Der DAX hat sich in der vergangenen Woche weiter zurückgezogen. Unter dem Strich büßte das größte deutsche Börsenbarometer unter dem Strich 236 Punkte ein und schloss -0,94% tiefer mit rund 24.381 Punkten. Die höchsten Verluste verzeichneten die Papiere von Infineon und MTU Aero Engines, Brenntag war bester DAX-Wert. Wie könnte es nun weiter gehen?
Erst rauf, dann runter
Zu Beginn der Woche konnte der DAX noch leicht zulegen und drehte dabei sowohl am Montag als auch am Dienstag nach anfänglichen Verlusten ins Plus. Zur Wochenmitte setzten sich dann aber immer mehr die Bären durch und sorgten für drei Verlusttage am Stück.
Vor richtungsweisender Woche
Nach dem Rücksetzer vom Rekordhoch steht der DAX vor einer richtungsweisenden Handelswoche. Während geopolitische Risiken und die jüngste Korrektur bei KI- und Halbleiterwerten auf die Stimmung drücken, rücken nun gleich mehrere potenzielle Kurstreiber in den Fokus: die Berichtssaison nimmt Fahrt auf, wichtige Konjunkturdaten stehen an und die Europäische Zentralbank entscheidet über ihren weiteren Zinspfad. Ob der deutsche Leitindex seine Konsolidierung beendet oder die Schwäche anhält, dürfte sich in den kommenden Tagen entscheiden.
Nahost-Konflikt bleibt das größte Risiko
Der wichtigste Unsicherheitsfaktor bleibt die Lage im Nahen Osten. Die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran halten die Ölpreise auf einem erhöhten Niveau und nähren Sorgen vor einer neuen Inflationswelle. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass Störungen in der Straße von Hormus den Ölmarkt zusätzlich belasten könnten.
Steigende Energiepreise würden nicht nur Unternehmen und Verbraucher treffen, sondern könnten auch den Spielraum der Notenbanken weiter einschränken. Entsprechend aufmerksam verfolgen Anleger die geopolitische Entwicklung.
EZB-Entscheidung und Konjunkturdaten im Fokus
Am Donnerstag richtet sich der Blick auf die Europäische Zentralbank. Nach der Zinserhöhung im Juni rechnen die meisten Marktbeobachter nun mit einer Zinspause. Noch wichtiger dürfte allerdings werden, welche Signale EZB-Präsidentin Christine Lagarde für die kommenden Monate sendet. Sollten die Währungshüter aufgrund der höheren Energiepreise einen restriktiveren Kurs andeuten, könnte das die Börsen zusätzlich belasten.
Bereits zuvor liefern wichtige Konjunkturdaten Hinweise auf den Zustand der europäischen Wirtschaft. Am Dienstag werden die ZEW-Konjunkturerwartungen veröffentlicht. Am Freitag folgen das deutsche Konsumklima sowie die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (PMI) für Juli. Sie dürften zeigen, ob sich die Wirtschaft weiter stabilisiert oder die geopolitischen Belastungen bereits ihre Spuren hinterlassen.
Berichtssaison wird zum Belastungstest
Mindestens genauso wichtig dürfte die laufende Berichtssaison werden. Nach der kräftigen Rallye der vergangenen Monate stehen insbesondere Technologie- und KI-Unternehmen unter Druck, ihre hohen Bewertungen mit starken Geschäftszahlen zu rechtfertigen.
In den USA sorgen Alphabet und Tesla zur Wochenmitte für einen ersten Höhepunkt der neuen Berichtssaison. Beide Zahlenwerke dürften weit über den Technologiesektor hinaus für Impulse sorgen.
Auch im DAX stehen mehrere Schwergewichte im Fokus. Deutsche Börse, SAP und Volkswagen legen ihre Quartalszahlen vor. Hinzu kommen Unternehmen aus der zweiten Reihe wie Sartorius, Vossloh und LPKF. Vor allem bei SAP, das am Donnerstag nachbörslich berichtet, werden Anleger genau beobachten, ob die Nachfrage nach KI-Lösungen weiterhin das Wachstum antreibt.
