
Ein Team des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat am Dienstag Gespräche mit ukrainischen Beamten aufgenommen.
Ziel der Gespräche ist es, Strategien zu erarbeiten, um die Einnahmequellen der vom Krieg gebeutelten ukrainischen Wirtschaft zu stärken und das für 2024 prognostizierte erhebliche Haushaltsdefizit anzugehen.
Fiskalpolitik und Haushaltspläne auf dem Prüfstand
Der IWF kündigte an, dass sich die Treffen in Kiew auf die Bewertung der finanzpolitischen Pläne der Ukraine für den Rest des Jahres 2024 und die mittelfristige Zukunft konzentrieren würden.
In diesem Jahr hat der IWF im Rahmen seines 15,6 Milliarden US-Dollar schweren Extended Fund Facility-Programms bereits 3,078 Milliarden US-Dollar an die Ukraine ausgezahlt.
Laut Roksolana Pidlasa, der Vorsitzenden des Haushaltsausschusses des Parlaments, kämpft die ukrainische Regierung mit einem Haushaltsdefizit, das auf 400 bis 500 Milliarden Griwna (9,8 bis 9,8 Milliarden US-Dollar) geschätzt wird.
Offizielle Stellen und Analysten gehen davon aus, dass die Regierung dieses Defizit durch Steuererhöhungen und eine verstärkte Kreditaufnahme im Inland bekämpfen will.
Verteidigungsausgaben und internationale Hilfe: Wichtige finanzielle Säulen
Der ukrainische Haushalt für 2024 sieht über 40 Milliarden Dollar – etwa die Hälfte der Gesamtausgaben – für den Verteidigungssektor vor.
Zur Finanzierung sozialer und humanitärer Ausgaben ist die Regierung nach wie vor in hohem Maße auf internationale Finanzhilfe angewiesen.
Der IWF ist für die Ukraine ein entscheidender multilateraler Gläubiger; seine Mittel machen einen erheblichen Teil der 37 Milliarden Dollar an Auslandshilfe aus, mit denen die Ukraine in diesem Jahr rechnet.
Bislang hat die Ukraine rund 16 Milliarden Dollar von westlichen Partnern erhalten, wie das Finanzministerium mitteilte. Seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 belief sich die Auslandshilfe für die Ukraine bis Ende 2023 auf 73,6 Milliarden Dollar.
Wirtschaftliche Turbulenzen und Wiederaufbaubemühungen
Die Invasion hat die ukrainische Wirtschaft schwer beeinträchtigt und zu Massenvertreibungen, großflächiger Zerstörung von Städten und Infrastruktur sowie erheblichen Unterbrechungen der Lieferketten und des Exports geführt.
Infolgedessen brach die Wirtschaftsleistung der Ukraine im Jahr 2022 um etwa 29 % ein.
Im Jahr 2023 zeigten sich in der Wirtschaft erste Anzeichen einer Erholung, die Wachstumsrate betrug 5,3 %, da sich die Unternehmen an die Kriegsbedingungen anpassten.
Trotz dieser Erfolge korrigierte die Regierung ihre Wirtschaftswachstumsprognose für dieses Jahr auf rund 3 Prozent nach unten und begründete dies mit einem wachsenden Energiedefizit aufgrund wiederkehrender russischer Raketen- und Drohnenangriffe auf ukrainische Kraftwerke.
Dringlichkeit bei der Umschuldung
Neben der Bewältigung des Haushaltsdefizits steht die ukrainische Regierung angesichts des anhaltenden Konflikts vor der schwierigen Aufgabe, ihre Auslandsschulden umzustrukturieren.
Die Dringlichkeit dieses Vorhabens wird durch das bevorstehende Auslaufen der Zahlungsmoratorien am 1. August unterstrichen.
Während die Ukraine diese vielschichtigen Herausforderungen bewältigt, werden die laufenden Gespräche mit dem IWF eine zentrale Rolle bei der Ausarbeitung der Haushaltsstrategie des Landes und der Sicherung der notwendigen finanziellen Unterstützung spielen.
Das Ergebnis dieser Gespräche wird voraussichtlich Einfluss auf bevorstehende Haushaltsanpassungen und mögliche Steuererhöhungen haben.
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