Nach ihrem gigantischen Kurssprung am vergangenen Mittwoch legt die Moderna-Aktie immer noch einen wilden Ritt aufs Parkett. Am Donnerstag sackte der Kurs des Biotech-Unternehmens um -24% ab. Am Freitag ging es wieder um +9% nach oben, am Montag um -4% nach unten und am gestrigen Mittwoch abermals um +14% nach oben. Warum kann sich die Börse nicht entscheiden, in welche Richtung sich der Kurs der Moderna-Aktie entwickeln wird?

Zwei Hauptfragen

Die Börse scheint dieser Tage in der Tat große Probleme damit zu haben, eine neue Bewertungsgrundlage für die Moderna-Aktie zu finden. Und diese Schwierigkeit hat einen guten Grund: Es ist völlig unklar, ob der Studienerfolg des mRNA-Impfstoffs gegen Melanome auch ein gewaltiger kommerzieller Erfolg wird.

Derzeit beschäftigt sich die Börse diesbezüglich mit zwei Fragen: Kann der Erfolg dieser Impfstoffentwicklung auch rasch auf andere Krebsarten übertragen werden? Und werden die hohen Kosten der neuartigen Therapie einen Erfolg in der Praxis verhindern? Ich versuche, Antworten auf diese beiden Fragen zu finden.

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Lässt sich der Erfolg wiederholen?

Die Studienergebnisse von Moderna zum mRNA-Krebsimpfstoff Intismeran autogene sind zweifellos ein historischer Erfolg. Erstmals gelang es einem Unternehmen über die neuartige Technologie einen wirksamen Impfstoff gegen eine Krebsart zu entwickeln.

Aber es handelt sich eben nur um eine Krebsart. Der Erfolg in der Behandlung von Schwarzem Hautkreb heißt noch lange nicht, dass die mRNA-Plattform von Moderna auch zeitnah zu erfolgreichen Therapien bei anderen Krebsformen führen wird.

Das Melanom eignet sich ungewöhnlich gut für eine mRNA-Therapie. Der Impfstoff von Moderna „analysiert“ den Tumor einer Patienten, wählt mehrere Dutzend Mutationen als Ziel aus und trainiert das menschliche Immunsystem, diese zu erkennen und zu bekämpfen. Diese Fülle an Mutation gibt dem Impfstoff mehr Ziele, weshalb die Chance einer erfolgreichen Immunantwort höher ist.

Bei anderen Krebsarten dürfte das nicht so einfach werden. Viele von ihnen, wie beispielsweise Nierenkrebs haben weniger Mutationen, mit denen der Impfstoff „trainiert“ werden kann. Einige Krebsarten, darunter Blasenkrebs, haben eine stark unterdrückende Tumorumgebung und mache Krebsarten, wie Bauchspeicheldrüsenkrebs, sind gänzlich resistent gegen immunbasierte Behandlungen.

Die Ausweitung des Erfolgs bei Schwarzem Hautkrebs auf andere Krebsarten wird demnach alles andere als ein Kinderspiel für Moderna. Weitere zeitnahe Erfolge sind keineswegs garantiert.

Und wer wird die Kosten tragen?

Neben der medizintechnologischen Komponente stellt sich auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit der neuen Therapie. Traditionelle Krebsmedikamente werden in sehr großen Mengen hergestellt, was Pharmakonzernen große Skaleneffekte erlaubt.

Beim mRNA-Impfstoff von Moderna ist das nicht der Fall. Er muss in einem aufwendigen Prozess personalisiert entwickelt werden. Ein Arzt entfernt zuerst einen Tumor des Patienten und schickt diesen an ein Labor, wo dessen Mutationen sequenziert werden. Diese dienen im Anschluss als Basis für die Entwicklung des personalisierten mRNA-Impfstoffs.

Die Kosten für die Entwicklung des Moderna-Impfstoffs könnten sich deshalb durchaus auf einen sechsstelligen US$-Betrag belaufen. Manche Analysten gehen sogar davon aus, dass die Behandlung rund 300.000 US$ kosten wird.

In den USA werden solch extrem teure Therapien oftmals von den Krankenkassen oder den Patienten selbst getragen. In Europa ist das hingegen nicht der Fall. Hier sind die Kassen deutlich preissensitiver und verlangen von Pharmaherstellern sehr hohe Wirksamkeitsnachweise, bevor sie sich an den Kosten einer Therapie beteiligen.

Das könnte für Moderna auch zu einem politischen Problem werden. Die Regierung US-Präsident Trump verlangt seit geraumer Zeit, dass Pharmakonzerne ihre Medikamentenpreise in den USA auf das deutlich niedrigere Niveau im Ausland absenken. Das könnte in Zukunft massiv auf die Gewinnmargen von Pharmaunternehmen drücken.

Charttechnische Analyse

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Die Latte liegt zu hoch

Die Börse rätselt demnach über viele offene Fragen: Wann kommt der Merck-Moderna-Impfstoff überhaupt auf den Markt? Zu welchem Preis? Wie viel Geld wird Moderna damit verdienen? Und wird sich der Entwicklungserfolg rasch bei anderen Krebsarten wiederholen lassen?

Ich glaube, dass die Börse momentan auf viele dieser Fragen eine zu positive Antwort gibt. Ja, der neue Moderna-Impfstoff wird zweifellos ein kommerzieller Erfolg werden. Fragt sich nur, wie groß.

Moderna wird in den kommenden Monaten nachlegen müssen. Ich habe das Gefühl, dass die Erwartungshaltung des Marktes sehr hoch geworden ist — möglicherweise zu hoch. Sollte das Biotech-Unternehmen nicht zeitnah weitere Studienerfolge vermelden, wird die Euphorie über den ersten Erfolg meiner Meinung nach wieder abebben.

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Ich rate Anlegern deshalb, momentan nicht in die Moderna-Aktie zu investieren. Das tun übrigens auch die meisten Banken. Ihrer Meinung nach war das Kursfeuerwerk vergangene Woche etwas zu viel des Guten.

Die Latte für Moderna liegt nun extrem hoch. Ich fürchte, das Biotech-Unternehmen wird sie in naher Zukunft nicht überspringen können.

ℹ Moderna in Kürze

  • Moderna (WKN: A2N9D9) ist ein in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts ansässiges Biotech-Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von mRNA-basierten Arzneimitteln konzentriert.
  • Weltweite Bekanntheit erlangte der Wirkstoffhersteller durch die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19.
  • Moderna fokussiert sich sich in der Forschung und Entwicklung auf personaliserte Impfstoffe und Therapeutika gegen Krebs und seltene Erkrankungen wie Methylmalonazidurie und Propionazidämie.
  • Moderna notiert an der US-Technologiebörse Nasdaq und ist rund 63 Milliarden US$ wert.

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