Der DAX bleibt weiter auf Talfahrt. In der zurückliegenden Woche büßte das größte deutsche Börsenbarometer unter dem Strich knapp 144Punkte ein und schloss -0,57% tiefer mit 25.087 Punkten. Die höchsten Verluste gab es bei Infineon und Deutsche Telekom, Zalando war bester DAX-Wert. Geht es weiter abwärts oder kommt nun die große Erholung?
Erst rauf, dann runter und wieder rauf
Nach einem freundlichen Wochenstart mit Gewinnen am Montag und Dienstag drehte der DAX zur Mitte der Woche wieder nach unten. Der Mittwoch und der Donnerstag brachten deutliche Abgaben mit sich. Erst am Freitag erholte sich der Markt wieder auf breiter Front.
Ölpreis und Anleiherenditen bleiben die Taktgeber
Zum Ende der Woche sorgten rückläufige Ölpreise für etwas Entspannung. Auslöser waren Aussagen von US-Präsident Donald Trump, wonach die USA den Iran vor den Zwischenwahlen im November nicht angreifen würden. Zudem sprach er von produktiven Gesprächen zur Beendigung des Krieges. Ob daraus tatsächlich eine nachhaltige Deeskalation entsteht, bleibt allerdings offen.
Für Anleger bleibt der Ölmarkt damit ein Unsicherheitsfaktor: Steigende Energiepreise könnten die Inflation erneut anheizen und den Spielraum für Zinssenkungen weiter einschränken.
Hinzu kommen die hohen Anleiherenditen. Die Sorgen über ausufernde Haushaltsdefizite in den USA und Frankreich dürften so schnell nicht verschwinden. Höhere Renditen machen Anleihen im Vergleich zu Aktien attraktiver und erhöhen zugleich die Finanzierungskosten für Unternehmen und Staaten.
US-Inflation könnte den Zinsausblick verändern
Besonders gespannt blicken die Märkte auf den Mittwoch. Dann werden die US-Verbraucherpreise für September veröffentlicht. Wegen der gestiegenen Benzinpreise rechnen Volkswirte mit einem deutlichen Anstieg der Gesamtinflation. Die Kernrate, die Energie und Nahrungsmittel ausklammert, dürfte moderater ausfallen.
Allerdings ist nicht auszuschließen, dass selbst ein vergleichsweise günstiger Kerninflationswert die Sorgen der Anleger nicht vollständig zerstreuen kann. Marktbeobachter halten es für möglich, dass die Fed angesichts des Energiepreisschubs an ihrem restriktiven Kurs festhält und eine weitere Zinserhöhung im Dezember auf der Agenda bleibt. Sollten die Inflationsdaten stärker als erwartet ausfallen, könnte das die Renditen weiter nach oben treiben – und damit auch den DAX belasten.
Am Donnerstag folgen weitere wichtige US-Daten: der Philadelphia-Fed-Index, die Einzelhandelsumsätze und die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Am Freitag richtet sich der Blick auf die US-Industrieproduktion. Die Zahlen liefern Hinweise darauf, wie robust die amerikanische Wirtschaft tatsächlich ist und wie viel Spielraum der Fed bleibt.
Banken eröffnen die US-Berichtssaison
Auch auf Unternehmensseite nimmt die Woche Fahrt auf. Am Dienstag legen JPMorgan, Goldman Sachs und Citigroup ihre Quartalszahlen vor. Am Mittwoch folgen Morgan Stanley und die Bank of America. Die Ergebnisse dürften zeigen, wie sich das Geschäft mit Krediten, Einlagen und Kapitalmarktaktivitäten entwickelt.
Die Experten rechnen mit robusten Ergebnissen und möglichen Überraschungen nach oben. Enttäuschungen bei den Banken könnten dagegen die Risikobereitschaft an den Märkten dämpfen.