KI-Korrektur belastet die Stimmung
Die Stimmung an den Aktienmärkten hat sich zuletzt spürbar eingetrübt. Nach monatelangen Kursgewinnen kam es insbesondere bei KI- und Halbleiterwerten weltweit zu deutlichen Gewinnmitnahmen. Neben Zweifeln, ob sich die milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz schnell genug auszahlen, sorgte auch das neue chinesische KI-Modell Kimi K3 für Verunsicherung und erhöhte den Wettbewerbsdruck.
Die Schwäche erfasste auch den deutschen Markt. Im DAX geriet Infineon unter Druck, während im MDAX unter anderem Siltronic, Aixtron und SUSS MicroTec deutliche Verluste verzeichneten. Marktbeobachter warnen inzwischen vor Ansteckungseffekten, da Investoren Verluste im Technologiesektor zunehmend durch Verkäufe anderer Aktien ausgleichen.
Infineon und MTU mit Einbußen, Brenntag legt zu
Hierzulande verzeichneten die Papiere von Infineon und MTU die höchsten Wochenverluste mit einem Minus von -12,17% bzw. -5,63%. Infineon geriet im Sog der allgemeinen KI- und Tech-Schwäche weiter unter Abgabedruck und steht kurz vor dem Erreichen der 100-Tage-Linie.
Die MTU-Aktie verzeichnete die zweite Woche in Folge Kursverluste und steuert auf die 100-Wochen-Linie, die für eine mögliche Trendwende in Frage kommt.
Deutlich besser erging es der Brenntag-Aktie, die fast +6% zulegen konnte und ihre Erholungsbewegung seit Anfang Juli fortsetzte. Auf der Oberseite rückt nun das Jahreshoch von Anfang Mai bei 63,76 € als nächstes Kursziel in den Fokus.
Charttechnik: Rückfall unter 25.000 Punkte
Aus charttechnischer Sicht hat der DAX einen leichten Dämpfer erhalten. Konnte sich der Leitindex. Konnte sich der Index am Montag und am Dienstag trotz tieferer Intraday-Kurse noch über der 25.000-Punkte-Marke behaupten, ging es am Mittwoch auch auf Schlusskursbasis knapp unter die psychologisch bedeutende Marke.
Am Freitag trübte sich das Bild durch das Abrutschen unter die 50-Tage-Linie noch etwas stärker ein. Damit könnte es nun zu einem Test der 200-Tage-Linie kommen, die sich aktuell bei 24.328 Punkten befindet. Nachhaltig eintrüben würde sich die Lage aber erst bei einem Bruch der 24.000-Punkte-Marke.
Aber auch das jüngste Rekordhoch bei 25.900 Punkten ist weiterhin in Reichweite und könnte bei einem schnellen Wiederanstieg über 50-Tage-Linie und die 25.000-Punkte-Marke wieder angelaufen werden.
Nach dem Rückgang um mehr als -4% seit seinem Rekordhoch steht der DAX nun an einem entscheidenden Punkt. Ob die Konsolidierung endet oder sich die Korrektur ausweitet, dürfte vor allem von drei Faktoren abhängen: der Entwicklung im Nahen Osten, den Signalen der EZB sowie den ersten wichtigen Quartalszahlen.
Fallen diese besser aus als erwartet und entspannen sich gleichzeitig die geopolitischen Sorgen, könnte der deutsche Leitindex schnell wieder Kurs auf seine Rekordstände nehmen. Enttäuschen dagegen die Unternehmenszahlen oder verschärft sich die Lage am Ölmarkt weiter, dürfte die Nervosität an den Börsen hoch bleiben und der DAX zunächst weiter in seiner Konsolidierung verharren.
Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.
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