Der Kurs der Lenzing-Aktie treibt Anlegern seit Wochen nur noch die Tränen in die Augen. Nachdem der Kurs des österreichischen Faserherstellers bereits am Donnerstag um -16% eingebrochen war, kollabierte er am Freitag um weitere -28%. Was steckt hinter dem Kurskollaps der Lenzing-Aktie und können Anleger hier nun ein gewaltiges Schnäppchen machen?

Eine gewaltige Kapitalmaßnahme

Die gewaltigen Kursverluste der Lenzing-Aktie zum Wochenschluss sind auf eine massive Kapitalmaßnahme und die damit verbundene Verwässerungseffekte zurückzuführen. Das Unternehmen hat eine Barkapitalerhöhung mit Bezugsrechten über rund 300 Millionen € gestartet.

Geplant ist die Ausgabe von rund 34,76 Millionen neuer Aktien zu einem Bezugspreis von jeweils 8,65 €. Das Verhältnis beträgt neun neue Aktien je zehn alte Aktien. Das ist eine enorme Ausweitung der Aktienzahl.

Der festgelegte Bezugspreis liegt um rund 43% unter dem Börsenkurs vor der Ankündigung der Kapitalerhöhung. Solch hohe Abschläge führen an der Börse fast ausnahmslos zu einem sofortigen Kursrutsch und einer spürbaren Verwässerung für bestehende Aktionäre, die ihre Bezugsrechte nicht ausüben.

Die beiden Großaktionäre von Lenzing, die österreichische B&C Gruppe mit 37% der Anteile und der brasilianische Zellstoffproduzent Suzano mit 15%, haben ihre Ausübung der Bezugsrechte bereits zugesichert. Auch die Oberbank, die 4% an Lenzing hält, wird an der Kapitalerhöhung teilnehmen. Das bedeutet, dass diese vollständig garantiert ist.

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Ein grauenvolles Chartbild

Der Chartverlauf der Lenzing-Aktie gibt seit einigen Jahren ein Bild des Grauens ab. Seit fast fünf Jahren befindet sich der Kurs auf einen mehr oder weniger kontinuierlichen Sinkflug. Der Aktienkurs hat von Ende 2021 bis heute mehr als -80% verloren. Eine Ende dieser Talfahrt ist noch nicht in Sicht.

Nicht von der Optik täuschen lassen

Lenzing kämpft seit längerem mit einer hohen Nettoverschuldung, die zuletzt bei rund 1,5 Milliarden € lag und schwächeren operativen Ergebnissen in der Faserindustrie. Das frische Kapital soll zusammen mit einem harten Sparprogramm dazu dienen, den laufenden Konzernumbau zu finanzieren und die Bilanz zu stabilisieren.

Ich rate Anlegern, trotz des stark gesunkenen Kursniveaus, nicht in die Lenzing-Aktie zu investieren. Das Unternehmen generiert seit mehreren Jahren kein Wachstum mehr und verdient so gut wie kein Geld. Daran wird die Kapitalerhöhung nichts ändern.

Der Markt für Faserstoffe ist von stark schwankenden Rohstoffpreisen, einer eher schwachen Nachfrage, aber einem umso stärkeren Wettbewerb aus Asien geprägt. Lenzing muss erst noch den Beweis antreten, dass es in diesem Umfeld wieder Geld verdienen kann.

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Vielen Anlegern juckt es in den Fingern, wenn eine Aktie innerhalb so kurzer Zeit so stark an Wert verliert. Meist ist dieser optische Wertverlust kein guter Ratgeber für ein Investment.

So ist es meiner Überzeugung nach auch bei der Lenzing-Aktie. Das Unternehmen ist ein Sanierungsfall mit hohem Kapitalbedarf. Der Ausgang der Sanierung ist allerdings ungewiss. Anleger sind hier mit einem unkalkulierbaren Risiko konfrontiert.

ℹ Lenzing in Kürze

  • Die Lenzing Gruppe (WKN: 852927) gehört weltweit zu den führenden Herstellern von Zellulosefasern. Zellfasern bilden die Basis für Textilien sowie Vliesstoffen.
  • Neben dem Hauptsitz im österreichischen Lenzing unterhält der Konzern weltweit zahlreiche Produktionsstätten.
  • Die Hauptbörse der Aktie ist Wien, in Deutschland ist sie auch über Tradegate handelbar. Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell 545 Millionen €.

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