Kospi Index

Der südkoreanische Kospi-Index befindet sich in einer der stärksten Haussephasen und notiert, da der KI-Boom an Fahrt gewinnt, nahe seinem Allzeithoch. Er ist in diesem Jahr um 82 % gestiegen und in den letzten 12 Monaten um 197 %, wodurch Milliarden an Marktwert hinzugekommen sind.

Goldman Sachs und Citigroup sind positiv für den Kospi-Index 

Der anhaltende Anstieg des Kospi-Index wurde durch die stark gestiegene Nachfrage nach Halbleitern im Zuge des KI-Booms ermöglicht. Ein Blick auf die Indexbestandteile zeigt, dass Halbleiterunternehmen den Aufschwung anführen.

Samsung Electronics-Aktie ist stark gestiegen und hat die Marktkapitalisierung auf über $1 trillion gebracht. Ebenso kletterte die SK Hynix-Aktie auf ein Rekordhoch und spiegelte damit die Gewinne ihrer US-Pendants wie Sandisk, Western Digital und Micron wider.

Analysten von JPMorgan und Citigroup sind der Ansicht, dass der Index trotz anhaltender Befürchtungen, der Iran-Konflikt könnte nach der Rückkehr von Präsident Donald Trump aus China wieder aufflammen, weiteres Aufwärtspotenzial hat. In einer Erklärung am Montag warnte er, dass der laufende Waffenstillstand nur noch auf Lebensunterstützung basiere.

Südkorea wäre bei einer Wiederaufnahme des Krieges erheblich betroffen, da die Energiepreise steigen würden und das Land den Großteil seiner Energie aus dem Nahen Osten importiert.

In einer Mitteilung schrieb JPMorgan, dass der Kospi-Composite-Index um weitere 25 % steigen und 10,000 KRW erreichen könne. Zuvor hatte man einen Anstieg auf 9,000 KRW erwartet. Die Analysten bemerkten, dass die KI-Nachfrage anhalten und die Halbleiterpreise beschleunigen werden. Sie schrieben dass:

„Die Aktienmärkte Koreas und Taiwans spiegeln schon immer eher die globale Nachfrage wider, da die große Mehrheit der gelisteten Unternehmen Exporteure und weniger von der Inlandsnachfrage abhängig sind.“

Auch Citigroup-Analysten sind positiv für den Index und verweisen auf die anhaltende Beteiligung von Privatanlegern. Die Bank stellte fest, dass Privatanleger, die historisch in Einzeltitel investierten, nun in ETFs umschichten, die mit Halbleitern und dem Kospi-Benchmark verbunden sind. Sie sieht zudem, dass der Halbleiterzyklus in die Realwirtschaft hineinwirkt.

Potenzielle Risiken bleiben 

Trotz der sehr positiven Einschätzungen von Wall-Street-Analysten besteht das Risiko, dass die anhaltende Kospi-Rallye außer Kontrolle gerät, wie wir es oft sehen, wenn erhebliche Spekulationen den Markt treiben. 

Ein gutes Beispiel dafür war die NFT-Euphorie vor einigen Jahren. Ähnliches erlebten wir während der Meme-Stock-Phase, als Unternehmen wie GameStop und AMC Entertainment stark anstiegen.

Auch die Charttechnik weist auf mögliche Risiken hin. Das Wochen-Chart zeigt, dass der Kospi-Index über mehrere Jahre in einer Konsolidierungsphase verweilte. Zwischen 2020 und Ende letzten Jahres bewegte er sich innerhalb der Spanne von KRW 2,147 bis KRW 3,311.

Diese Konsolidierung war Teil der Akkumulationsphase, die sich durch horizontale Bewegungen auszeichnet. Die aktuelle Rallye ist folglich Teil der Aufschwungphase dieses Musters.

Diese Phase besteht aus starker Nachfrage und der Fear of Missing Out (FOMO). Es gibt außerdem kleinere Rücksetzer, bei denen Trader jeden Dip kaufen, was zu höheren Umsätzen führt.

Die Aufschwungphase kann einige Wochen oder sogar Jahre andauern. JPMorgan-Analysten warnten jedoch, dass die Rallye technisch gedehnt erscheine und dass es zu Konsolidierungen kommen könne.

Zusätzlich zur Wyckoff-Theorie deuten Oszillatoren darauf hin, dass der Index stark überkauft ist: Der Relative-Stärke-Index (RSI) und der stochastische Oszillator bewegen sich auf extremen Niveaus.

Kospi-Index

Kospi-Index-Chart | Quelle: TradingView 

Daher kann die Kospi-Rallye zwar kurzfristig anhalten, doch besteht das Risiko, dass sie in den kommenden Wochen oder Monaten eine deutliche Umkehr erlebt. Ein solcher Einbruch dürfte heftig ausfallen, da er weitere Privatanleger zu panikartigen Verkäufen ihrer Bestände veranlassen würde.

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