Die Lufthansa-Aktie hat sich in den letzten zwei Jahren deutlich erholt und schaffte Ende Juni erstmals seit April 2023 den Sprung über die 10-€-Marke. Zuletzt fiel der Kurs aber wieder spürbar zurück. Nach der heutigen Zahlenvorlage knickt der MDAX-Titel zeitweise sogar um mehr als -10% ein und fällt auf den tiefsten Stand seit knapp zwei Monaten. Sind die Zahlen wirklich so schlecht oder bietet der Rücksetzer eine neue Kaufgelegenheit?
Gewinn bricht ein – Prognose kassiert
Die operative Entwicklung liefert ein durchaus zwiespältiges Bild: Während der Umsatz im zweiten Quartal um 8% auf 11,1 Milliarden € zulegte, brach das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) um 56% auf nur noch 383 Millionen € ein. Unter dem Strich sackte der Gewinn sogar um 88% auf 123 Millionen € ab und blieb damit unter den Erwartungen der Analysten.
Noch schwerer wiegt allerdings die Prognosesenkung: Vorstandschef Carsten Spohr kassierte den bisherigen Optimismus für das Gesamtjahr und hält nun lediglich ein bereinigtes EBIT zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden €, im Mittel also 1,95 Milliarden €, für realistisch. Noch im Mai hatte der Konzern angekündigt, das Vorjahresergebnis von 1,96 Milliarden € deutlich übertreffen zu wollen.
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Kerosin, Streiks und geopolitische Risiken bremsen aus
Die Ursachen für den Ergebniseinbruch sind schnell ausgemacht. Allein die infolge des Nahostkonflikts gestiegenen Kerosinkosten belasteten das Quartal trotz einer Absicherung von mehr als 80% des Treibstoffbedarfs mit rund 750 Millionen €. Hinzu kamen Streiks im April, die weitere 150 Millionen € kosteten. Zwar konnte Lufthansa nach Angaben von Finanzchef Till Streichert rund 60% der höheren Treibstoffkosten über steigende Ticketpreise weitergeben, vollständig ausgleichen ließ sich der Kostenschub jedoch nicht.
Spohr sprach von einem „anspruchsvollen zweiten Quartal“, das erneut von Krisen und geopolitischen Unsicherheiten geprägt gewesen sei. Gleichzeitig betonte er aber auch die ungebrochen hohe Reiselust, insbesondere im Premiumsegment und auf Asien-Strecken. Diese robuste Nachfrage gehört weiterhin zu den wichtigsten Stützen des Geschäftsmodells.
Lichtblicke trotz vorsichtigerem Ausblick
Neben der gesenkten Gewinnprognose strich der Konzern auch seine Wachstumspläne zusammen. Statt eines Kapazitätsausbaus soll das Flugangebot 2026 nun stagnieren. Positiv fällt allerdings auf, dass Lufthansa die Prognose für den Free Cashflow von rund 900 Millionen € bestätigte. Zudem entwickelten sich Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo erneut stark und konnten ihre Ergebnisbeiträge steigern.
Auch die Versorgung mit Flugtreibstoff hat sich laut Management inzwischen deutlich entspannt. Neue Lieferketten und höhere Raffineriekapazitäten haben das Risiko von Versorgungsengpässen reduziert. Gleichzeitig rechnet der Konzern inzwischen mit etwas niedrigeren Treibstoffkosten als noch vor wenigen Monaten.
Analysten bleiben zurückhaltend – Bewertung wirkt attraktiv
Die Reaktionen der Analysten fallen überwiegend verhalten aus. Die Deutsche Bank bestätigte ihr „Hold“-Rating mit einem Kursziel von 8 €, JPMorgan sieht den fairen Wert der Aktie ebenfalls bei 8 €. Insgesamt verteilt sich das Analystenbild nahezu gleichmäßig auf Kauf-, Halte- und Verkaufsempfehlungen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 10 € und signalisiert damit trotz der Gewinnwarnung weiteres Aufwärtspotenzial.
Fundamental wirkt die Aktie inzwischen günstig. Das erwartete KGV bewegt sich lediglich im Bereich von 7, das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt unter eins und auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis fällt mit rund 0,3 äußerst niedrig aus. Hinzu kommt eine Dividendenrendite von knapp 4%, womit Lufthansa im europäischen Airline-Sektor weiterhin attraktiv erscheint.
Chartbild am Scheideweg
Charttechnisch hat sich das Bild kurzfristig eingetrübt. Nach der Erholung der vergangenen zwei Jahre und dem Anstieg bis über die Marke von 10 € sorgte die Zahlenvorlage für einen scharfen Rücksetzer auf ein neues Zwei-Monats-Tief. Im Tagesverlauf wurde sogar die viel beachtete 200-Tage-Linie unterschritten, ehe sich die Aktie wieder darüber schieben konnte.
Genau dieser gleitende Durchschnitt entscheidet nun über den weiteren Verlauf. Gelingt die Verteidigung, könnte das nach den Zahlen gerissene Abwärts-Gap in den kommenden Tagen wieder geschlossen werden. Ein nachhaltiger Bruch der 200-Tage-Linie würde das Chartbild dagegen deutlich eintrüben.
Die Quartalszahlen waren ohne Frage enttäuschend und zeigen, wie anfällig das Airline-Geschäft für geopolitische Krisen, hohe Energiepreise und Arbeitskämpfe bleibt. Gleichzeitig spricht die robuste Nachfrage nach Flugreisen dafür, dass die aktuellen Belastungen nicht dauerhaft struktureller Natur sein müssen.
Die niedrige Bewertung, eine solide Dividendenrendite von 3,6% und das weiterhin intakte Chartbild machen die Lufthansa-Aktie auf dem aktuellen Kursniveau für risikobereite Anleger durchaus interessant. Kurzfristig dürfte die Volatilität allerdings hoch bleiben – wer antizyklisch investieren möchte, braucht daher Geduld und einen längeren Anlagehorizont.
Anknüpfend daran: In Top 10 Dividenden Picks 2026 werden zehn Dividenden-Aktien vorgestellt, die durch ihre Kombination aus regelmäßigen Ausschüttungen und Aufwärtspotenzial besonders interessante Investmentchancen darstellen.
Lufthansa in Kürze
- Mit einer Flottengröße von über 700 Flugzeugen und mehr als 200 Flugzielen in der ganzen Welt zählt die Lufthansa zu den zehn größten Fluggesellschaften der Welt.
- Zur Lufthansa-Gruppe gehören auch die Fluggesellschaften Austrian, Brussels Airlines, Air Dolomiti, Eurowings und Swiss.
- Seit Januar 2025 hält die Lufthansa auch eine 41%-Beteiligung an ITA Airways. Eine vollständige Übernahme der italienischen Staatsfluglinie ist geplant.
- Die Lufthansa ist Mitglied im deutschen Nebenwerteindex MDAX und 10 Milliarden € wert.
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