ISIN: IT0004056880

aktueller Kurs: 38 Euro

amplifon habe ich als nächstes in meiner kleinen Reihe über italienische Aktien gewählt, weil ich überrascht war, dass amplifon ein italienisches Unternehmen ist. Einen Höhrgeräte Konzern hätte ich eher in Deutschland, der Schweiz, Japan oder auch den USA vermutet.

Aus dieser Überraschung heraus und weil ich Höhrgeräte für ein zukunftsträchtiges Produkt halte, habe ich mir amplifon einmal angeschaut, auch wenn Unternehmen mit einem KGV von 36 sonst eher nicht so von mir beachtet werden.

amplifon background

amplifon wurde in den 1950‘er Jahren gegründet, um die vielen Menschen zu versorgen, die im zweiten Weltkrieg Höhrschäden erlitten hatten. Die internationale Expansion begann in den 1990‘er Jahren in Europa und setzte sich 1999 in den USA mit der Übernahme von Miracle-Ear fort.

Bis zum Jahr 2001 war amplifon ein Familienunternehmen. Dann erfolgte der Börsengang in Mailand. Noch heute hält die Familie 42% der Anteile und sogar 59% der Stimmrechte.

Seit 2018 ist amplifon Teil des FTSE MIB Index, dem italienischen Gegenstück zum Frankfurter DAX.

überschlägige amplifon Bewertung

Eine Bewertung von amplifon stellt mich vor zwei grundsätzliche Schwierigkeiten:

1) Höhr- und andere akustische Geräte sind nicht Teil meines Circle of Competence, d.h. ich kann (zumindest bisher) weder den Markt noch die Qualität der Geräte relativ zu den Konkurrenten beurteilen.

2) Damit die aktuelle Bewertung mit einem KGV von 36 für mich Sinn ergibt, muss ich ein hohes langfristiges Wachstum annehmen. Bezüglich langjährig hoher Wachstumsraten überwiegt bei mir grundsätzlich eher die Skepsis bzw. die Sorge um nicht vorhersehbare Ereignisse. Durch den exponentiellen Charakter von starkem Wachstum ist es m.E. außerdem um so leichter durch kleine Fehler am Anfang am Ende große Fehler zu machen.

Nichts desto trotz sind Höhrgeräte durch die zunehmende Alterung der westlichen Gesellschaften (und zunehmend auch Chinas) für mich ein offensichtlicher Wachstumsmarkt.

Um für mich die Frage zu beantworten, ob es sich lohnt mich weiter in diese Industrie einzuarbeiten, habe ich mich einer überschlägigen Bewertung bedient, die auf einem Buch basiert, dass hier schon mal vorgestellt habe: https://value-shares.de/2013/02/09/buch-regel-nummer-1/

Das Unternehmen selbst erwartet laut der letzten Präsentation kurzfristig ein Wachstum im hohen einstelligen Bereich. Um erstmal zu plausibilisieren, ob die Bewertung überhaupt Sinn machen kann, bin ich von 9% für die nächsten 10 Jahre ausgegangen. Bei dieser überschlägigen Bewertung nimmt man dann ein Exit KGV auf den so kalkulierten Gewinn. Die aktuellen 36 sind für mich langfristig selbst dann zu hoch, wenn die Wachstumspläne aufgehen. Die Börsenbewertungen sind einfach durch die niedrigen Zinsen getrieben und das kann nicht ewig so bleiben. Wieder im Sinne einer positiven Plausibilisierung habe ich als Exit KGV 25 angesetzt. Die letzte Annahme, die man bei dieser einfachen, schnellen Methode noch treffen muss, ist die persönliche Renditeerwartung. Mit dieser, in meinem Fall 8%, wird der Zahlungsstrom diskontiert.

Ich komme mit dieser, es sei noch mal gesagt, sehr groben Bewertung auf einen Wert von 36,74 Euro. Das ist erstaunlich nah an dem aktuellen Kurs von 38 Euro. Das kann Zufall sein oder ein Zeichen, dass der aktuelle Kurs ziemlich fair bis gut bezahlt ist. Vielleicht ein bisschen von beidem.

FAZIT

Aus meiner Sicht habe ich damit plausibilisiert, dass der aktuelle Kurs sich in einem realistischen Rahmen bewegt. Allerdings gibt es aus meiner Sicht keine Margin of Safety für meine Unwissenheit, für meinen Optimismus oder Unvorhersehbares.

Nach dem Buch „Regel Nummer 1“ würde man die Aktien kaufen, wenn man sie mit einer Margin of Safety von 50% bekommen kann. Davon ist die Aktie hier weit entfernt und dabei ist sie von ihren Höchsständen bei über 47 Euro sogar schon ein ganzes Stück entfernt.

Kaufen werde ich die Aktie vor diesem Hintergrund aktuell auf keinen Fall. Ich bin sogar noch unsicher, ob es sich lohnt amplifon auf meine Watchlist zu nehmen. Damit das Sinn macht, müsste ich mittelfristig mehr über die Branche lernen, aber dafür hält sich meine Faszination irgendwie doch in Grenzen. Selbst wenn ich das wollen würde, wüsste ich aktuell auch nicht wo ich unabhängige Quellen hernehmen sollte.