IREN-Aktionäre würden die letzten Wochen am liebsten aus ihrem Kalender streichen. Innerhalb der vergangenen vier Wochen lösten sich über 40% des Börsenwerts des Rechenzentrenbetreibers in Luft auf. Warum verabschieden sich Anleger in Scharen von der IREN-Aktie und tun sie es tatsächlich zu Recht?

Unsichere Zukunftsumsätze

Die IREN-Aktie befindet sich seit einigen Wochen in einem perfekten Sturm aus signifikaten Ausführungs- und Lieferkettensorgen, schlechter Stimmung auf dem Kryptomarkt, großen Verwässerungsrisiken und Insiderverkäufen.

Erst im Mai sorgte der Rechenzentrenbetreiber mit einer gigantischen Partnerschaft mit Nvidia und der Ankündigung eines prognostizierten, wiederkehrenden Jahresumsatzes von 3,7 Milliarden US$ für enorm gute Stimmung an der Börse. Doch die Stimmung kippte im Juni als das Management in einer Pflichtmitteilungen an die SEC einräumen musste, dass dieses astronomische Umsatzziel keineswegs garantiert oder fest vertraglich einbetoniert ist.

Damit dieser Umsatz überhaupt erreicht wird, müssen bestellte GPUs pünktlich geliefert, riesige Rechenzentren (wie der Sweetwater-Campus in Texas) fehlerfrei hochgefahren, gigantische Stromanschlüsse realisiert und die Kapazitäten auch tatsächlich komplett vermietet werden. Die Wall Street hat im vergangenen Monat begonnen, diese enormen Ausführungs- und Lieferkettenrisiken einzupreisen.

Gleichzeitig warnen Analysten vermehrt davor, dass IREN im Vergleich zu anderen Wettbewerbern deutlich hinterherhinkt, wenn es darum geht, ein echtes Enterprise-Geschäft im KI-Bereich aufzubauen. Während IREN zwar theoretisch gigantische Partnerschaften (wie die mit Nvidia) verkündet hat, fehlt es der Wall Street an konkreten, rechtsverbindlichen Verträgen mit großen Firmenkunden (Hyperscalern), die die Rechenzentren langfristig mieten. Die Angst wächst, dass IREN auf teurer Hardware sitzen bleibt, während die Tech-Giganten vermehrt eigene Infrastrukturen hochziehen, wie zuletzt von Meta Platforms angekündigt.

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Das Kerngeschäft schwächelt

Obwohl IREN die KI-Story massiv vermarktet, ist die operative Realität derzeit noch eine andere. Das Krypto-Mining macht nach wie vor den Löwenanteil der tatsächlichen Umsätze aus. Der Bitcoin-Kurs geriet im Juni spürbar unter Druck und rutschte zeitweise unter die Marke von 60.000 US$.

Da IRENs KI-Umsätze zwar rasant wachsen, aber noch von einer kleinen Basis kommen, schlagen sinkende Bitcoin-Preise sofort negativ auf die aktuelle Profitabilität und den Cashflow durch. Der Markt bestraft diese Doppelabhängigkeit vom Bitcoin-Kurs und dem KI-Sentiment gnadenlos, sobald beide Sektoren gleichzeitig in den Korrekturmodus schalten.

Und noch zwei Belastungsfaktoren

Als wären diese beiden Punkte nicht schon schwerwiegend genug, belasten noch zwei Faktoren den Kurs der IREN-Aktie. Im März reichte das Unternehmen bei der US-Börsenaufsicht einen neuen Prospekt ein, um das sogenannte At-The-Market-Programm (ATM) von ursprünglich 1 Milliarde US$ radikal auf 6 Milliarden US$ aufzustocken. Dies könnte in den kommenden Monaten zu einer deutlichen Verwässerung der Altaktionäre führen.

Darüber hinaus sorgten Insider-Verkäufe für Ärger unter den Aktionären. Offiziellen SEC-Meldungen zufolge haben hochrangige Insider – darunter Direktor Christopher Guzowski – größere Aktienpakete auf dem freien Markt verkauft haben. Alles andere als ein Vertrauensbeweis für das eigene Unternehmen!

Ein trauriges Chartbild

Der Chart der IREN-Aktie gibt aktuell ein trauriges Bild ab. Seit Ende Mai befindet sich der Tech-Wert in einem massiven Abwärtstrend. Die Aktie notiert aktuell nur noch unweit ihres 9-Monatstiefs bei 32 US$. Ich fürchte, dass dieses Tief in den kommenden Wochen einem Test unterzogen wird.

Gründe, ein Bär zu sein

Ich bin und bleibe ein Bär in Bezug auf die IREN-Aktie. Zwar wächst der Rechenzentrumsbetreiber nach wie vor explosiv. Aber genauso schnell wachsen meiner Meinung nach auch die Risiken.

Derzeit kann niemand mit Sicherheit sagen, wie gut die Zentren von IREN mittel- bis langfristig ausgelastet sein werden. Ich sehe das große Risiko, dass durch den anhaltenden Bauboom von Rechenzentren eher früher als später Überkapazitäten und Preisdruck entstehen werden.

Hinzu kommt das meiner Ansicht nach unterschätzte Problem der Abschreibungen. Die Entwicklung auf dem Gebiet der Hardware ist so rasant, dass die Server in Rechenzentren innerhalb kurzer Zeit massiv überaltern und an Wert verlieren. Die Betreiber von Rechenzentren geraten damit in ein Abschreibungs-Reinvestitions-Hamsterrad, das vielen von ihnen das Rückgrat brechen wird.

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Unter dem Strich passt mir das Rendite-Risiko-Verhältnis der IREN-Aktie nicht. Die Marktentwicklung ist mit sehr vielen Risiken behaftet und als sehr kleiner Player auf diesem Markt hat das Unternehmen einfach nicht die Ressourcen, um mittel- bis langfristig gegen die Schwergewichte auf dem Rechenzentrumsmarkt zu bestehen. Ich rate deshalb nach wie vor von einem Kauf der IREN-Aktie ab.

ℹ IREN in Kürze

  • IREN (ehemals Iris Energy) (WKN: 591767) ist ein australisches Technologieunternehmen mit Sitz in Sydney.
  • Das Unternehmen betreibt KI-Rechenzentren mit erneuerbarer Energie und ist zudem im Bereich des Bitcoin-Minings aktiv.
  • Die Rechenzentren von IREN befinden sich in Kanada und den USA.
  • IREN notiert an der US-Technologiebörse Nasdaq und ist aktuell ca. 14 Milliarden US$ wert.

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