Für die Aktionäre von Innoscripta war es zweifellos der schlimmste Tag in der Börsengeschichte des Unternehmens. Am vergangenen Donnerstag krachte der Kurs der Innoscripta-Aktie um -57% in die Tiefe. Phasenweise verlor das F&E-Softwareunternehmen sogar mehr als -60% seines Wertes. Am Freitag konnte sich der Kurs im hohen einstelligen Prozentbereich erholen. Was war da bloß los und können Anleger hier nun das ultimative Schnäppchen machen?
Es droht juristischer Ärger
Der Kurskollaps der Innoscripta-Aktie zum Ende der vergangenen Woche hatte einen sehr konkreten Auslöser, der der Horror für alle Anleger schlechthin ist: steuerstrafrechtliche Ermittlungen und Durchsuchungen bei der Unternehmensgruppe. Am letzten Donnerstag wurden Geschäftsräume des Unternehmens in Tutzing und München durchsucht. Hintergrund ist ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts, dass bei der Beantragung von Forschungszulagen für Kunden unberechtigte Steuervorteile ermöglicht worden sein könnten.
Für Innoscripta ist das höchst problematisch, denn das Geschäftsmodell des Software-Unternehmens hängt unmittelbar an der Beantragung der Forschungszulage. Das Unternehmen unterstützt Firmen bei der Identifizierung und Dokumentation förderfähiger F&E-Projekte und der entsprechenden Antragstellung bei staatlichen Stellen. Damit betrifft die Untersuchung genau den Kern des Geschäftsmodells.
Laut einer Ad-hoc-Mitteilung des Unternehmens richtet sich der Verdacht derzeit nicht gegen das gesamte Geschäftsmodell oder zwingend oder gegen das Unternehmen als Ganzes. Nach dem bisherigen Kenntnisstand von Innoscripta beziehen sich die konkret beschriebenen Vorgänge auf mögliches Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter bei bestimmten Kundenmandaten. Eine abschließende Bewertung des Unternehmens zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft gibt es noch nicht.
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Wie groß ist der Schaden?
Die extrem negative Reaktion der Innscripta-Aktie auf die gewaltige Unsicherheit in Bezug auf die möglichen Folgekosten zurückzuführen. Falls bei Kunden Forschungszulagen zu Unrecht gewährt wurden, könnten Rückforderungen entstehen. Entscheidend wäre dann, ob und in welchem Umfang daraus Ansprüche gegen Innoscripta abzuleiten sind.
Hinzu kommt ein gewaltiger Reputationsschaden. Das Geschäftsmodell von Innoscripta basiert stark auf Vertrauen. Kunden und potenzielle Neukunden können mit weiteren Aufträge abwarten, bis die Vorwürfe restlos geklärt sind.
Ein Warnsignal ist auch die Tatsache, dass das Analysehaus Warburg Research, das beim IPO von Innoscripta noch gemeinsam mit der Privatbank M.M.Warburg als Joint Bookrunner fungierte, das Rating und das Kursziel der Innoscripta-Aktie ausgesetzt hat. Laut einer Nachricht von Warburg reichten die möglichen Folgen von einer überschaubaren Rückerstattung von Gebühren in einzelnen Fälle bis zur Entziehung von Erlösen oder Unternehmensstrafen.
Charttechnisch nicht zu beurteilen
Charttechnisch lässt sich die Innoscripta-Aktie aufgrund des extrem Kurssturzes aktuell kaum beurteilen. Der Software-Titel notiert auf einem neuen Allzeithoch, fernab der Kurse seit dem IPO.
Für Schnäppchenjäger mit guten Nerven
Für Anleger mit guten Nerven ist die Innoscripta-Aktie aktuell ein hochspannender Fall. Durch den gewaltigen Kurssturz ist die Bewertung auf ein Forward-KGV von unter 6 abgestürzt. Wir haben es hier aber mit einem extrem wachstumsstarken und profitablen Unternehmen zu tun.
Innoscripta wächst im aktuellen Jahr voraussichtlich mit rund 35% und wird diese Umsatzwachstumsrate wahrscheinlich auch im kommenden Jahren beibehalten können. Die operative Marge (EBIT) liegt bei fast 60%.
Jetzt kommt das große Aber: Sollten sich die strafrechtlichen Ermittlungen als umfangreicher und massiver herausstellen, drohen Innoscripta empfindliche Strafen. Noch schwerwiegender als die strafrechtliche Dimension könnte jedoch der Reputationsschaden ausfallen. Ein Unternehmen, das seine Prozesse nicht sauber im Griff hat, dürfte es zukünftig deutlich schwerer haben, sein Geschäft auszubauen.
Selbst wenn Innoscripta den einen oder anderen Kunden verlieren bzw. nicht gewinnen sollte, halte ich die Bewertung der Aktie auf dem aktuellen Niveau für so attraktiv, dass Schnäppchenjäger mit guten Nerven zuschlagen sollte. Wer mit extrem Kursschwankungen nicht so gut zurechtkommt, sollte jedoch die Finger von der Aktie lassen.
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Anleger, die am Donnerstagnachmittag eine ruhige und vor allem glückliche Hand hatten konnten die Innoscripta-Aktie für 32 € kaufen. Am Montagmorgen erholt sich der Kurs des Software-Unternehmens bereits auf 45 €.
Das zeigt, dass bereits viele Schnäppchenjäger im Markt unterwegs sind. Ich rate Anlegern dazu, cool zu bleiben, und auf einen erneuten Einbruch zu warten. Dann ist die Innoscripta-Aktie richtig günstig zu haben.
Innoscripta in Kürze
- Innoscripta (WKN: A40QVM) ist ein Software- und Beratungsunternehmen mit Sitz in München, das Unternehmen dabei unterstützt, staatliche Forschungs- und Entwicklungsförderung zu beantragen und zu dokumentieren.
- Innoscripta identifiziert F&E-Projekte eines Unternehmens, die für die deutsche Forschungszulage infrage kommen, und unterstützt bei der Antragstellung bei der Bescheinigungsstelle Forschungszulage und anschließend beim Finanzamt.
- Mit der eigenen Plattform können Unternehmen ihre Forschungsprojekte, Mitarbeiter, Arbeitszeiten und Dokumentation strukturiert erfassen. Dadurch entsteht die Dokumentation, die für Förderanträge und spätere Prüfungen benötigt wird.
- Das Unternehmen baut sein Geschäftsmodell über Deutschland hinaus aus. Weitere Standorte, unter anderen in Frankreich und den USA, sind in Planung.
- Innoscripta notiert an der Frankfurter Börse und ist ca. 450 Millionen € wert.
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