveau von Wachstum und Profitabilität hebt.
Prognose bestätigt
Nach dem starken Jahresauftakt bestätigte das Management seine Prognose für das Gesamtjahr.
Demnach erwartet Nemetschek weiterhin ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 14 bis 15%. Die EBITDA-Marge soll zwischen 32 und 33% liegen.
Zusätzliche Wachstumsimpulse könnten künftig von der Übernahme der HCSS ausgehen. Der US-Softwareanbieter ist auf Lösungen für Bau- und Infrastrukturunternehmen spezialisiert und stärkt die Marktposition von Nemetschek insbesondere in Nordamerika.
Der Kaufpreis belief sich auf rund 2,4 Milliarden US-Dollar. Die vollständige Integration soll im zweiten Halbjahr abgeschlossen werden.
Analysten sehen deutliches Potenzial
Die Mehrheit der Analysten hält die Aktie aktuell für unterbewertet. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 91,50 €. Besonders optimistisch zeigen sich die Berenberg Bank mit einem Kursziel von 115 € sowie JPMorgan Chase mit 110 €.
Deutlich vorsichtiger bewertet die UBS die Aktie. Mit einem Kursziel von 56 € sieht sie zwar weiterhin Wachstumspotenzial, äußert jedoch Vorbehalte hinsichtlich der Profitabilitätsentwicklung.
Fundamental lässt sich der starke Kursrückgang nur schwer begründen. Die operative Entwicklung bleibt überzeugend, das Umsatzwachstum ist hoch und die Profitabilität liegt weiterhin auf einem attraktiven Niveau. Ein Teil der Kurskorrektur dürfte auf überzogene Erwartungen an die Prognose zurückzuführen sein. Hinzu kamen die allgemeinen KI-Sorgen im Softwaresektor sowie Gewinnmitnahmen nach dem zuvor starken Kursanstieg.
Aus heutiger Sicht erscheint die Bewertung deutlich attraktiver als noch vor einem Jahr. Das Unternehmen wächst weiterhin zweistellig, baut sein SaaS-Geschäft erfolgreich aus und verfügt über starke Margen.
Daher halte ich das aktuelle Kursniveau für interessant. Einen fairen Wert sehe ich im Bereich von 85 €. Sollte Nemetschek seinen Wachstumskurs fortsetzen und die Integration von HCSS erfolgreich umsetzen, besteht mittelfristig weiteres Aufwärtspotenzial.
Hier sei angemerkt: KI ist kein kurzfristiger Trend, sondern ein struktureller Umbruch – mit klaren Gewinnern und Verlierern.
Welche SaaS-Aktien dabei eher zur zweiten Kategorie gehören, haben wir im Report Nemetschek-Aktie: Genug gelitten – jetzt wieder einsteigen? aufgezeigt.
Nemetschek in Kürze
- Bei der Nemetschek SE (WKN: 645290 handelt) es sich um einen Anbieter von Software für Architekten und Ingenieure aus der Bauindustrie. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt also Softwarelösungen für die Planung, das Design, das Bauen sowie die Nutzung von Bauwerken und Immobilien.
- Das Unternehmen verfügt eigenen Angaben zufolge über mehr als sechs Millionen Kunden in mehr als 140 Ländern, der Hauptsitz ist in München.
- Das im MDAX notierte Unternehmen wird mit 7,8 Milliarden € bewertet.
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