
Indische Aktien gerieten erneut unter Druck, nachdem HSBC seine Markteinschätzung auf Underweight herabgestuft hatte und davor warnte, dass ein durch den Nahostkonflikt ausgelöster Ölpreisanstieg die Gewinnerholung des Landes gefährden und die Anlegerstimmung dämpfen könnte.
Die Herabstufung, die zweite des Brokerhauses innerhalb weniger als eines Monats, spiegelt die wachsende Sorge wider, dass steigende Energiekosten die makroökonomische Stabilität eines der weltweit größten Rohölimporteure belasten werden.
Nifty 50 und BSE Sensex sind in diesem Jahr bereits deutlich gefallen, um 6,7 % bzw. 7,9 %, und hinken damit mehreren globalen Vergleichsindizes hinterher.
Öl-Anstieg trübt Gewinnaussichten
Die Brent-Rohölpreise sind seit der Eskalation des Konflikts Ende Februar um mehr als 40 % gestiegen, haben die Marke von $100 pro Barrel durchbrochen und nähren Besorgnis über Inflation und Wachstum.
HSBC wies darauf hin, dass anhaltend hohe Ölpreise zu nach unten revidierten Gewinnerwartungen von Unternehmen zwingen könnten.
„Unter den aktuellen makroökonomischen Bedingungen erscheint Indien nun weniger attraktiv als seine nordostasiatischen Wettbewerber“, schrieb HSBC in einer Notiz am Donnerstag.
Das Brokerhaus erwartet, dass die Öl- und Gasmärkte auch in den kommenden Quartalen angespannt bleiben, was Druck auf Margen und Konsum ausüben werde.
Es warnte, dass selbst ein weiterer Anstieg der Rohölpreise um 20 % 1,5 Prozentpunkte vom prognostizierten Gewinnwachstum abziehen könnte, das derzeit für 2026 mit 16 % angesetzt ist.
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Bewertungsbedenken und ausländische Abflüsse
Obwohl die Bewertungen von früheren Höchstständen zurückgegangen sind, warnte HSBC, dass sie wieder hoch erscheinen könnten, wenn die Gewinnerwartungen nach unten revidiert werden.
Das Brokerhaus wies auch auf anhaltende Sorgen ausländischer Investoren hin, insbesondere in Bezug auf die Währungsstabilität.
Risiken einer Abwertung der Rupie könnten sich verstärken, falls die Ölpreise hoch bleiben, was Kapitalabflüsse beschleunigen könnte.
Ausländische Portfolioinvestoren haben im vergangenen Jahr bereits Milliarden aus indischen Aktien abgezogen, was eine vorsichtigere Haltung gegenüber Schwellenländern widerspiegelt.
HSBC fügte hinzu, dass wachsende Sorgen über die langfristigen Auswirkungen der künstlichen Intelligenz auf Indiens IT‑Dienstleistungssektor die Stimmung belasten, insbesondere bei globalen Investoren.
Märkte reagieren auf geopolitische Spannungen
Die indischen Benchmarks eröffneten am Donnerstag tiefer und folgten damit einem breiteren Abschwung an den asiatischen Märkten, da sich die geopolitischen Spannungen verschärften.
Der Nifty 50 fiel um mehr als 0,6 %, während der BSE Sensex im frühen Handel um etwa 0,9 % nachgab.
Die Marktbreite blieb schwach, 12 der 16 Sektorenindizes notierten im Minus.
Im Gegensatz dazu zeigten breitere Marktsegmente leichte Widerstandskraft: Der Nifty Smallcap 100 stieg um 0,3 % und der Nifty Midcap 100 legte um 0,1 % zu.
Regionweit fielen asiatische Aktien um rund 1 %, während Brent-Rohöl seine Rallye bereits die vierte Sitzung in Folge ausdehnte und angesichts anhaltender Unsicherheit über Friedensverhandlungen im Nahen Osten auf $103 pro Barrel kletterte.
„Da der Brent‑Preis auf $103 zurückspringt, steigt generell das Risiko für das globale Wachstum und insbesondere das Risiko für Indiens makroökonomische Lage“, sagte VK Vijayakumar, leitender Investmentstratege bei Geojit Investments.
Finanztitel blieben unter Druck aufgrund anhaltender Verkäufe aus dem Ausland, während die breitere Marktstimmung fragil blieb.
Ausländische Investoren haben im April netto indische Aktien im Wert von $4,3 Milliarden verkauft und bisher im Jahr 2026 $18,5 Milliarden.
Teilbereiche mit Widerstandskraft
Trotz der breiten Schwäche zeigten sich bestimmte Sektoren robust.
Pharmawerte legten vor dem Hintergrund starker Wachstumserwartungen zu, gestützt durch stabile Nachfrage und positive Branchentrends.
Das Brokerhaus Nomura stellte fest, dass Indiens Pharmamarkt im März ein zweistelliges Wachstum beibehielt und mehrere Unternehmen die Erwartungen übertrafen.
HSBC hob zudem selektive Chancen im Privatkundengeschäft, im Bereich Basismetalle und im Gesundheitswesen hervor und deutete an, dass Anleger in bestimmten Marktsegmenten weiterhin Wert finden könnten, während sich der breitere Ausblick eintrübt.
Gleichgewicht zwischen inländischer Unterstützung und globalen Risiken
Inländische Zuflüsse, insbesondere über systematische Investmentpläne, sorgen weiterhin für eine gewisse Stabilität bei indischen Aktien.
Analysten sagen jedoch, dass eine anhaltende Erholung wahrscheinlich von wiederkehrendem ausländischem Interesse abhängen wird, zumal mit einer Belebung der IPO‑Aktivität nach einem verhaltenen Jahresbeginn gerechnet wird.
Vorerst bleiben steigende Ölpreise und geopolitische Unsicherheit die dominierenden Treiber, sodass Anleger gegenüber dem kurzfristigen Kursverlauf des indischen Aktienmarkts vorsichtig bleiben.
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