
Die britische Wettbewerbsbehörde wird ihre Untersuchung des britischen Marktes für Cloud-Dienste vertiefen und Microsoft und Amazon wegen ihrer gemeinsamen Dominanz im Infrastructure-as-a-Service-Sektor (IaaS) ins Visier nehmen.
Die Competition and Markets Authority (CMA) hat Bedenken geäußert, dass das Paar über eine “beträchtliche einseitige Marktmacht” verfügt, die durch hohe Eintrittsbarrieren und nachhaltige Gewinne weit über den Kapitalkosten ermöglicht wird.
Die Aufsichtsbehörde ist der Ansicht, dass diese Bedingungen den fairen Wettbewerb untergraben und der Innovation schaden.
Die Prüfung erfolgt im Rahmen des neuen britischen Gesetzes über digitale Märkte, Wettbewerb und Verbraucher (DMCC), das die Behörden ermächtigt, in Märkte einzugreifen, die von sogenannten “strategischen” Unternehmen kontrolliert werden.
Lock-in-Effekte und eingeschränktes Schalten im Mittelpunkt des Handelns
Nach Angaben der CMA führen mehrere Geschäftspraktiken von Amazon und Microsoft zu Reibungsverlusten für Unternehmen, die versuchen, den Anbieter zu wechseln.
Dazu gehören kostspielige Egress-Gebühren – Gebühren für die Übertragung von Daten aus der Cloud eines Anbieters – und restriktive Lizenzbedingungen, die laut CMA zu einem “Lock-in” an den Kunden führen.
Die Regulierungsbehörde wies insbesondere auf die Lizenzierungsstruktur von Microsoft hin, bei der es billiger ist, Windows Server auf Azure zu verwenden als auf einer konkurrierenden Cloud-Plattform.
Dies, so die CMA, schränkt die Attraktivität und Erschwinglichkeit alternativer Angebote ein.
Google, obwohl nicht gegen sie ermittelt wird, unterstützte die Untersuchung.
In einer am Donnerstag online veröffentlichten Erklärung bezeichnete Googles EMEA-Vizepräsident für Kundenentwicklung den Schritt als “Wendepunkt” für britische Unternehmen.
Schnelles Handeln sei unerlässlich, um Innovationen voranzutreiben und faire Preise zu gewährleisten.
Microsoft und Amazon beherrschen bis zu 80 % des britischen IaaS-Marktes
Die CMA berichtete, dass Microsoft und Amazon jeweils etwa 30 bis 40 % des britischen IaaS-Marktes kontrollieren, zu dem auch die zentrale Cloud-Infrastruktur wie Netzwerke, Datenspeicher und Rechenleistung gehört.
Im Gegensatz dazu hält Google Cloud nur einen Marktanteil von 5 bis 10 %. IaaS bildet die grundlegende Schicht des Cloud Computing, und die Dominanz dieser beiden Unternehmen gibt ihnen eine übergroße Rolle bei der Gestaltung des Zugangs und der Preisgestaltung für digitale Dienste in der gesamten Wirtschaft.
Die Besorgnis der Regulierungsbehörde dreht sich um den übergroßen Einfluss, den diese Konzentration erzeugt.
Es ermöglicht diesen Unternehmen, Gewinne über ihre Investitionskosten hinaus zu erzielen und den Kundenstamm trotz des Aufkommens alternativer Technologien, einschließlich solcher, die auf künstlicher Intelligenz basieren, zu halten.
Die CMA ist der Ansicht, dass diese etablierte Marktmacht die Wahlmöglichkeiten der Kunden einschränkt, die Einführung von Innovationen verlangsamt und andere Akteure davon abhält, in das britische Cloud-Ökosystem einzusteigen.
Das DMCC-Gesetz gibt der Aufsichtsbehörde mehr Handlungsbefugnisse
Die von der CMA empfohlene neue Untersuchung würde auf der Grundlage des DMCC-Gesetzes stattfinden, das Anfang dieses Jahres in Kraft getreten ist.
Das Gesetz erlaubt es der britischen Regierung, große digitale Unternehmen als “strategischen Marktstatus” einzustufen.
Nach ihrer Benennung können diese Unternehmen maßgeschneiderten Vorschriften zur Verhinderung wettbewerbswidrigen Verhaltens unterworfen werden.
Dazu könnten verpflichtende Interoperabilität, fairere Vertragsbedingungen und Maßnahmen zur Senkung der Wechselkosten gehören.
Die CMA stellte fest, dass Microsofts Antwort auf die Untersuchung die Position der Regulierungsbehörde in Frage stellte und argumentierte, dass der Markt aufgrund laufender Investitionen und KI-gesteuerter Transformation wettbewerbsfähiger denn je sei.
Auch Amazon sprach sich gegen den Schritt der Regulierungsbehörde aus und warnte, dass weitere Ermittlungen die globale Wettbewerbsfähigkeit Großbritanniens beeinträchtigen könnten.
Die CMA bleibt jedoch dabei, dass die aktuelle Landschaft Microsoft und Amazon einen strukturellen Vorteil verschafft, der angegangen werden muss.
The post Microsoft und Amazon stehen wegen 70 % Cloud-Dominanz in Großbritannien unter der Lupe appeared first on Invezz