
Indien und die USA verfolgen einen ehrgeizigen Kurs, um ihren bilateralen Handel bis 2030 auf mehr als 500 Milliarden US-Dollar zu verdoppeln. Dieser Schritt könnte die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der größten Demokratie der Welt und ihrer größten Volkswirtschaft neu gestalten.
Indiens Premierminister Narendra Modi und US-Präsident Donald Trump skizzierten diese Vision bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Washington und betonten eine Verschiebung hin zu strategischen Partnerschaften in den Bereichen Verteidigung, Technologie und Energie.
Die Ankündigung erfolgt, während beide Nationen ihre Handelspolitik angesichts der globalen wirtschaftlichen Neuausrichtungen neu ausrichten.
Die USA wollen den wirtschaftlichen Einfluss Chinas ausgleichen, während Indien seine Abhängigkeit von traditionellen Rüstungsherstellern wie Russland verringert.
Die Partnerschaft geht über den Handel hinaus und umfasst gemeinsame Initiativen in den Bereichen künstliche Intelligenz (KI), Halbleiterproduktion und kritische Mineralien – Sektoren, die für die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette von entscheidender Bedeutung sind.
Zölle und Handelsungleichgewichte
Obwohl das Handelsvolumen von 500 Milliarden US-Dollar auf eine stärkere Zusammenarbeit hindeutet, stehen beide Seiten bei der Lösung von Zollstreitigkeiten vor Hindernissen.
Indiens durchschnittlicher Zollsatz für Nationen mit Meistbegünstigungsstatus (MFN) liegt bei 17 %, verglichen mit 3,3 % in den USA.
Diese Diskrepanz ist seit langem ein Knackpunkt bei den Handelsverhandlungen.
Trump hat seine Haltung zu „gegenseitigen Zöllen“ bekräftigt und für gleichwertige Abgaben auf Importe aus Indien plädiert.
Die USA hatten Indiens Präferenzhandelsstatus im Rahmen des Allgemeinen Präferenzsystems (GSP) zuvor mit Verweis auf einen unfairen Marktzugang entzogen.
Modi verwies jedoch auf die jüngsten Tarifermäßigungen bei ausgewählten Importen als Schritt hin zu einem gerechteren Handel und äußerte sich optimistisch, dass bald ein neues Handelsabkommen abgeschlossen werden könne.
Trotz der Unterschiede bleibt die USA Indiens zweitgrößter Handelspartner. Der Gesamtwert des Warenhandels wird für 2024 auf 129 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Indiens Handelsüberschuss mit den USA betrug im vergangenen Jahr 45,7 Milliarden Dollar und spiegelt das starke exportgetriebene Wachstum des Landes wider.
Verteidigungszusammenarbeit wird durch F-35-Deal beschleunigt
In der Verteidigungspolitik vollzieht sich ein bedeutender Wandel in den Beziehungen zwischen den USA und Indien, da Indien seine militärischen Beschaffungen zunehmend von Russland abwendet.
Trump kündigte eine Steigerung des Waffenverkaufs an Indien an, einschließlich der Pläne, letztendlich F-35-Kampfflugzeuge zu liefern.
Dies stellt einen bedeutenden Schritt in der Verteidigungsstrategie Indiens dar, da das Land zu den größten Importeuren militärischer Ausrüstung der Welt zählt.
Indiens sich vertiefende Verteidigungsbeziehungen mit den USA passen zu Washingtons breiter Strategie, die Allianzen im Indopazifik zu stärken, um China entgegenzuwirken.
Die USA sind bereits ein wichtiger Lieferant fortschrittlicher Verteidigungssysteme für Indien, und die Aufnahme der F-35s würde diese Beziehung weiter festigen.
Strategische Investitionen in KI und Halbleiter
Über Handel und Verteidigung hinaus bauen Indien und die USA ihre Zusammenarbeit in aufkommenden Technologien aus.
Beide Länder haben sich verpflichtet, die Entwicklung von KI und die Halbleiterherstellung zu stärken, um widerstandsfähige Lieferketten aufzubauen.
Diese Bemühungen sind besonders wichtig, da der weltweite Chipmangel die Risiken einer übermäßigen Abhängigkeit von wenigen Produktionszentren aufzeigt.
Da die KI- und Halbleiterindustrie die nächste Welle des Wirtschaftswachstums vorantreiben, positioniert sich Indien als wichtiger Akteur in der globalen Technologielieferkette.
Die USA wiederum wollen ihre Halbleiterproduktionsbasis diversifizieren und ihre Abhängigkeit von China verringern.
Diese Kooperationen könnten den Weg für gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsinitiativen ebnen und erhebliche Investitionen amerikanischer Technologiefirmen in die indische Digitalwirtschaft anziehen.
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