Lieber Aktiensegler,
eine interessante Statistik kreuzte zuletzt meinen Weg: Demnach ist der Montag historisch gesehen der schwächste Handelstag, der Freitag hingegen gehört zu den stärksten Börsentagen. Hier neigen die Aktienkurse gemäß der Statistik am stärksten dazu, zu steigen.
Das ist für mich insofern interessant, als hier die Börsenpsychologie durchschlägt. Wir könnten die Intention auch umkehren: An Montagen machen Investoren die besten und günstigsten Deals, wohingegen der Freitag ein guter Tag ist, um Aktien zu verkaufen, die man sowieso veräußern wollte.
Heute interessieren uns aber vor allem die Gründe für diese Entwicklung sowie auch, warum du diesem Schema besser nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken solltest.
Montag, Freitag, Mittwoch oder wann auch immer: Aktien kaufen und verkaufen folgt dieser Logik nicht
Warum der Montag als der schwächste Tag für Aktien gilt, ist einfach erklärt: Am Wochenende gibt es keinen regulären Handel an den weltweiten Aktienmärkten. Die Nachrichten bewegen sich jedoch weiter. Passiert etwas, so schlägt das am Montag voll durch. Das bedeutet, dass es eigentlich nur am Markt liegt, der hier die möglichen Nachrichten von zwei Wochenendtagen einpreist und entsprechend zu einem neuen Wochenbeginn besonders stark reagiert.
Doch warum ist dann der Freitag der beste Handelstag? Hier setzt sich häufig die Tendenz der Woche durch. Gibt es einen positiven Wochenverlauf, neigen Anleger dazu, dem Trend zu folgen. Das ist kurzfristig orientiert. Auch ein gewisser Gute-Laune-Effekt vor dem Wochenende soll dazu beitragen. Für die Antwort musste ich ein wenig tiefer graben. Im Endeffekt zeigt sich hier jedoch bloß die emotionale und psychologische Sicht vieler Anleger. Ähnlich ist das übrigens auch an anderen Handelstagen.
Der Dienstag ist statistisch gesehen ein Turnaround-Tag. Nach schwachen Montagen neigen die Aktienmärkte hier wieder dazu, an Fahrt aufzunehmen. Mittwoch ist eher neutral. Die klassische Wochenmitte eben. Der Donnerstag ist ebenfalls gemischt, neigt aber zu höherer Volatilität im Markt. Mal gibt es Gewinnmitnahmen, mal hingegen die Fortsetzung der Aktien, die zuvor gestiegen sind.
Die Effekte verlangsamen sich mittlerweile. Der Handel wird dynamischer, schnelllebiger in digitalen Zeiten. Dadurch sind die schlechten Montage weniger schlecht, die guten Freitage weniger gut. In Summe bin ich aber sowieso geneigt zu sagen: Solche Informationen bringen dich und mich nicht weiter.
Die Börse funktioniert für uns nicht nach solchen Regeln
Im Endeffekt sollten wir uns die Frage stellen, was solche Tagesperformances bedeuten. Vielleicht, dass wir Aktien um 0,2 % teurer oder günstiger kaufen. Statistisch gesehen. Durchschnittlich. Es handelt sich schließlich um eine Erhebung über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg. Und für diese 0,2 % sollen wir uns aus dem Fenster lehnen? Den Handelstag timen? Ich denke, dass das wenig Sinn macht. Es ist eher für Trader eine Strategie, um vielleicht ihre Performance zu optimieren. Wenn überhaupt.
Wir sollten lieber den Fokus darauf legen, gute Unternehmen zu identifizieren, die um 100, 200 oder 1.000 % an Wert zulegen können. Nicht binnen Wochenfrist, sondern innerhalb eines Jahrzehnts. Wer mit diesem Ansatz investiert, dem sind solche saisonalen Effekte egal. Denn der Fokus liegt einzig und allein darauf, die besten Aktien zu identifizieren.
In diesem Sinne sage ich dir: Lass die Montage Montage sein, die Freitage Freitage und konzentriere dich auf das, was wirklich zählt, nämlich gute Unternehmen zu finden.
Dein
Vincent Uhr
Chefredakteur Aktienwelt360
Der Artikel Montags Aktien kaufen, freitags verkaufen! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.