
Der indische Aktienmarkt hat seinen stärksten Rückgang seit über einem Jahr verzeichnet. Die Gesamtmarktkapitalisierung ist erstmals seit Dezember 2023 unter 4 Billionen US-Dollar gefallen.
Eine Kombination aus schwächer werdender Rupie, Kapitalflucht und überzogenen Bewertungen hat einen Ausverkauf ausgelöst, der über 1 Billion Dollar an Aktienwert vernichtet hat.
Die wichtigsten Indizes des Landes, Sensex und Nifty, sind in diesem Jahr bisher um 2,6 Prozent gefallen, während breitere Indizes einen noch stärkeren Rückgang verzeichneten.
Der BSE MidCap-Index ist um mehr als 12 Prozent eingebrochen und der SmallCap-Index hat über 15 Prozent verloren, was auf tiefere Bedenken hinsichtlich der Marktbreite hindeutet.
Ausländische institutionelle Anleger haben im Jahr 2025 mehr als 10 Milliarden Dollar aus indischen Aktien abgezogen, was Befürchtungen über die Nachhaltigkeit des indischen Bullenlaufs aufkommen lässt.
Indien hinkt den Weltmärkten hinterher
Der Rückgang der Marktkapitalisierung in Indien um 18,33 Prozent ist 2025 der stärkste unter den globalen Märkten.
Zimbabwe folgt dicht dahinter mit einem Rückgang von 18,3 Prozent, während Island mit einem Rückgang von 18 Prozent auf Platz drei liegt, so Daten von Bloomberg.
Die wichtigsten globalen Indizes haben Indien weitgehend übertroffen. Die USA, nach wie vor der größte Aktienmarkt der Welt, verzeichneten in diesem Jahr einen Anstieg der Marktkapitalisierung um 3 Prozent.
China und Japan verzeichneten jeweils Zuwächse von 2,2 Prozent, während die Märkte in Hongkong, Kanada, Großbritannien und Frankreich Steigerungen von 1,2 Prozent, 7,2 Prozent, 7,1 Prozent und 9,9 Prozent verzeichneten.
Die Probleme des indischen Marktes kommen angesichts von Bedenken hinsichtlich des Wirtschaftswachstums, der Unsicherheit bei den Erträgen und der volatilen politischen Lage.
Der indische Rupie hat gegenüber dem US-Dollar in diesem Jahr um fast 1,5 Prozent an Wert verloren und ist damit nach der indonesischen Rupie die zweitschlechteste Währung Asiens.
Diese Abwertung hat indische Vermögenswerte für ausländische Investoren weniger attraktiv gemacht und den Ausverkauf weiter verschärft.
Mittel- und Kleinunternehmen sind am stärksten betroffen
Während der indische Aktienmarkt zuvor ein Magnet für Investoren war, die nach Wachstumschancen suchten, belasten nun Bedenken hinsichtlich überhöhter Bewertungen das Sentiment.
Auf der IFA Galaxy-Konferenz warnte S. Naren, CIO von ICICI Pru AMC, vor systematischen Anlageplänen (SIPs) in Mid- und Small-Cap-Fonds aufgrund der hohen Bewertungen und der Marktvolatilität.
Seine Kommentare lösten unter den Marktteilnehmern eine breitere Diskussion darüber aus, ob der indische Aktienmarkt für langfristige Anleger weiterhin eine attraktive Wette ist.
Insbesondere der renommierte Bewertungsexperte Aswath Damodaran hat Bedenken hinsichtlich des teuren indischen Marktes geäußert.
Trotz des starken BIP-Wachstums Indiens hat er darauf hingewiesen, dass die Aktien des Landes nach wie vor zu den weltweit am höchsten überbewerteten gehören.
Unterdessen hat der chinesische Shanghai Composite den Sensex übertroffen und die Debatte darüber angeheizt, ob die hohen Bewertungen Indiens gerechtfertigt sind.
Globale Risiken belasten Aktien
Neben den innenpolitischen Faktoren tragen auch die globalen wirtschaftlichen Unsicherheiten zum Marktrückgang in Indien bei.
Die Möglichkeit eines Handelskrieges unter einer zweiten Trump-Regierung hat bei den Anlegern zusätzliche Nervosität ausgelöst.
Da Indien ein wichtiger Exporteur von Dienstleistungen und Waren in die USA ist, könnte sich jede Änderung der Handelspolitik erheblich auf die Unternehmensgewinne auswirken.
Die Methode von Bloomberg zur Berechnung der Marktkapitalisierung schließt ETFs und ADRs aus und konzentriert sich ausschließlich auf aktiv gehandelte Primärpapiere an Börsen.
Dieser Ansatz zielt darauf ab, eine Doppelzählung zu verhindern, führt jedoch im Vergleich zu anderen Quellen zu niedrigeren Gesamtwerten.
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