Die Mercedes-Benz-Aktie kämpft seit mehreren Tagen mit der 40 €-Marke. Wird es der Stuttgarter Autobauer schaffen, sich darüber zu halten oder müssen sich Anleger bald auf ein neues 6-Jahrestief einstellen?
Auf der Kostenbremse
Wie bei allen deutschen Autobauern ist die Nachrichtenlage auch bei Mercedes-Benz düster. Die Schwaben müssen angesichts der schwachen Geschäftsentwicklung und einer miserablen Profitabilität genauso massiv auf die Kostenbremse treten wie andere heimische Hersteller.
Der Vorstand hat deshalb den Druck auf die Gewerkschaft und die Belegschaft deutlich erhöht. Das Management warnt offiziell davor, dass zwei deutsche Werke – ein Aufbauwerk und ein Powertrain-Werk – geschlossen werden müssten, falls die Kosten nicht ausreichend sinken.
Gleichzeitig hat Mercedes-Benz Ende September ein neues Abfindungsprogramm für indirekte Bereiche in Deutschland angekündigt. Außerdem soll die Präsenzpflicht der Mitarbeiter in den Büros wieder erhöht werden. Offenbar will der Autokonzern die Leistung seiner Mitarbeiter wieder stärker vor Ort beurteilen können.
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Ungemach droht in den USA
Jenseits des Atlantiks droht dem deutschen Premiumhersteller aber bereits neues Ungemach. Ein US-Gesetzesvorhaben könnte Unternehmen, bei denen chinesische Anteilseigner mehr als 15% halten, vom US-Markt ausschließen.
Mercedes-Benz würde diese Schwelle deutlich überschreiten. Der chinesische Staatskonzern und langjährige Joint-Venture-Partner BAIC Group (Beijing Automotive Group) hält knapp 10,0% der Anteile und ist damit der größte Einzelaktionär. Zudem besitzt der chinesische Unternehmer und Gründer des Autobauers Geely, Li Shufu, über seine Investmentgesellschaft Tenaciou3 Prospect Investment Limited ca. 9,7% der Mercedes-Anteile.
Die Abstimmung über dieses Gesetz wurde im Senat nun auf November verschoben. Offenbar gibt es unter den Senatoren noch weiteren Klärungsbedarf. Das dürfte vor allem für Senatoren gelten, in deren Bundesstaaten Werke von Mercedes-Benz liegen. Für sie wäre ein Ausschluss vom US-Markt eine politische Katastrophe.
Kein Entrinnen aus dem Abwärtskanal
Charttechnisch sieht es sehr düster aus für die Mercedes-Benz-Aktie. Seit Jahresbeginn steckt sie in einem steilen Abwärtskanal fest, aus dem sie sich bislang nicht befreien konnte.
Nun muss der Support bei rund 38 € halten. Ansonsten droht dem DAX-Wert sogar ein Kursniveau von 35 €.
Ein zu großer Problemberg
Ich rate Anlegern auch weiterhin dringend, die Finger von der Mercedes-Benz-Aktie zu lassen. In meiner letzten Analyse vor einem Monat habe ich einen Verkauf des DAX-Titels empfohlen. Seitdem hat der Kurs des Autokonzerns um -17% nachgegeben.
Bei 40 € sehe ich noch keinen Boden für die Mercedes-Benz-Aktie gekommen. Zu groß ist der Berg an Problemen, vor dem die Stuttgarter momentan stehen.
Sie müssen gegen den Willen von Belegschaft und Gewerkschaft massive Einsparungen durchsetzen. Das bindet sehr große Management-Kapazitäten und kosten vor allem viel Geld in Form von Abfindungen und ggf. auch Werkschließungen.
Darüber hinaus würde ich auch die politische Gefahr aus den USA nicht unterschätzen. Mit rund 20% der Anteile in chinesischen Händen ist die Aktionärsstruktur von Mercedes-Benz in der Tat hochproblematisch.
Gleichzeitig helfen den Schwaben ihre chinesischen Anteilseigner auch nicht in der Volksrepublik. Die massiven Marktanteilsverluste der letzten Quartale zeigen, dass chinesische Aktionäre keineswegs ein Vorteil auf dem größten Automarkt der Welt sind.
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Mercedes-Benz hat einen langen und steinigen Turnaround vor sich. Für so einen Turnaround ist mir ein Forward-KGV von 7 aber eine zu optimistische Bewertung.
Ich sehe bei 40 € noch nicht das Ende der Talfahrt der Mercedes-Benz-Aktie. Anleger müssen sich meiner Einschätzung nach noch auf deutlich niedrigere Kurse einstellen.
Mercedes-Benz in Kürze
- Mercedes-Benz (WKN: 710000) ist einer der traditionsreichsten Autohersteller der Welt. Mit einem Absatz von rund 2 Millionen Fahrzeugen (Pkw und Vans) gehört der Konzern mit Sitz in Stuttgart zu den drei wichtigsten Autobauern Deutschlands.
- Gemessen am Umsatz zählt die Mercedes-Benz-Gruppe sogar zu den größten Autoherstellern der Welt.
- An der Börse wird das im DAX gelistete Unternehmen mit ca. 39 Milliarden € bewertet.
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