VW, Porsche, BMW und die Chipbranche im Fokus
In Deutschland stehen vor allem die Autobauer im Blick. Volkswagen präsentiert am Montag im Rahmen der Paris Motor Show ein Investoren-Update und veröffentlicht Absatzdaten für das dritte Quartal. Am Dienstag folgen letzte Signale von VW, Porsche und BMW zum abgelaufenen Quartal, bevor die Unternehmen in ihre Schweigeperiode eintreten.
Am Mittwoch richtet sich die Aufmerksamkeit auf Airbus, das vor den für den 28. Oktober erwarteten Neunmonatszahlen letzte Aussagen liefern dürfte. Für den Technologiesektor besonders wichtig sind die Zahlen von ASML am Mittwoch und TSMC am Donnerstag. Als bedeutender Ausrüster der Chipindustrie beziehungsweise weltgrößter Auftragsfertiger für Halbleiter liefern beide Unternehmen wichtige Hinweise auf die Investitionsbereitschaft der Branche und die Nachfrage rund um künstliche Intelligenz.
Deutsche Telekom und Infineon brechen ein, Zalando erholt sich
Im DAX waren in der zurückliegenden Woche die Aktien von Deutsche Telekom und Infineon die größten Verlustbringer mit einem Minus von -7% bzw. knapp -9%. Infineon litt unter Gewinnmitnahmen im Tech-Sektor und fiel wieder zurück an die 50-Tage-Linie.
Die Deutsche Telekom verlor am Freitag fast -8% an Wert und erlebte einen der schwärzesten Tage ihrer Börsengeschichte. Grund sind Sorgen um die wachsende Konkurrenz auf dem US-Markt, nachdem Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX plant mit Starlink zu einem vollwertigen und eigenständigen Mobilfunkanbieter aufzusteigen
Deutlich besser lief es bei der Zalando-Aktie, die auf Wochensicht fast +7% aufschlug und so den Wiederanstieg über 50- und 200-Tage-Linie schaffte. Anleger honorieren es, dass der Konzern eine großflächige KI-Offensive gestartet hat, um seine Profitabilität strukturell zu verbessern.
Die 200-Tage-Linie wird zum Prüfstein
Der DAX setzt seine Abwärtsbewegung seit dem Rekordhoch von Ende August fort. Die vergangene Woche war bereits die fünfte Verlustwoche innerhalb der letzten sechs Handelswochen. Charttechnisch steht nun die 200-Tage-Linie im Mittelpunkt. Sie verläuft derzeit bei rund 24.857 Punkten.
Nun entscheidet sich, ob der Index diesen längerfristigen Trendindikator verteidigen kann. Ein nachhaltiger Rutsch darunter könnte weitere Verluste begünstigen. Darunter stellen die 50-Wochen-Linie bei 24.671 Punkten sowie die 24.000-Punkte-Marke potenzielle Rücklaufziele dar.
Umgekehrt wäre eine stabile Entwicklung oberhalb der 25.000-Punkte-Marke ein erstes Signal, dass die Käufer wieder mehr Kontrolle gewinnen. Darüber warten die 100-Tage-Linie bei 25.416 Punkten und die 50-Tage-Linie bei 25.800 Punkten als nächste Prüfsteine.
Dem DAX steht eine Woche mit mehreren potenziell marktbewegenden Terminen bevor. Sinkende Ölpreise, beruhigende Inflationsdaten und überzeugende Unternehmenszahlen könnten die Erholung stützen. Doch ein neuer Anstieg der Energiepreise oder Renditen würde die Stimmung schnell wieder drehen. Die Rückkehr über 25.000 Punkte ist deshalb ein positives Signal – aber noch kein Freifahrtschein für die nächste Rallye.
Ergänzend dazu: Viele Dividenden-Aktien sind derzeit unterbewertet und bieten einen günstigen Einstiegszeitpunkt. Diese Übersicht zeigt zehn Titel aus verschiedenen Sektoren, die sowohl für Cashflow als auch für Kursgewinne interessant sein könnten.
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