Der Kupferpreis könnte aus seiner langfristigen Konsolidierung ausbrechen und neue Höhen erklimmen. Damit rechnet jedenfalls die US Investmentbank Goldman Sachs. Als Grund führen die Analysten ein strukturell schwaches Angebot bei dynamischer Nachfrage an.

In einem aktuellen Marktbericht prognostizieren Analysten von Goldman Sachs einen deutlichen Anstieg des Kupferpreises. Der Grund dafür sind nachlassende Befürchtungen um die Weltkonjunktur. Sollte sich dies Bild hier aufhellen, könnte insbesondere der chinesische Immobilienmarkt die Nachfrage nach Kupfer deutlich ansteigen lassen.

Bessere Weltkonjunktur: Höhere Kupfernachfrage

Auch der Ausbau der E-mobilität sowie von Stromnetzen führen Goldman Sachs zufolge zu hoher Nachfrage. Die Investmentbank geht deshalb von einer Neubewertung des Industriemetalls aus, sobald die globalen Konjunktursorgen nachlassen.

Dabei verweisen die Analysten auf die Angebotsseite. Die derzeitigen Bestände reichten kaum aus, um die weltweite Nachfrage drei Tage lang zu decken. Bei einem aktuellen globalen Lagerbestand von 200.000 t erwartet Goldman Sachs dieses Jahr ein Angebotsdefizit von 197.000 t. Gerade zum Ende des Jahres sind könne es zu einer extremen Knappheit kommen.

Eine Ausweitung der Produktion sieht Goldman Sachs nicht – ganz im Gegenteil. Vielmehr gehen die Analysten bis auf weiteres von einem Rückgang der Minenproduktion aus. In den vergangenen Jahren war das Angebot durch neue Kapazitäten im Kongo, in Peru und Chile noch entlastet worden.

Das Kaufangebot kämpft dabei mit geologischen Gegebenheiten ebenso wie mit politischen Unsicherheiten. Sinkende Kupfergehalte stoppen häufig die Entwicklung neuer Projekte.

In Chile wiederum – dem mit Abstand weltweit größten Kupferproduzenten – wachsen die Sorgen im Hinblick auf Enteignungsverfahren und andere staatliche Maßnahmen. So schätzt Goldmann, dass eine derzeit in Chile diskutierte Lizenzgebühr für den Bergbau das Produktionsvolumen um bis zu 1 Million t reduzieren könnte.

In Chile erarbeitet derzeit eine verfassungsgebende Versammlung eine neue Verfassung. Diese soll im späteren Verlauf des Jahres zur Abstimmung gestellt werden. Das Land beherbergt die weltweit größte Kupfermine Escondida, die durch BHP (WKN: A2N9WV, ISIN: GB00BH0P3Z91) betrieben wird. Marktführer in dem Land ist jedoch eigenen Angaben zufolge der Staatskonzern Codelco.

Kupferchart: Erst Hausse, dann Konsolidierung

Die Investmentbank schätzt den durchschnittlichen Kupferpreis für dieses Jahr auf knapp 11.900 USD pro Tonne. Auch danach soll es weiter aufwärtsgehen. Für 2025 prognostizieren die Analysten einen durchschnittlichen Kupferpreisreis von 15.000 USD pro Tonne.

Ein Blick auf den Kupferchart offenbart derzeit ein gemischtes Bild. Einerseits hat Kupfer ebenso wie andere Industriemetalle einen starken Kursanstieg hinter sich. Die Hausse trieb den Kurs pro Tonne von ca. 4.800 USD auf ca. 10.700 USD.

Andererseits durchläuft der Markt nun bereits seit dem zweiten Quartal 2021 eine seitwärts gerichtete Konsolidierung.  Diese Konsolidierungsphase wird nach oben hin durch zwei Hochs bei ca. 10.700 USD und ca. 10.600 USD, nach unten hin durch technische Unterstützungen im Bereich um 9.000 USD begrenzt.

Aktuell scheint der Markt einen Anlauf auf das Niveau der beiden letzten Hochs zu nehmen. Zuletzt war der Kupferpreis wieder in Richtung 10.400 USD pro Tonne angestiegen. Daraufhin korrigierte der Markt jedoch wieder. Derzeit notiert der Kupferpreis wieder unter der 10.000 USD Marke. Ein Anlauf auf die letzten Hochs würde die Einschätzung der Goldman Sachs Analysten bestätigen.

LME Terminpreiskurve weiter fallend

Die Knappheit macht sich auch an der Terminpreiskurve an der London Metal Exchange (LME) bemerkbar. Die Preise für Kontrakte mit Lieferung in näherer Zukunft liegen hier deutlich über den Preisen für später fällige Terminkontrakte. So notiert der in drei Monaten fällige Kontrakt bei 9.995 zu 10.000 USD. Für den im Dezember 2023 fälligen Kontrakt beläuft sich die Kursstellung auf 9.605 zu 9.615 USD.

Eine solche Backwardation Situation an den Terminmärkten ist ein starkes Indiz für ausgeprägte Knappheit – zumal die Terminpreiskurve an der LME gegenwärtig bis in den Dezember 2025 fällt. Die Marktteilnehmer rechnen offensichtlich nicht mit einer baldigen Entspannung.

Die LME Lagerbestände sind oft ein wichtiger Indikator für die Preisentwicklung. Als der Kupferpreis im Oktober auf knapp 10.700 USD anstieg, waren die LME Lagerbestände auf den niedrigsten Stand seit 1974 gefallen.

Das knappe Angebot dürfte Explorationsunternehmen bei der Erschließung neuer Vorkommen helfen – insbesondere in Gebieten mit weniger politischen Unsicherheiten. Die Oroco Resource Corp. (Symbol: OR6.F, WKN: A0Q2HB, ISIN: CA6870331007) – ein kanadisches Bergbauunternehmen mit Fokus auf Kupfer – arbeitet zum Beispiel am Santo Tomás Porphyr Kupfer Projekt im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa. Frühe Machbarkeitsstudien bestätigten hier bereits großes Potenzial.