Die Micron-Aktie war zum Ende der vergangenen Woche heftig eingebrochen. Vom Rekordhoch bei 1.089,29 US$ fiel der Kurs um mehr als -20% zurück – und das innerhalb von zwei Tagen. Doch seit Beginn der neuen Woche geht es für den US-Speicherhersteller wieder in Aufwärtsrichtung. Nach einem Plus von fast +10% am Montag sind die Vorzeichen im frühen Dienstagshandel ebenfalls positiv. Doch wie sind die weiteren Aussichten beim US-Speichergiganten?
Externe Faktoren führten zu Sell off
Zu beachten ist, dass der jüngste Sell off nicht von Micron selbst ausgelöst wurde. Vielmehr sorgten verhaltene Signale des Halbleiterkonzerns Broadcom für einen sektorweiten Abverkauf bei KI- und Chipaktien. Anleger nahmen Gewinne mit, der gesamte Halbleitersektor geriet unter Druck.
Micron wurde dabei besonders stark getroffen, obwohl sich an den fundamentalen Aussichten des Unternehmens nichts geändert hat. Die Aktie fiel innerhalb von zwei Handelstagen um rund ein Fünftel, bevor Käufer wieder zugriffen.
Charttechnisch war die Korrektur nach dem nahezu parabolischen Anstieg der vergangenen Monate aber überfällig. Der erfolgreiche Test der 20-Tage-Linie (SMA20) und die anschließende Gegenbewegung sprechen nun dafür, dass die Bullen weiterhin das Heft in der Hand halten.
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KI-Speicher bleibt der große Kurstreiber
Zusätzlichen Rückenwind erhält die Aktie nun durch die angekündigte Zusammenarbeit zwischen Nvidia und SK Hynix bei der Entwicklung neuer KI-Speicherlösungen. Auf den ersten Blick scheint dies eher eine Nachricht für die Konkurrenz zu sein. Der Markt interpretiert die Meldung jedoch anders.
Denn sie unterstreicht vor allem eines: Der Bedarf an High-Bandwidth-Memory (HBM) und leistungsfähigen Speicherlösungen steigt weiterhin rasant. Micron gehört neben SK Hynix und Samsung zu den wenigen Unternehmen weltweit, die diese Technologie in großem Maßstab liefern können.
Und: Micron verfügt bereits über die Zertifizierung für Nvidias kommende Vera-Rubin-Plattform. Zudem ist die gesamte HBM-Produktion des Unternehmens für das laufende Geschäftsjahr bereits ausverkauft. Für viele Investoren ist das ein Signal, dass die Angebotsknappheit im Speichersektor noch deutlich länger anhalten könnte als bislang erwartet.
Operativ läuft es rund
Die fundamentalen Zahlen liefern bislang die passende Grundlage für diese optimistische Sichtweise.
Im vergangenen Quartal steigerte Micron seinen Umsatz um fast 200% auf 23,9 Milliarden US$. Der bereinigte Gewinn je Aktie schoss auf 12,20 US$ nach oben und pulverisierte die Erwartungen der Wall Street förmlich. Treiber waren vor allem steigende Preise bei DRAM- und HBM-Speichern sowie die enorme Nachfrage aus dem KI-Bereich.
Gleichzeitig bleibt die Bewertung überraschend moderat. Das Forward-KGV liegt trotz der starken Kursentwicklung lediglich bei rund 8. Viele Investoren argumentieren daher, dass Micron im Vergleich zu anderen KI-Gewinnern weiterhin attraktiv bewertet erscheint – vorausgesetzt, der aktuelle Speicherboom hält an.
Analysten sehen weiteres Potenzial
Auch die Wall Street reagiert zunehmend optimistisch. Mehrere Analystenhäuser haben ihre Kursziele zuletzt deutlich angehoben. Cantor Fitzgerald sieht den fairen Wert inzwischen bei 1.500 US$, Wells Fargo traut der Aktie Kurse von 1.220 US$ zu. Selbst Goldman Sachs, lange Zeit vergleichsweise zurückhaltend, hat seine Schätzungen spürbar nach oben angepasst.
Der gemeinsame Tenor der Analysten: Die Speicherindustrie könnte sich strukturell verändert haben. Während Speicherchips früher ein zyklisches Geschäft waren, werden HBM-Produkte im KI-Zeitalter zunehmend als kritische Infrastruktur betrachtet. Einige Experten erwarten deshalb Angebotsengpässe bis weit ins Jahr 2028 hinein.
Der 24. Juni wird zur Nagelprobe
Trotz aller Euphorie steht nun ein entscheidender Termin bevor. Am 24. Juni veröffentlicht Micron die Zahlen für das dritte Geschäftsquartal.
Der Markt erwartet einen weiteren Rekordumsatz und starke Margen. Die Prognosen sehen einen Umsatzsprung von 270% auf 34,47 Milliarden US$ vor sowie einen Anstieg beim bereinigten Gewinn je Aktie von 1,91 auf 19,785 US$. Unglaublich, aber wahr: Das entspräche einem Gewinnplus von fast 1.000%.
Noch wichtiger dürften allerdings die Aussagen des Managements zur Preisentwicklung bei DRAM und NAND, zur Auslastung der HBM-Produktion und zur Nachfrage im KI-Sektor werden.
Genau hier liegt die Messlatte inzwischen extrem hoch. Die Aktie hat bereits einen Großteil des erwarteten Aufschwungs eingepreist. Entsprechend könnte selbst ein gutes Quartal nicht ausreichen, wenn die Prognosen die Erwartungen der Anleger nicht übertreffen.
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Micron bleibt einer der spannendsten Profiteure des KI-Booms. Die operative Entwicklung ist beeindruckend, die Nachfrage nach Hochleistungsspeichern bleibt enorm und die Bewertung wirkt trotz der Rallye im Branchenvergleich weiterhin attraktiv.
Gleichzeitig steigen mit jedem Kursanstieg auch die Erwartungen. Der Speicherzyklus mag diesmal länger und profitabler verlaufen als in der Vergangenheit, bewiesen ist das allerdings noch nicht. Die Quartalszahlen Ende Juni dürften deshalb zum wichtigsten Stimmungstest des Jahres werden.
Für Anleger bleibt Micron eine hochinteressante Wette auf die nächste Phase des KI-Booms, die aber nicht ganz ohne Risiko ist. Meiner Meinung nach überwiegen aber die Chancen das Risiko und ich gehe davon aus, dass das Rekordhoch vom 03. Juni nicht das letzte gewesen ist.
Micron in Kürze
- Micron Technology Inc. (WKN: 869020) mit Sitz in Boise im US-Bundesstaat Idaho ist ein weltweit führender Anbieter von Computerspeichern, die in einer Vielzahl von Anwendungen zum Einsatz kommen.
- Hauptprodukte des Technologiekonzerns sind dynamische Random-access Memories (RAM), Flash-Speicher und USB-Flash-Laufwerke.
- Das Unternehmen ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500 und an der Börse ca. 1,04 Billionen US$ wert.
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