An der Börse gibt es eine alte Regel: Gute Unternehmen sind selten günstig. Doch genau diese Kombination scheint derzeit bei einigen Schwergewichten aus dem DAX zu finden zu sein.
Während viele Anleger auf die großen KI-Gewinner oder wachstumsstarke Technologiewerte blicken, werden klassische Value-Aktien gern mal übersehen. Dabei notieren mit der Münchener Rück (WKN: 843002), Volkswagen (WKN: 766403) und der Deutschen Bank (WKN: 514000) gleich drei bekannte deutsche Konzerne aktuell zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weit unter 11 – ein Bewertungsniveau, das langfristig orientierte Investoren genauer hinschauen lässt. Allerdings muss man auch bereit sein, Risiken einzugehen.
Niedrige Bewertung, starke Gewinne: Warum diese DAX-Aktien jetzt Aufmerksamkeit verdienen
Die Münchener Rück gehört seit Jahrzehnten zu den profitabelsten und größten Rückversicherern der Welt. Dank ihrer starken Marktposition kann der Konzern steigende Risiken häufig in Form höherer Prämien an die Kunden weitergeben.
Gleichzeitig überzeugt die Münchener Rück mit einer außergewöhnlich konstanten Gewinnentwicklung und einer attraktiven Dividendenhistorie. Dennoch wird die Aktie trotz ihrer hohen Qualität und starken Ertragskraft weiterhin mit einem vergleichsweise moderaten Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet.
Das für 2026 erwartete KGV liegt nur bei rund 10. Für langfristig orientierte Anleger könnte genau diese Kombination aus Stabilität, Preissetzungsmacht und attraktiver Bewertung besonders interessant sein. Zudem könnten fast 5 % Dividendenrendite möglich sein.
Auch Volkswagen gehört zu den auffällig günstig bewerteten DAX-Unternehmen. Zwar belasten der harte Wettbewerb im Elektroautomarkt, hohe Investitionen und die wachsende Konkurrenz aus China die Stimmung.
Der Konzern erzielt jedoch weiterhin Milliardengewinne und verfügt mit Marken wie Porsche, Audi, Škoda oder Lamborghini über außergewöhnlich wertvolle Vermögenswerte. Die Aktie wird dennoch mit einem KGV gehandelt, das im internationalen Vergleich ausgesprochen niedrig erscheint.
Das erwartete KGV liegt nur bei 4! Genau deshalb sollten sich viele Anleger fragen, ob der Markt die Risiken inzwischen stärker gewichtet als die tatsächliche Ertragskraft.
In puncto Turnaround ist die Deutsche Bank Volkswagen schon etwas weiter: Sie hat in den vergangenen Jahren einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen. Nach einer langen Restrukturierungsphase präsentiert sich die Bank heute deutlich profitabler und effizienter.
Vor allem das gestiegene Zinsniveau hat die Erträge spürbar verbessert, gleichzeitig entwickeln sich sowohl das Privatkundengeschäft als auch das Investmentbanking stabil.
Dennoch bleibt auch hier die Bewertung im Vergleich zu vielen internationalen Wettbewerbern überraschend niedrig. Für die 2026 erwarteten Gewinne zahlt man nur das 9-fache. Offenbar traut der Markt der nachhaltigen Trendwende noch nicht vollständig.
Fazit: Günstig bewertet heißt nicht automatisch günstig gekauft
Ein niedriges KGV allein macht noch keine erstklassige Aktie. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen seine Gewinne langfristig steigern, Wettbewerbsvorteile behaupten und wirtschaftlich schwierige Phasen erfolgreich meistern kann.
Genau hier punkten die Münchener Rück, Volkswagen und Deutsche Bank mit etablierten Geschäftsmodellen, starken Marktpositionen und soliden Erträgen. Wobei nicht alle mit einer aktuell guten Story überzeugen. Vor allem Volkswagen hat mit starkem Gegenwind zu kämpfen.
Ob daraus tatsächlich die nächsten Börsengewinner entstehen, wird die Zukunft zeigen. Fest steht jedoch: Sie alle sind äußerst günstig bewertet. Für langfristig orientierte Anleger könnten sie genau deshalb einen genaueren Blick wert sein.
Der Artikel KGV unter 11: Diese 3 DAX-Aktien könnten derzeit zu den spannendsten Value-Chancen gehören! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.